Aargauer Schulen
Sponsoring im Schulzimmer: Microsoft bietet Gratis-Office an

Firmen biete nicht nur kostenlose Unterrichtsmaterialien an, sondern ködern Schulen auch mit Gratisofferten. Für die Schulleitungen ergeben sich heikle Situationen.

Nicola Imfeld
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Firmen biete nicht nur kostenlose Unterrichtsmaterialien an, sondern ködern Schulen auch mit Gratisofferten.

Firmen biete nicht nur kostenlose Unterrichtsmaterialien an, sondern ködern Schulen auch mit Gratisofferten.

Keystone

Edgar Kohler ist Schulleiter der Sekundar- und Realschule in Lenzburg. Er sagt, dass die Lehrpersonen selbst entscheiden, ob und wie sie gesponserte Lehrmittel in den Unterricht integrieren. «Meistens bleibt aber gar keine Zeit, weil der Stoff in den offiziellen Lehrmitteln in der knappen Unterrichtszeit mehr als ausreichend ist.

Für spezielle Themen wie beispielsweise Finanzen kann es durchaus sein, dass Lehrmittel von Banken zum Einsatz kommen.» Er traue seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern allerdings zu, dass sie die privaten Unterrichtsmaterialien mit der notwendigen Sorgfalt einsetzen.

Microsoft zeigt sich grosszügig

Firmen und Organisationen bieten aber nicht nur auf Schulplattformen wie Kiknet Unterlagen an, sondern wenden sich auch direkt an die Schulen. «Die Swisscom hat schon mehrfach Medienkurse und Referate für die Schüler, aber auch für die Eltern angeboten», erklärt Kohler. In diesem Bereich habe man aber selber geeignete Fachpersonen.

Ein Angebot von Microsoft sei da schon verlockender. «Gratis Office für alle Lehrpersonen und Schüler der Oberstufe Lenzhard, inklusive 1 Terabyte Speicherplatz», erklärt Schulleiter Kohler. Die Offerte sei deswegen interessant, weil so alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Voraussetzungen hätten.

Ob man das «Geschenk» annimmt, sei noch nicht entschieden. Gerade im Informatikbereich schätzt es Kohler aber als «unmöglich» ein, ohne bekannte Marken auszukommen. «Dann müssten wir ja auf irgendwelche No-Name-Computer setzen, anstatt auf Geräte von Apple oder Microsoft.»

«Eltern können intervenieren»

In der Primarschule Junkholz in Wohlen hat man eine strenge Handhabung mit Lehrmitteln aus der Wirtschaft, wie die Schulleiterin Barbara Müller erklärt. «Wir überprüfen jegliche Schulmaterialien, die uns von Verbänden oder Firmen zugestellt werden. Sie müssen mit dem Lehrplan kompatibel sein.» Nur dann würden die Unterlagen überhaupt in die Lehrerbibliothek gelangen.

Dass Lehrpersonen über Kiknet fixfertige Schullektionen bestellen, kann Müller aber nicht ausschliessen. «Es ist gar nicht möglich, dies zu kontrollieren. Aber jedes ausgeteilte Dokument hat eine gewisse Öffentlichkeit, denn hinter einer Schulklasse stehen rund 20 Elternpaare.» Wenn also eine Lehrperson zweifelhafte Materialien verwendet, könne man jederzeit intervenieren. Dies komme in der Praxis aber selten vor, sagt Müller.