Blutspende
Spenderblut: Trotz Reserven braucht der Aargau zwingend neue junge Spender

25000 Mal zapft der Blutspendedienst Aargau-Solothurn jährlich Blut ab von den hiesigen Spendern, während der Blutverbrauch 2013 erstmals deutlich gesunken ist. Trotz «Reserven» braucht die Region Aargau-Solothurn aber zwingend neue junge Spender.

Elia Diehl
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Blutspenden: Stets ein unwohles Gefühl dabei, doch für die Spitäler sind die Freiwilligen Gold wert!

Blutspenden: Stets ein unwohles Gefühl dabei, doch für die Spitäler sind die Freiwilligen Gold wert!

Keystone

Jahrelang rief das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) zur Blutspende auf. Dann verkündete es im Januar, zehn Prozent weniger Blut abzapfen zu wollen.

Denn 2013 war der Blutverbrauch in Schweizer Spitälern erstmals deutlich gesunken. Die landläufige Meinung danach: Wir haben zu viel Blut – wozu noch spenden?

Darauf relativierte Rudolf Schwabe, Chef der Dachorganisation Blutspende SRK, Anfang Mai und warnte vor falschen Schlussfolgerungen.

Auch Martin Wernli, Geschäftsleiter des Regionalen Blutspendediensts Aargau-Solothurn, bezeichnet die Mitteilung zu Jahresbeginn als «ungeschickt und falsche Signale aussendend».

Längerfristig brauche es eher mehr denn weniger Blutspender. «Nicht mehr zu spenden, ist grundsätzlich falsch.» Statistisch benötigen vier von fünf Menschen im Laufe ihres Lebens ein Blutpräparat.

Das Spenderblut

Jährlich sammelt der Regionale Blutspendedienst Aargau-Solothurn rund 25 000-mal Blut. Sechs der neun ständigen Blutspendenzentren liegen im Aargau - Aarau, Baden, Brugg, Menziken, Muri und Zofingen. Alles Spenderblut wird noch gleichentags in den Hauptsitz nach Aarau gebracht. «Innert 24 Stunden ist es getestet, aufbereitet und in unserem Lager bereit zur Auslieferung an die Spitäler», sagt Geschäftsleiter Martin Wernli. Das Blut wird dabei in seine einzelnen Komponenten aufgetrennt. «Jeder bekommt nur das, was er wirklich braucht. Aus einem Spender bedienen wir so drei Empfänger.» Blutpräparate können allerdings nicht endlos in Aarau gelagert werden: Während Thrombozyten (Blutplättchen) maximal sieben Tage haltbar sind, müssen Erythrozyten (rote Blutkörperchen) innert 49 Tagen benutzt werden. Einzig Blutplasma ist bis zu zwei Jahre lagerbar. Das meiste Blut wird zur Behandlung von Krebspatienten verwendet. Die Blutpräparate werden fast ausschliesslich an Spitäler der Region Aargau-Solothurn verkauft. (EDI)

Konstanter Blutverbrauch

In der Region Aargau-Solothurn, eines von 13 autonomen Schweizer Spendergebieten, blieb der Blutverbrauch in den letzten drei Jahren zwar praktisch unverändert, saisonale Schwankungen ausgenommen.

«Aber die Region ist derzeit quasi selbstversorgend», sagt Martin Wernli, die Blutprodukte aus der Region reichten zu rund 95 Prozent für alle Spitäler.

Anders als beispielsweise die Region Basel ist man nicht auf institutionalisierte Einkäufe aus anderen Regionen angewiesen.

«Der Aargau hat ein gutes Verhältnis grosser Fläche mit Blutspendern zu grösseren Verbrauchszentren», erklärt Wernli. Interregionalen Handel gibt es somit nur situativ, wenn beispielsweise eine bestimmte Blutgruppe fehlt.

«Blut lässt sich nicht à Discretion im Schrank lagern», so Wernli, daher brauche es eine interregionale Fernsteuerung. Zudem werden Spender nach Bedarf aufgeboten. «Das beste Blutlager ist der Mensch selbst.»

Aargauer Blutspender verleihen

Die Region Aargau-Solothurn ist derzeit zudem in der Lage, ihr «Blutspende-Potenzial an die Regionen Bern und Zürich zu verleihen», die mit Engpässen kämpften.

So sammelt der Zürcher Blutspendedienst beispielsweise in Bremgarten. «Hier haben wir Reserven», sagt Martin Wernli, «die wir, falls notwendig, selbst nutzen könnten.»

Hausgemachte Hindernisse

Längerfristig könnte dies tatsächlich der Fall sein. «Die demografische Entwicklung macht gewisse Sorgen», räumt Wernli ein.

Das überdurchschnittliche Bevölkerungswachstum im Aargau und die stete Zunahme des Durchschnittsalters lassen auch den Verbrauch ansteigen. Viele Spender scheiden in den nächsten Jahren altersbedingt nicht nur aus, sondern werden zu potenziellen Verbrauchern. «Wir brauchen also definitiv mehr junge Blutspender.»

Allerdings steigt der Rekrutierungsaufwand zunehmends. Und das Problem ist gewissermassen hausgemacht. Laut Martin Wernli ist das extreme Sicherheitsdenken in der Medizin und besonders im Blutspendewesen dafür verantwortlich. Mit andauernder selbst auferlegter Verschärfung der Zulassungskriterien würden immer mehr Spender ausgeschlossen. So kommt es wegen intensiver Reisetätigkeiten immer häufiger zu Rückweisungen von Spendern. «Es besteht die Gefahr, dass wir uns selbst schaden.»