Grossrat ist er schon seit 32 Jahren, 2009 hat er das Parlament präsidiert. Aber als Stadtrat von Zofingen erlebte Herbert H. Scholl vor vier Jahren sein Waterloo: Der Kommandant der Stadtpolizei, für dessen Anstellung Scholl hauptverantwortlich war, wurde wegen Drogendelikten verhaftet, Scholl trat zurück.

Jetzt tritt er wieder zur Wahl an. Der Comeback-Versuch wird nicht überall verstanden, insbesondere in Polizeikreisen nicht.

Scholl versuchte seine Motivation gestern im «TalkTäglich» auf Tele M1 zu erklären. Er habe damals ein Opfer gebracht, um die Situation zu beruhigen. Er sei dabei vom Kollegium etwas im Stich gelassen worden, mit Rachegefühlen habe seine Kandidatur aber nichts zu tun, erklärte Scholl auf drängendes Nachfragen von Moderater Werner De Schepper.

Hintergrund: Der Zofinger Stadtrat erklärte damals, Scholl habe entgegen den Beschlüssen des Kollegiums keinen Leumundsbericht des Kandidaten für das Polizeikommando eingeholt. Scholl bestritt diese Darstellung.

Politik-Virus

Das sei nun aber erledigt. Er habe einfach einen Politik-Virus in sich und das Gefühl, er könne mit seiner langjährigen politischen Erfahrung etwas zur Lösung der Probleme in Zofingen beitragen.

Eine Spitze gegen die amtierende Stadtregierung: Der heutige Stadtrat habe nach Auffassung der bürgerlichen Seite «irgendwie den Faden verloren», so Scholl.

Die stolze Stadt stecke in einer schwierigen finanzpolitischen Lage, man könne sich nicht mehr alles leisten und müsse Prioritäten setzen. In dieser Situation, so der Vorwurf, habe die Stadtregierung «vor lauter Konzepten zu wenig Lösungen».

Es sei aber nicht sein Ziel, bei einer erfolgreichen Wahl auch gleich das Ammannamt zu erobern. Mit seinen 65 Jahren sehe er eher ein teilzeitliches Engagement. So ganz ohne Wenn und Aber mochte Scholl auf Drängen von De Schepper das Gerücht allerdings doch nicht dementieren, die Freisinnigen wollten mit ihm den parteilosen Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger vom Thron stossen.