Gault&Millau

Spitzenkoch Rossal: «Die andern Köche waren echt sauer auf mich»

Spitzenkoch Siegfried Rossal erhielt im «Seerose Cocon» in Meisterschwanden 15 «Gault-Millau»-Punkte.ZVG

Spitzenkoch Siegfried Rossal erhielt im «Seerose Cocon» in Meisterschwanden 15 «Gault-Millau»-Punkte.ZVG

Siegfried Rossal kam mit «Seerose Cocon» auf Anhieb auf 15 «Gault Millau»-Punkte. Das freut den Aargauer Spitzenkoch. Entscheidender als die Bewertung durch den Gourmet-Führer sei jedoch die Reaktion der Gäste.

Kein Koch kam mit einem Aargauer Lokal auf eine höhere Punktzahl in der Gourmet-Fibel «Gault Millau» als Siegfried Rossal. Nach seinen 17 Punkten im Magdener «Pöschtli» in den Jahren 1995 bis 2004 hat der Deutsche beim Comeback im Meisterschwander «Seerose Cocon» auf Anhieb den kantonalen Spitzenwert von 15 Punkten erreicht.

Nachdem Rossal zwischen 2004 und 2006 bereits als kulinarischer Berater in der Meisterschwander «Seerose» gewirkt hatte, wurde er nun von Hotelier Felix Suhner als
Küchenchef für das Gourmetrestaurant des im Frühling eingeweihten neuen Hotel- und Spa-Trakts namens «Cocon» verpflichtet.

Unglückliche Formulierung

Gemäss dem Kommentar in der neuesten Ausgabe des Gourmetführers zelebriert die «Legende der Aargauer Gastronomie» im neuen Lokal «eine unverfälschte, auf klar erkennbaren Aromen basierende Küche aus meist regionalen Zutaten».

Eine andere Formulierung im «Gault Millau» hat Rossal viel weniger gefallen: Er habe erst die Küchen von «Seerose Classic» und «Seerose Samui-Thai» (diesmal wieder mit
13 Punkten ausgezeichnet) «auf Vordermann gebracht».

«Dies stimmt nicht und würde die Leistung der entsprechenden Kochbrigaden schmälern», will sich Rossal nicht mit fremden Federn schmücken: «Die andern Köche waren echt sauer auf mich, obwohl ich ja nichts zur unglücklichen Formulierung beigetragen habe», schilderte er der az den eher frostigen Empfang von gestern Dienstag.

Gäste wichtiger als «Gault Millau»

Wichtiger als die eigene gute Note im Restaurantführer ist Rossal die Beurteilung durch die Besucher: «Der ‹Gault Millau› hilft, die Bekanntheit im weiteren Umfeld zu erhöhen, doch entscheidender sind die Reaktionen der Gäste.»

Rossal empfindet es nicht als Nachteil, dass sein neues Lokal etwas abseits vom Schuss am Hallwilersee steht. Man biete mit dem neuen Spa-Bereich und den einmaligen Hotelzimmern Anreize zum längeren Verbleib. Und auch die Suche nach regionalen Lieferanten von hochwertigen Rohstoffen sei «einfacher als vor 30 Jahren»: «Damals waren wir Pioniere.»

Hochburg Lenzburg

15 Punkte sind aktuell der Spitzenwert im Kanton. Weitere sechs Restaurants erreichen im «Gault Millau 2014» diese Note (siehe Box). Dem Aargau fehlt also weiterhin eine absolute Topadresse, doch können sich hiesige Gourmets an einer aussergewöhnlichen Dichte hervorragender Lokale erfreuen.

18 Aargauer Lokale erhielten im neuen Guide Punkte. Im Vorjahr figurierten noch 23 Betriebe im «Gault Millau», nun sind beispielsweise die letzten Vertreter der Stadt Baden rausgefallen.

Den kulinarischen Schwerpunkt bildet die Region Lenzburg mit sieben Lokalen. «Wir haben hier halt gute Esser», macht Stadtammann Daniel Mosimann einen
Erklärungsversuch – und deutet auf seinen Bauch.

Für René Bossard, Präsident von Seetaltourismus, machen die «Tradition und motivierte Köche» die breite Spitze hier aus: «Konkurrenz belebt das Geschäft», findet er. Laut Silvio Meier, dessen «Ampere» in Rupperswil wieder auf 14 Punkte kam, respektiere man die Konkurrenten: «Für mich viel wichtiger sind Leidenschaft und Individualität.»

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