Rolf Burri
Spieleverlag-Chef: «Ich schummle gern beim Spielen»

Der Aargauer Spieleverlag Carlit mit Sitz in Würenlos feiert dieses Jahr seinen 75. Geburtstag. Geschäftsführer Rolf Burri gibt offen zu, dass er beim Spielen gerne schummelt. Dafür ist er ein guter Verlierer.

Aline Wüst
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Rolf Burri ist Geschäftsführer von Carlit, dem Spieleverlag, aus dessen Haus das Leiterlispiel kommt.

Rolf Burri ist Geschäftsführer von Carlit, dem Spieleverlag, aus dessen Haus das Leiterlispiel kommt.

Alex Spichale

Rolf Burri sagt es geradeheraus: «Ich schummle gern beim Spielen.» Eine Erleichterung für alle, die ebenfalls gern die kleine Spielfigur verrücken, wenn niemand hinsieht.

Denn Rolf Burri versteht etwas vom Spielen, ist er doch Geschäftsführer der Firma Carlit. Einer eigenständigen Tochtergesellschaft des deutschen Spieleverlags Ravensburger.

Aus dem Hause Carlit kommt, was in fast jedem Haushalt zu finden ist: Leiterlispiel, Eile mit Weile, Mühle oder die Schweizerreise.

Die Firma Carlit feiert dieses Jahr ihren 75. Geburtstag. Die deutsche Gründerfamilie des Spieleverlags floh 1939 aus Nazideutschland, liess sich in Zürich nieder und brachte bereits ein Jahr später die erste rein schweizerische Ausgabe von Monopoly auf den Markt. Gekostet hat das Spiel damals Fr. 14.50.

Seit 1989 hat Carlit seinen Sitz in Würenlos. Ausschlaggebend für den Standort war damals der Anschluss ans Schienennetz. Der existiert heute zwar nicht mehr, bleiben wird die Firma trotzdem.

«Spielen macht glücklich»

Wer denkt, dass niemand mehr Gesellschaftsspiele spielt angesichts der grossen Anzahl an elektronischen Games, der irrt. «Der Absatz der Gesellschaftsspiele ist stabil», sagt Burri. Die Firma macht jährlich einen Umsatz von rund 20 Millionen Franken.

Warum spielen wir Gesellschaftsspiele? «Weil spielen glücklich macht, ganz einfach», sagt Burri. Miteinander spielen, das lasse einen runterfahren, auch wenn man sich hin und wieder über Mitspieler ärgere. «Spielen ist wie ein Skitag am Küchentisch», sagt Burri.

Nicht alles rosig

Verlierer im Spielemarkt seien zurzeit eher Spielkonsolen. Trotz der stabilen Zahlen ist nicht alles rosig in der Welt der Spiele. Die gesellschaftliche Entwicklung arbeitet gegen die Gesellschaftsspiele.

Die Leute hätten immer weniger Zeit – die Tochter muss ins Volleyball, der Sohn in die Gitarrenstunde.

Die Zeit um zusammenzusitzen, werde deshalb immer seltener, sagt Burri. Darum tüfteln Ravensburger und Carlit an Spielen, die auch eine elektronische Komponente haben.

Neue Spiele auf den Markt zu bringen ist allerdings schwierig. Wer im Laden vor einem grossen Regal mit Spielen steht, entscheide sich meist für das Bekannte. Die neuen Spiele werden einmal im Jahr von allen 20 Carlit-Mitarbeitern testgespielt. Einmal im Jahr reist Burri ausserdem nach Ravensburg, dort werden alle Spiele getestet und entschieden, welche auf den Markt kommen.

Aber zurück zum Schummeln: Burri gesteht, nicht bei allen Spielpartnern in Ravensburg beliebt zu sein, weil er es nicht immer so genau nehme mit den Spielregeln. Dafür sei er ein guter Verlierer. Und als Vater findet er es durchaus legitim die Kinder, hin und wieder gewinnen zu lassen.

Rolf Burri selber übrigens spielt am liebsten «Nobody is perfect».