Spitex
Spitex-Pflegerinnen sind gern gesehene Gäste

Die Mitarbeiterinnen haben es mit den unterschiedlichsten Behandlungsfällen zu tun. Ein az-Reporter ist einen Morgen mit einer Spitex-Mitarbeiterin von Baden-Ennetbaden unterwegs.

Adrian Hunziker
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Spitex-Mitarbeiterin Simone Müller desinfiziert den Oberschenkel eines Klienten
6 Bilder
Müller hilft einer Klientin aus dem Bett
Unterwegs mit der Spitex Baden-Ennetbaden
Die Spitex-Mitarbeiterin hält alle Vorgänge in einem Organizer fest
Das Werkzeug muss alles steril sein
Spitex-Mitarbeiterin Müller cremt den Fuss einer Klientin ein

Spitex-Mitarbeiterin Simone Müller desinfiziert den Oberschenkel eines Klienten

Chris Iseli

Der Tag einer Spitex-Mitarbeiterin beginnt um 7 Uhr morgens mit einer kurzen Einsatzbesprechung im Team. Danach machen sich die Mitarbeiterinnen - es sind bei der Spitex Baden-Ennetbaden derzeit nur Frauen - auf den Weg. Simone Müller fährt zu ihrem ersten Klienten nach Kappelerhof. «Ich hoffe, er sperrt seinen Hund ein, sonst kann ich mich nicht konzentrieren», sagt Müller. Denn sie hat Angst vor Hunden. «Kein Problem», sagt Goran Markovic, der 31-jährige Klient.

Müller geht erst zum zweiten Mal bei ihm vorbei. Er ist IV-Bezüger, war vorher Dachdecker. Er wurde vor sieben Jahren mit Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert, jetzt ist er geheilt. Seit letztem Winter hat er eine Thrombose. Da er sich das Mittel Fragmin nicht selber spritzen kann, kommt täglich jemand von der Spitex vorbei. Markovic ist mit den Spitex-Mitarbeiterinnen sehr zufrieden: «Sie sind alle sehr lieb.» Nachdem Müller dem jungen Mann die Spritze gesetzt hat, bedankt er sich und schon geht es nach knapp 15 Minuten weiter zur nächsten Klientin.

Zurück in Baden nimmt die 38-jährige Pflegerin einen Schlüssel hervor und öffnet die Haustür. Die Klientin hat multiple Sklerose und kann nicht mehr selber an die Tür kommen. Lorena Rojas ist 45 und hat seit 20 Jahren MS. Sie ist sehr offen und gibt gerne Auskunft. Sie kennt sich aus im Umgang mit den Medien. «Ich bin diejenige, die im Januar in Teneriffa zuerst nicht ins Swiss-Flugzeug gelassen wurde», sagt Rojas.

Zwischenmenschliches ist wichtig

Am Morgen - es ist etwa 8 Uhr - freut sie sich auf einen Kaffee und eine Zigarette. Auch sie hat durchs Band bisher nur positive Erfahrungen mit der Spitex gemacht. «Und die Pflegerinnen kommen nun seit acht Jahren zu mir. Derzeit einmal am Morgen und einmal abends», so Rojas. Ihr ist vor allem das Zwischenmenschliche wichtig. «Ich lache gerne, also muss es zwischen den Spitex-Mitarbeiterinnen und mir passen.»

Müller macht Kaffee, Tee, hilft ihr beim Waschen, Toilettengang und beim Anziehen. Dann setzt sie Rojas in den elektrischen Rollstuhl. Rojas sagt der Pflegerin, wie sie was am besten machen muss. Denn Müller war schon lange nicht mehr bei ihr. Doch die beiden verstehen sich blendend, sie kennen sich schon länger. «Mir ist es wichtig, dass ich immer noch alleine leben kann. Dafür benötige ich die Spitex», erklärt Rojas. Auch für Müller ist das ein wichtiger Aspekt bei ihrer Arbeit: «Ich finde es toll, wenn ich es Klienten weiterhin ermöglichen kann, dass sie in ihren eigenen vier Wänden weiterleben.»

Wunde muss gereinigt werden

Gegen halb 10 kommt Müller bei ihrer nächsten Klientin an. Elisabeth Strasser feiert an diesem Tag gerade ihren Geburtstag. Die Rentnerin wird 88. «Wir feiern mit der Familie, aber erst am Wochenende», sagt sie lächelnd. Müller muss bei ihr eine Wunde an der Wade kontrollieren, säubern und den Verband erneuern. Da Stauffer sehr dünne Haut hat, verzögert sich bei ihr die Wundheilung massiv.

«Ich stiess irgendwo mit der Haut an und schon begann es, zu bluten. Das ist jetzt etwa drei Wochen her», erinnert sie sich. Müller zieht sich für die Reinigung der Wunde und den neuen Verband Handschuhe an und desinfiziert diese zusätzlich. Stauffer ist mit Müllers Arbeit sehr zufrieden: «Die Spitex-Mitarbeiterinnen sind alle sehr nett und freundlich. Sie kommen alle zwei Tage bei mir vorbei.»

Nach dem Besuch bei Frau Stauffer verabschiedet sich der Journalist um 10 Uhr von der Pflegerin. Müller arbeitet seit drei Jahren bei der Spitex und sagt, ihr sei der Kontakt mit den Klienten am wichtigsten. «Ich mache eine sinnvolle Arbeit. Ich bin nah am Leben, aber auch am Tod dran. So sehe ich auch die schwierigen Seiten des Lebens», erklärt Müller. Dann macht sie sich auf zu ihrer nächsten Klientin.

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