Baden
Stadtrat kann Wegzug der International School nicht verhindern

Die Zurich International School schliesst ihren Campus definitiv – trotz Bemühungen von Stadt und Kanton. Für die Schule lohnt es sich nicht, den Standort weiterhin zu betreiben.

Pirmin Kramer
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Der Stadtrat will kämpfen, damit die Zurich International School in Baden bleibt.

Der Stadtrat will kämpfen, damit die Zurich International School in Baden bleibt.

Julia Stückelberger

Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Mitte Monat teilte die Zurich International School (ZIS) mit, sie plane den Wegzug aus Baden. Rund 126 Kinder ausländischer Business-Nomaden werden in den Räumen am Lindenplatz unterrichtet – zu wenige, um den Betrieb wirtschaftlich führen zu können.

Ein Funken Hoffnung aber blieb für die Eltern: Der Entscheid des Wegzugs stehe noch nicht zu hundert Prozent fest, erklärte ZIS-Sprecherin Urte Sabelus. Man wolle den Angestellten bis Ende Monat die Möglichkeit geben, allfällige Lösungsmöglichkeiten zu präsentieren.

Die Badener Bildungsvorsteherin Ruth Müri (team) erklärte damals, der Stadtrat habe seit Frühjahr vergeblich versucht, gemeinsam mit der Schule eine Lösung zu finden. Der Stadtrat gebe aber noch nicht auf und versuche in der Zeit, die noch bleibe, eine Lösung zu finden.

Aus kam am Montagabend

Diese Zeit ist nun verstrichen, und am Montagabend hat der ZIS-Stiftungsrat entschieden, den Campus in Baden definitiv per Ende Schuljahr 2014/2015 zu schliessen. «Wir haben in den letzten Wochen intensive Gespräche mit allen massgeblichen Beteiligten und Betroffenen geführt», wird ZIS-Direktor Jeff Paulson in einer Mitteilung zitiert.

«Wir fanden jedoch keine Lösung, die uns erlaubt hätte, den Schulbetrieb unter Berücksichtigung der internationalen Qualitätsstandards wirtschaftlich zu führen.» Allen 126 Schülerinnen und Schülern, die von der Schliessung der ZIS betroffen seien, werde ein Platz an einem der vier anderen Schulstandorte im Grossraum Zürich garantiert, den Transport zwischen Schule und Wohnort stelle man sicher.

Vizeammann Markus Schneider sagt: «Wir bedauern den Wegzug der Schule sehr». Man habe alles versucht, um die ZIS zum Verbleib zu bewegen, versichert Schneider. «Wir haben zusammen mit der Kantonsregierung und der ZIS nach Lösungen gesucht. Uns waren aber bis zu einem gewissen Grad die Hände gebunden, den Entscheid fällte allein der Stiftungsrat. Wir müssen den Wegzug der Schule wohl oder übel hinnehmen», führt der Vizeammann aus.

Der Stadtrat ist laut Schneider der Meinung, dass es in Baden weiterhin eine internationale Schule brauche. «Wir strecken die Fühler aus und hoffen, dass sich wieder eine internationale Schule bei uns ansiedeln wird.»

Nicht einfach hinnehmen will den Entscheid hingegen die Badener CVP-Grossrätin Marianne Binder, wie sie auf Anfrage sagt. Binder reichte kürzlich beim Regierungsrat eine Interpellation ein, weil sich der Kanton 2008 für den Standort Baden einsetzte und die ZIS mit einer Anschubfinanzierung von 130 000 Franken unterstützte.

«Es kann ja nicht sein, dass das Engagement und die Investitionen für die Schule vergeblich waren» sagt Binder. «Wenn es der Kanton ernst meint mit der Förderung des Standorts Baden, sollte er sich dafür einsetzen, dass in den Räumlichkeiten wieder eine Tagesschule einzieht. Der Bedarf ist in unserer Wirtschaftsregion zweifellos gegeben.»

Kritik äussert sie am Stadtrat: «Wenn der Stadtrat seit Monaten von der drohenden Schliessung wusste, frage ich mich schon, was er denn unternahm, um nach Alternativen zu suchen und für Baden zu lobbyieren.»