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Spielsucht-Berater: Süchtige werden bei Online-Entzug aggressiv

Väter sind besonders gefordert, wenn ihre Buben die Finger nicht vom Gamen lassen können. Süchtig sind gemäss Aargauer Suchthilfe aber längst nicht nur Jugendliche.

Aline Wüst
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Bei Spielsucht nicht den Stecker ziehen – das empfiehlt Hanspeter Stocker.

Bei Spielsucht nicht den Stecker ziehen – das empfiehlt Hanspeter Stocker.

key/wua

Hanspeter Stocker ist Spielsucht-Berater bei der Aargauischen Suchthilfe. Anfragen wegen Game- und Onlinesucht erhält er immer häufiger. Oft von Eltern süchtiger Kinder, immer wieder auch von betroffenen Erwachsenen.

Online- und Gamesucht werde oft lang nicht erkannt, weiss Stocker. Denn online zu sein, geniesse viel Akzeptanz in der Gesellschaft. «Eltern sind meist froh, dass die Kinder zu Hause sind und nicht draussen rumhängen.» Doch Stocker vermutet: «Hinter geschlossenen Haustüren gibt es viel Leid.»

Tipps des Suchtberaters: Medienkonsum möglichst früh regeln

Der Medienkonsum sollte möglichst früh geregelt werden. Bei Jugendlichen im Alter von 16 Jahren noch Regeln einzuführen ist schwierig. Besser schon mit 8-jährigen Kindern Medienzeit vereinbaren. Zum Beispiel eine Stunde am Tag für Gamen und TV. Wichtig ist, dass Eltern ein Vorbild sind - also beim gemeinsamen Mittagessen nicht am Mobiltelefon rumspielen. Komplizierter wird es, wenn das Kind ein eigenes Smartphone hat. Die Medienzeit zu kontrollieren wird damit schwierig, weil Kinder das Handy oft unbeaufsichtigt nutzen. Den gesunden Umgang mit Medien sei eine Herausforderung. Die Eltern müssen sich dieser Aufgabe aber stellen. Wichtig ist es immer in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen zu bleiben und sich stets dafür zu interessieren, was das Kind auf dem Handy oder am Computer macht. Infos über Spiele können sich Eltern bei www.game-test.ch holen.

Das würden Veranstaltungen der Suchtprävention Aargau zu diesem Thema zeigen, die immer sehr gut besucht seien. Von der Sucht betroffen sind nicht nur Jugendliche. Es gebe Väter, die allein oder gemeinsam mit ihren Kindern masslos Online-Videogames spielten und Mütter, die daran verzweifelten.

In Ersatzwelt fliehen

Verlockend ist vor allem für junge Menschen, dass sie in der virtuellen Welt leicht Anerkennung bekommen. Die Spiele sind stets verfügbar, und wer viel Zeit investiert, wird immer besser.

Stocker beobachtet, dass oft sensible, unsichere junge Menschen in diese Ersatzwelt fliehen. In der virtuellen Welt können sie sein, was sie in der realen Welt nicht sind: gut aussehend und mutig und stark.

Problematisch sei, dass die jungen Menschen eigentlich ihre Rolle in der Gesellschaft und unter Gleichaltrigen finden müssten. Ständiges Gamen macht das schwierig. Zwar sprechen die Jugendlichen in Onlinevideospielen auch mit Gleichaltrigen, es drehe sich aber eher um die Strategie des Spiels, als um persönliche Probleme.

Schule und Beruf vernachlässigen

Jugendliche könnten sich beim Spielen nicht selber beschränken. Die Selbstkontrolle ist im Vergleich zu den Erwachsenen weniger ausgeprägt, weil die Gehirnregion, die Verhalten und Emotionen steuert, noch nicht vollständig entwickelt ist. Süchtige vernachlässigen ihr Umfeld, Schule oder Beruf und werden bei Online-Entzug aggressiv.

Die Eltern sind gefordert Grenzen zu setzten. Da oft Buben gamen, müssten insbesondere auch Väter ihre Verantwortung wahrnehmen, sagt Stocker. Er empfiehlt aber nicht einfach den Stecker zu ziehen, da das für die Jugendlichen wie ein Schock sein könne.

Besser ist es, sich Zeit nehmen und mit den Jugendlichen auch andere Möglichkeiten suchen, wie sie ihre Freizeit verbringen können. Jugendliche sollen erfahren, dass es ebenfalls ein gutes Gefühl gibt, Kollegen in der realen Welt zu treffen und dort die Rolle im eigenen Leben zu finden.

Infos und Kontakte zur Spielsuchtberatung in Aarau und Baden: www.spielsucht-beratung.ch