Aargau
Statt an Schule in der Verwaltung sparen: Nun gehts Bürokratie an Kragen

Die CVP will nicht nur an der Schule, sondern vor allem auch in der Schulverwaltung sparen. Schulevaluationen sollen etwa seltener durchgeführt werden. Nun soll der Grosse Rat über den Vorstoss entscheiden.

Mathias Küng
Merken
Drucken
Teilen
Die CVP will weniger in der Schule, aber mehr in der Schulverwaltung sparen (Archivbild).

Die CVP will weniger in der Schule, aber mehr in der Schulverwaltung sparen (Archivbild).

Die Kontroverse um das Sparpaket der Regierung, insbesondere um die vorgeschlagenen Massnahmen im Bildungsbereich, nimmt an Intensität zu. Die Bildungspolitiker und CVP-Grossräte Marianne Binder und Martin Steinacher wollen nicht länger zuschauen. Sie verstehen die Verunsicherung der Lehrer, wenn sie sich vorab mit Massnahmen konfrontiert sehen, so Binder, «welche den Bildungsinhalten abträglich sind und nicht auch die (aufgeblähten) Verwaltungsstrukturen treffen».

Mit einem Postulat, das sie am 4. März einreichen und das der az exklusiv vorliegt, wollen sie das ändern. Sie verlangen eine dringliche externe Analyse bei Verwaltung und Administration im Bildungsbereich. Binder, ursprünglich selbst Lehrerin, ist überzeugt: «Enormes Sparpotenzial liegt bei der Verwaltung selbst, den Führungsstrukturen und den administrativen Aufwendungen, welche Schulen zu leisten haben.»

Dass Regierung und Verwaltung beim Ausloten des Sparpotenzials «sich selber weniger unter die Lupe genommen haben als die Schule», ist für Martin Steinacher verständlich. Genau deshalb brauche es aber eine externe Evaluation für die Verwaltung.

«Kind muss im Zentrum stehen»

Sparmassnahmen im Bildungsbereich seien nicht a priori tabu, machen beide Postulanten klar. Sie fordern jedoch, so Binder: «Bei allen Überlegungen muss das Kind im Zentrum stehen.» Zentrale Fragen heissen für sie: Welche Sparmassnahmen schaden den Kindern? Welche können sie verschmerzen? Wo gehen wesentliche Bildungsinhalte verloren? Wo leidet die Qualität der Schule?

Davon ausgehend, fordert Binder, «müssen alle Sparmassnahmen im Bildungsbereich, welche bereits vorgeschlagen sind, beurteilt werden». Binder verweist zusätzlich darauf, dass die Schulen aufwendigen externen Evaluationen unterzogen worden sind, die die Lehrerschaft «enorm Kraft gekostet haben», bisher die Verwaltung aber nicht. Steinacher schlägt vor, Schulevaluationen künftig in grösseren Abständen und weniger aufwendig durchzuführen.

Die beiden wollen Druck von der Schule nehmen. Man solle nicht um des Sparens willen Massnahmen beschliessen, «welche vielleicht überflüssig wären, wenn man das gesamte Sparpotenzial untersucht hat». Deshalb bedürften die Sparmassnahmen im Bildungsbereich einer ganzheitlichen Analyse bezüglich Nutzen und Schaden für die Qualität der Schule, bevor sie abschliessend beurteilt werden, fordern beide Postulanten. Dies wohl auch vor dem Hintergrund, dass die Regierung laut Sparpaket-Anhörungsbericht für 2014 bis 2017 ein Entlastungspotenzial von maximal 15 Stellen beim Verwaltungspersonal, bei den Lehrpersonen aber von 200 Stellen gefunden hat.

Notfalls Entscheide aussetzen

Aber reicht es zeitlich überhaupt für so eine Evaluation? Das Sparpaket kommt ja schon im Juni in den Grossen Rat. Binder und Steinacher sind überzeugt, dass dies machbar sei, es müsse natürlich sehr schnell geschehen. Steinacher: «Wir beantragen Dringlichkeit. Wenn das Postulat von zwei Dritteln der anwesenden Grossräte unterstützt wird, muss das Geschäft an einer der nächsten vier Sitzungen behandelt werden.»

Wenn der Rat die Evaluation verlangt, es zeitlich aber nicht reicht, fordert Binder, «die Sparmassnahmen in der Bildung so lange auszusetzen und erst in Kenntnis der Ergebnisse der Evaluation abschliessend zu beurteilen». Binder: «Es geht um viel!»