Hanspeter Stocker ist Spielsucht-Berater bei der Aargauischen Suchthilfe. Anfragen wegen Game- und Onlinesucht erhält er immer häufiger. Oft von Eltern süchtiger Kinder, immer wieder auch von betroffenen Erwachsenen.

Online- und Gamesucht werde oft lang nicht erkannt, weiss Stocker. Denn online zu sein, geniesse viel Akzeptanz in der Gesellschaft. «Eltern sind meist froh, dass die Kinder zu Hause sind und nicht draussen rumhängen.» Doch Stocker vermutet: «Hinter geschlossenen Haustüren gibt es viel Leid.»

Das würden Veranstaltungen der Suchtprävention Aargau zu diesem Thema zeigen, die immer sehr gut besucht seien. Von der Sucht betroffen sind nicht nur Jugendliche. Es gebe Väter, die allein oder gemeinsam mit ihren Kindern masslos Online-Videogames spielten und Mütter, die daran verzweifelten.

In Ersatzwelt fliehen

Verlockend ist vor allem für junge Menschen, dass sie in der virtuellen Welt leicht Anerkennung bekommen. Die Spiele sind stets verfügbar, und wer viel Zeit investiert, wird immer besser.

Stocker beobachtet, dass oft sensible, unsichere junge Menschen in diese Ersatzwelt fliehen. In der virtuellen Welt können sie sein, was sie in der realen Welt nicht sind: gut aussehend und mutig und stark.

Problematisch sei, dass die jungen Menschen eigentlich ihre Rolle in der Gesellschaft und unter Gleichaltrigen finden müssten. Ständiges Gamen macht das schwierig. Zwar sprechen die Jugendlichen in Onlinevideospielen auch mit Gleichaltrigen, es drehe sich aber eher um die Strategie des Spiels, als um persönliche Probleme.

Schule und Beruf vernachlässigen

Jugendliche könnten sich beim Spielen nicht selber beschränken. Die Selbstkontrolle ist im Vergleich zu den Erwachsenen weniger ausgeprägt, weil die Gehirnregion, die Verhalten und Emotionen steuert, noch nicht vollständig entwickelt ist. Süchtige vernachlässigen ihr Umfeld, Schule oder Beruf und werden bei Online-Entzug aggressiv.

Die Eltern sind gefordert Grenzen zu setzten. Da oft Buben gamen, müssten insbesondere auch Väter ihre Verantwortung wahrnehmen, sagt Stocker. Er empfiehlt aber nicht einfach den Stecker zu ziehen, da das für die Jugendlichen wie ein Schock sein könne.

Besser ist es, sich Zeit nehmen und mit den Jugendlichen auch andere Möglichkeiten suchen, wie sie ihre Freizeit verbringen können. Jugendliche sollen erfahren, dass es ebenfalls ein gutes Gefühl gibt, Kollegen in der realen Welt zu treffen und dort die Rolle im eigenen Leben zu finden.

Infos und Kontakte zur Spielsuchtberatung in Aarau und Baden: www.spielsucht-beratung.ch