Der 52-jährige Bauspengler lebte bisher ein schwieriges Leben, vielfach hat er sich strafbar gemacht, ist mehrmals beim Nachbarn eingebrochen, hat Waffen gestohlen und verkauft, und immer wieder waren Drogen im Spiel.

Acht Jahre lang war er ohne gültigen Fahrausweis unterwegs, dass er mehrmals erwischt wurde, hat ihn nicht stoppen können. Gestoppt hat er sich dann selber im Herbst 2014. Mit dem Roller seiner Exfrau verursachte er unter Drogeneinfluss einen Selbstunfall, bei dem er sich so schwer verletzte, dass er heute noch unter den Folgen leidet und seinen ursprünglichen Beruf nur noch eingeschränkt ausüben kann.

Insgesamt 18 strafbare Handlungen legte ihm die Staatsanwaltschaft zur Last. Am 13. Juli 2016 verurteilte ihn das Bezirksgericht Brugg zu 30 Monaten Gefängnis. Gegen dieses Urteil legte der Bauspengler Berufung ein.

224 Tage für Urteilsbegründung

Während der Berufungsverhandlung vor dem Obergericht versicherte seine Exfrau, der Roller sei zwar auf ihren Namen eingelöst gewesen, de facto aber hätte er dem Beschuldigten gehört. Damit war klar: Der Vorwurf, der Bauspengler haben seiner Exfrau den Roller gestohlen, konnte nicht länger aufrechterhalten werden.

Der Verteidiger kritisierte, dass es vom Urteilsspruch des Bezirksgerichts bis zur schriftlichen Begründung 224 Tage gedauert habe, das sei unzulässig. Die erlaubte Frist betrage 90 Tage; die lange Verfahrensdauer müsse strafmildernd wirken.

In seinen weiteren Ausführungen stellte der Verteidiger die Delikte nicht infrage; er plädierte aber für eine angemessenere Strafe: 14 Monate Gefängnis forderte er; das Gericht möge dem Beschuldigten die «Wohltat der Bewährungsstrafe» mit einer Probezeit von fünf Jahren gewähren. Denn der Beschuldigte zeige sich einsichtig, er verhalte sich einwandfrei, habe die Drogensucht im Griff; man könne ihm eine günstige Prognose stellen.

Wenn er nun aber für längere Zeit ins Gefängnis müsse, würde das die positive Entwicklung bremsen, gar zerstören – und ein Wiedereinstieg ins Berufsleben mit 54 Jahren wäre noch schwieriger.

In der Befragung erzählte der Beschuldigte von seiner schwierigen Kindheit, von zwei gescheiterten Ehen, von falschen Kollegen, von fünf Kindern, zu denen er kaum Kontakt hat, von seiner jetzt hoffentlich definitiv besiegten Drogensucht; dass er langsam wieder Fuss fasse im Berufsleben. Oberrichter Lukas Cotti, der die Verhandlung leitete, hakte nach und fragte, wie das genau zu verstehen sei. Es stellte sich heraus, dass der Bauspengler sich zwar tatsächlich eifrig um Arbeit bemüht; zu mehr als zu einigen temporären Jobs hat es bisher trotzdem nicht gereicht.

Halbgefangenschaft möglich

Das Obergericht hiess nach intensiver Beratung die Berufung teilweise gut. Freigesprochen wurde der Bauspengler in verschiedenen Anklagepunkte, etwa, was den Diebstahl des Rollers oder die Widerhandlung gegen das Waffengesetz betrifft. Wie der Verteidiger verlangt hatte, wurde auch die unzulässig lange Dauer des Verfahrens strafmildernd berücksichtigt.

Aufgrund dieser Neubeurteilungen reduzierte das Obergericht die Gefängnisstrafe von 30 auf 24 Monate. 18 Monate wurden bedingt ausgesprochen bei einer Probezeit von vier Jahren. Ein halbes Jahr muss der Bauspengler also ins Gefängnis. Wenn er bald eine feste Arbeitsstelle findet, stehen die Chancen gut, dass er die Strafe in Halbgefangenschaft absitzen kann.