Atomstrom

Start zum Kampf gegen den Atom-Ausstieg

Blick auf das Atomkraftwerk Leibstadt im Kanton Aargau (Archiv)

Blick auf das Atomkraftwerk Leibstadt im Kanton Aargau (Archiv)

Der «Verein zur Unterstützung der Kernenergie» wurde 1981 gegründet und hat sich bei den Volksinitiativen (erfolgreich) gegen den Ausstieg gewehrt. Und auch jetzt kämpfen sie gegen den CO2-freien Atomstrom.

Frontaler Schuss vor den Bug des Ausstiegs-Dampfers von Bundesrätin Doris Leuthard: Der 800 Mitglieder starke Verein Kettenreaktion der Atomenergie-Befürworter bekämpft in ganzseitigen Inseraten die Energiewende. Bereits 1981 wurde der «Verein zur Unterstützung der Kernenergie» gegründet und hat sich bei den Volksinitiativen (erfolgreich) gegen den Ausstieg gewehrt.

«Jetzt zünden wir den Startschuss gegen die Energiewende», sagt Präsident Hans Rudolf Lutz aus Lostorf. Der Zeitpunkt sei bewusst gewählt, meint der frühere Geschäftsleiter des Zwischenlagers, um im Vorfeld der bundesrätlichen Strategie «einen ersten Pflock einzuschlagen».

Kämpfer für CO2-freien Atomstrom

«Schauen sie doch die welt an,in Frankreich, England, Finnland, Polen, in den USA, überall werden neue Kernkraftwerke gebaut», ereifert sich Lutz und wird ganz zum alten Kämpfer für den sauberen, weil CO2-freien Atomstrom. «Über 60 Kernkraftwerke sind weltweit im Bau, die laufen dann während 80 Jahren», so Lutz.

Die Schweizer seien die Dummen und würden freiwillig darauf verzichten, um dadurch viel teureren Strom und eine weniger zuverlässige Versorgung zu haben. Auch wenn das Schweizer Fernsehen und die Presse den Ausstieg ständig propagierten, sei er noch längst nicht beschlossen. Statt einer Energiewende befürworte der Verein Kettenreaktion zum Wohl des Landes neue Atomkraftwerke.

Das Volk werde es Richten, glaubt der Präsident der Kettenreaktion allen Ernstes: «Bis es in zwei, drei Jahren zur Abstimmung kommt, sieht die Welt ganz anders aus», erklärt Hans Rudolf Lutz. Eine zentrale Forderung lautet denn auch, die Energiewende und damit der Atomausstieg müssten «zwingend dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden». Aus der SVP liegt bereits die Forderung auf dem Tisch, bis 2030 müsse ein neues Atomkraftwerk gebaut werden.

Ob und wie stark der Ausstieg bei weiteren Parteien zu bröckeln beginnt, dürften die nächsten Monate zeigen. Jedenfalls berichtet Lutz von sehr vielen positiven Reaktionen auf das Manifest der Kettenreaktion. Strom aus Wind und Sonne stellten hohe Anforderungen an die Speicherung, die mit dem heutigen Potenzial nicht erfüllbar seien. Der Ausfall von Bandenergie aus den Kernkraftwerken führe im Winter zu Problemen.

Gaskraftwerke lösen Problem nicht

Der Bau von Gaskraftwerken löse das Problem nicht, nur der CO2-Ausstoss der Schweiz nehme zu und die Abhängigkeit vom Ausland ebenfalls. Die Unterzeichner aber wollten die weltweit einmalige, weitestgehend CO2-freie und sichere Stromversorgung der Schweiz nicht gefährden.Die Energiewende schwäche den Wirtschaftsstandort und den Wohlstand unseres Landes, die soziale Sicherheit werde gefährdet, befürchtet die Kettenreaktion. Unter den 120 Manifest-Unterzeichnern sind viele Dinosaurier der Atomenergie, ein Drittel aus dem Aargau: ehemalige NOK-Direktoren, Leiter der Atomkraftwerke Beznau und des Zwischenlagers für radioaktive Abfälle sowie des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) in Würenlingen.

Aktive Politiker fehlen, «weil sich da doch niemand die Finger verbrennen will», meint eine befragte Person zur heissen Atomenergie-Diskussion. Bei den Aargauern stösst man u.a. auf die Namen Kurt Küffer, Ennetbaden; Anton Bucher, Oftringen; Ulrich Fischer, Seengen; Walter Nef, Klingnau; Walter Novak, Lengnau; Rudolf Meier, Wettingen; Walter Heep, Bad Zurzach, Professor Walter Winkler, Muri.

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