Coronavirus

Start-up-Hilfe in der Krise - doch bringt das was?

Der Bund hilft von der Coronakrise gebeutelten Start-ups mit einem eigenen Unterstützungsprogramm. (Symbolbild)

Der Bund hilft von der Coronakrise gebeutelten Start-ups mit einem eigenen Unterstützungsprogramm. (Symbolbild)

Die Start-up Szene hat es sowieso nicht leicht. Das Coronavirus aber hat die Situation noch verschärft. Jetzt soll es finanzielle Hilfe geben. Doch der Jubel ist verhalten.

Eigentlich müsste ein Jubelschrei durch die Start-up-Szene gehen. Denn der Bund hat beschlossen, spezifisch für Start-ups Bürgschaften in der Höhe von bis zu 154 Millionen Franken zu vergeben. Sofern sich die Kantone beteiligen. Und der Aargauer Regierungsrat hat am 6. Mai genau das beschlossen. «Start-ups sind Innovationstreiber und damit ein wichtiges Zukunftspotenzial der kantonalen Wirtschaft», erklärt Regierungsrat Urs Hofmann, Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Und diese waren auf zusätzliche Mittel angewiesen, denn von den Bundeskrediten hätten sie kaum profitieren können, da diese vom Umsatz abhängig sind. Der ist bei Jungunternehmen von Natur aus tief oder gar nicht vorhanden.

Mit Corona wurde es für Start-ups noch schwieriger

Schon in normalen Zeiten ist es für Start-ups schwierig, Investoren zu finden. «Mit der Coronavirus-Krise ist es natürlich noch viel schwieriger geworden», sagt Regierungsrat Hofmann. Die Zahlen dazu liefert Stefan Steiner, Geschäftsleitungsmitglied von Venturelab, einem durch private Gelder finanzierten Start-up-Förderprogramm. Im ersten Quartal 2020 ist das in der Schweiz investierte Risikokapital im Vergleich zum Vorjahr um 100 Millionen gesunken, wie Steiner weiss. Aufs ganze Jahr betrachtet, befürchtet man, dass sich das Risikokapital von 2,2 Milliarden im letzten Jahr fast halbieren könnte.

«Wir haben uns sehr gefreut, als wir von den vom Kanton beschlossenen Massnahmen erfuhren», sagt Rafael Waber, Geschäftsführer von Swiss Shrimp in Rheinfelden. Man komme nun leichter zu Liquidität. Und zwar in deutlich höherem Mass, als dies die zuvor schon beschlossenen Bundeskredite in Milliardenhöhe ermöglicht hätten. Denn Swiss Shrimp ist in der Wachstumsphase und hat noch einen reduzierten Umsatz.

Aber es gibt auch Kritik aus der Szene. Gerade bei Start-ups mit hohem Potenzial, oft aus dem Hightech-Bereich (Medtech, Fintech, Lifescience), können Schulden Gift sein. Oft fliessen dort zig Millionen in die Entwicklung, die bis zu zehn Jahre dauern kann. Man ist auf Risikokapital angewiesen. Und die Leute, die dies zur Verfügung stellen, schrecken vor Schulden zurück. «Das kann die Forschung von mehreren Jahren gefährden», sagt Steiner.

Business-Angel und Gründungsexperte Nicolas Berg fordert deshalb vom Staat weitere Mittel. Er schlägt einen Fonds in der Höhe von einer Milliarde für Start-ups vor. Das Geld soll dazu verwendet werden, Investitionen von Risikokapitalgebern zu matchen. Investiert jemand eine Million, würde vom Staat ebenfalls eine Million kommen. So kämen die Unternehmen zu Eigenkapital und der Staat könnte mit seinem Investment potenziell gar Gewinne machen.

Als bisher einziger Kanton hat sich Zürich deshalb entschieden, sich nicht am Bundesprogramm zu beteiligen. Man setzt stattdessen auf Wandeldarlehen, was für das Unternehmen einer Eigenkapital-Aufstockung gleichkommt. Im Aargau ist man sich der Problematik auch bewusst. Regierungsrat Hofmann sagt: «Tatsache ist, dass Darlehenslösungen nur für einen Teil der Start-ups zweckmässig sind und à-fonds-perdu-Leistungen oder das zur Verfügung Stellen von Risikokapital oft vorteilhafter wären.» Aber man habe keinem Start-up die Möglichkeit nehmen wollen, einen solchen Kredit mit staatlicher Bürgschaft aufzunehmen, wenn es aus unternehmerischer Sicht sinnvoll wäre.

Meistgesehen

Artboard 1