Gesundheitssystem

Spitäler schliessen: Ist das St.Galler Modell auch im Aargau eine Option?

«Es geht nicht darum, Spitäler zu schliessen, sondern sie umzuwandeln», sagte Grossrätin Martina Sigg. (Symbolbild)

«Es geht nicht darum, Spitäler zu schliessen, sondern sie umzuwandeln», sagte Grossrätin Martina Sigg. (Symbolbild)

Im Kanton Aargau sorgt die Zahl der Spitäler immer wieder für Diskussionen. Eine Umwandlung von Regionalspitälern in Gesundheitszentren könnte Kosten sparen.

Spitalplanung Der St.Galler Kantonsrat hat Mitte September entschieden, wie es mit den Spitälern im Kanton weitergehen soll. Oder vielmehr: Wie es für gewisse öffentlich-rechtliche Spitäler nicht weitergehen soll. Er hat die Zahl der Spitalstandorte im Kanton von derzeit neun auf fünf reduziert. Die vier Landspitäler in Altstätten, Flawil, Rorschach und Wattwil werden im neuen Beschluss über die Festlegung der Spitalstandorte nicht mehr erwähnt.

Auch im Kanton Aargau sorgt die Zahl der Spitäler immer wieder für Diskussionen. Die ehemalige Aargauer Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli sorgte 2017 für Schlagzeilen, weil sie sagte, im Aargau gebe es zu viele Spitäler. «Wir müssen uns fragen, ob wir uns das finanziell noch leisten können und ob es der Qualität dient», sagte sie zum «Sonntagsblick». Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass ein Spital während 365 Tagen 24 Stunden bereitstehen müsse und 30 Kilometer weiter ein anderes Spital dasselbe mache.

FDP schlägt Gesundheitszentren statt Regionalspitäler vor

Auch die FDP Aargau ist überzeugt, dass im Gesundheitswesen mehr Qualität für weniger Geld möglich ist. 2018 hat die Partei ihre «Liberale Gesundheitsagenda» verabschiedet. Darin hält sie fest, dass die Spitalstrukturen im Aargau nicht mehr zeitgemäss seien, weil die Bevölkerung heute sehr mobil sei und akut gefährdete Personen dank Ambulanz und Heli rasch versorgt werden könnten. Der Partei schwebt deshalb vor, dass einige Regionalspitäler zu Gesundheitszentren werden. «Es geht nicht darum, Spitäler zu schliessen, sondern sie umzuwandeln», sagte Grossrätin Martina Sigg zur AZ.

Aus der Totalrevision wurde eine Teilrevision

Eine ähnliche Vision der Spitallandschaft 2035 skizzierte Ende Oktober 2018 dann auch das Gesundheitsdepartement in seinem Anhörungsbericht zum totalrevidierten Spitalgesetz. Die Idee dabei: Komplexe, spezialisierte Eingriffe auf die beiden Zentrums­spitäler in Aarau und Baden konzentrieren und die sechs Regionalspitäler zu Gesundheitszentren umfunktionieren, die nur noch die stationäre Grundversorgung in der Region sicherstellen und sich dabei schwergewichtig um ambulante Leistungen kümmern.

Aus der Totalrevision des Spital­gesetzes wurde schliesslich eine Teilrevision. Strategische Fragen – darunter jene zur Spitallandschaft – wurden ausgeklammert. Die neue Spitalliste 2020 brachte kaum Veränderungen: Die bestehenden Leistungsaufträge wurden im Wesentlichen bestätigt.

Dass die Idee funktionieren kann, hat der Aargau bewiesen. 2005 wurde das Medizinische Zentrum Brugg eröffnet. Dieses ist nach der Schliessung des Spital Brugg entstanden. (nla)

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