Statistik
Deutlich mehr Menschen starben: Diesen Einfluss hat die Pandemie auf die Aargauer Pflegeheime

In der jährlichen Gesundheitsstatistik von Statistik Aargau wird erstmals mit Zahlen belegt, was schon lange vermutet wurde: 2020 starben in Aargauer Altersheimen deutlich mehr Menschen als jeweils in den Jahren zuvor. Die Pandemie dürfte Hauptverantwortliche sein.

Raphael Karpf
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Die Pflegetage in Aargauer Heimen nahmen 2020 im Vergleich zum Vorjahr leicht zu.

Die Pflegetage in Aargauer Heimen nahmen 2020 im Vergleich zum Vorjahr leicht zu.

Sandra Ardizzone

Am Donnerstag veröffentlichte der Kanton Aargau die Gesundheitsstatistiken zum Jahr 2020. Darin werden statistische Kennzahlen zu den Spitälern, Pflegeheimen oder auch Spitexorganisationen veröffentlicht.

Zuerst zu den Pflegeheimen: Dort ist vor allem ein statistischer Wert auffällig: derjenige der Todesfälle. 2612 Menschen verstarben 2020 in Aargauer Pflegeheimen. Das sind 305 mehr als im Vorjahr (2307). Schaut man weiter zurück, waren die Todeszahlen längere Zeit mehr oder weniger konstant bei 2100/2200 Personen.

Zu besonders vielen zusätzlichen Todesfällen kam es bei älteren Bewohnerinnen und Bewohnern. 1716 Bewohnerinnen und Bewohner, die über 85 waren, verstarben 2020. Im Vorjahr waren es 1483 (+233).

Diese Zahl ist allerdings insofern mit Vorsicht zu beachten, da nicht abschliessend gesagt werden kann, wie viele Menschen insgesamt mehr in einem Altersheim lebten. Zu häufig kommt es dazu zu Wechseln in den Heimen auch innerhalb des Jahres.

Alleine auf eine Zunahme der Gesamtzahl der Bewohnerinnen und Bewohner lässt sich die Zunahme der Todeszahlen allerdings kaum zurückführen. Dafür gibt es zwei Anhaltspunkte:

Zum einen wohnten Anfang 2020 6440 Menschen in Aargauer Heimen. Anfang 2019 waren es mit 6349 nur unwesentlich weniger. Und zum anderen wurden 2020 insgesamt 2'307'000 Pflegetage verrechnet. 2019 waren es ebenfalls nur unwesentlich weniger: 2'304'000. Der Schluss, dass die Pandemie für zumindest manche der zusätzlichen Todesfälle verantwortlich war, liegt auf der Hand.

Erstmals seit Jahren weniger Pflegetage in Spitälern

Auf den ersten Blick weniger offensichtlich von der Pandemie betroffen scheinen die Akutspitäler. Mit insgesamt 482’258 Pflegetagen verzeichneten sie sogar einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (518’564). Es ist das erste Mal seit 2014, dass diese Zahl nicht ansteigt. Auch die durchschnittliche Zeit, die eine Patientin oder ein Patient im Spital verbrachte, nahm leicht ab (6 Tage 2020 statt 6,2 2019).

Auch der Anteil der Patientinnen und Patienten, die notfallmässig eingeliefert werden mussten, hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert (2020 51,3 Prozent, 2019 51,7 Prozent).

Und auch in Psychiatrischen und Rehabilitationskliniken haben sich die Anzahl Pflegetage und die durchschnittliche Pflegedauer im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Hier blieben auch die Kosten einigermassen konstant.

Bei den Spitälern gilt, ähnlich wie auch schon bei den Pflegeheimen: Die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen: Aufgeführt werden die Kennzahlen für sämtliche Aktivitäten der Spitäler. Die Covid-Stationen machten jeweils nur einen kleinen Teil davon aus. Die Daten sind daher nur bedingt aussagekräftig.

Zugenommen haben hingegen die Kosten eines durchschnittlichen stationären Pflegetags in den Akutspitälern. Kostete ein stationärer Pflegeplatz in den vergangenen Jahren jeweils konstant um die 1700 bis 1800 Franken, waren es 2020 1952.

Und auch bei den Behandlungen merkten die Spitäler die Pandemie. Statistik Aarau schreibt: «Pandemiebedingt gehörten 2020 neu auch die ‹Komplexbehandlung des Erwachsenen in einer Intermediate Care Unit (IMCU)›, die ‹Tröpfchenisolation› und die ‹Komplexbehandlung bei Besiedlung oder Infektion mit multiresistenten Erregern› zu den meistverwendeten Behandlungscodes.»

Spitex hat weniger Klienten als im Vorjahr

Bei der Spitex hat die Anzahl Klientinnen und Klienten erstmals seit Jahren abgenommen. 28'846 waren es im Jahr 2020, 2019 waren es mit 29'238 noch leicht mehr. In den Vorjahren war die Zahl kontinuierlich gestiegen (2018: 28'244; 2017: 26'881; 2016: 26'039). Obwohl es insgesamt leicht weniger Klientinnen und Klienten waren, brauchten diese insgesamt mehr Betreuung: 1'588'235 Stunden verrechneten die Spitexorganisationen 2020, im Vorjahr waren es 1'550'527.

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