Beinahe hätte es ein Valentinskind gegeben. Doch das Baby entschied sich, am 11. Februar auf diese Welt zu kommen. Ein putzmunterer und kerngesunder Knabe. Das war die jüngste Geburt im «Storchenäscht», dem einzigen Geburtshaus im Aargau. «Dies kann sich aber stündlich ändern», sagt Leiterin Anita Hilario (30) und lacht.

Seit Anfang Juni 2012 leitet sie das «Storchi» in Othmarsingen. Sie übernahm nicht nur die Leitung, sondern stand damals auch mitten in einem kahlen, leeren Haus, das sie spontan gekauft hatte. Das «Storchenäscht» zügelte zu diesem Zeitpunkt von Lenzburg nach Othmarsingen (siehe Kasten).

Das Geburtshaus hat sich am neuen Standort gut etabliert, findet die Hebamme, «auch wenn Lenzburg und das ‹Storchi› wie Pech und Schwefel zusammengehörten». Das belegen die Geburtenzahlen: Wie in den vergangenen Jahren kommen im «Storchenäscht» durchschnittlich 125 Babys pro Jahr zur Welt.

2012 waren es 127, 2013 123 Mädchen und Knaben. Heuer blicken die Hebamme und ihr Team bereits auf 20 Geburten zurück. Es gebe geburtenstarke Zeiten, etwa im Frühling oder im Herbst, sagt Anita Hilario, und augenzwinkernd fügt sie hinzu: «Ein Fest oder eine WM im Sommer wirken sich auf die Geburtenzahlen aus. Da verlieben sich Pärchen.»

Für ein Geburtshaus sei der Standort nicht ausschlaggebend, findet Hilario. «Anders als ein Geschäft, das auf Laufkundschaft angewiesen ist, leben wir von unserem guten Ruf und der Mundpropaganda. Unsere Frauen kommen zu uns, weil sie sich wohlfühlen und sich mit dem ‹Storchenäscht› identifizieren.»

Der Standort an der Hendschikerstrasse in Othmarsingen sei zwar nicht so zentral wie derjenige in Lenzburg. Ein Nachteil sei dies aber nicht, sagt die Hebamme. «Wir sind mit Auto oder Zug gut erreichbar und liegen nahe bei
einem Autobahnzubringer.»

Ins gemachte «Näscht» gesetzt

Für Anita Hilario waren die letzten anderthalb Jahre eine strenge Zeit: Als junge Hebamme musste sie lernen, ein Geburtshaus zu leiten. Ein Vorteil war, dass sie sich praktisch ins gemachte «Näscht» ihrer Vorfahrerin Doris Erbacher setzen konnte und bis heute von deren Erfahrungen profitieren kann.

«Wir sind keine sterile Gebäroase, sondern ein familiäres, ganzheitliches Haus. Uns ist es wichtig, dass ein Paar die Geburt und die Zeit im Wochenbett bewusst erlebt.» Anders als im Spital dürften Eltern im «Storchenäscht» ihre Tage individuell gestalten. In einem ruhigen und geborgenen Rahmen seien sie ihrem Neugeborenen besonders nahe. Missen möchte Anita Hilario die vergangenen Monate trotz des grossen Arbeitsaufwands nicht: «Ich habe viel für mein Herz gewonnen.»