Der Vorstand des Bezirkslehrerinnen- und Bezirkslehrervereins Aargau (BLV) hat seine Mitglieder zu einer ausserordentlichen Versammlung nach Aarau gerufen. Thema: Wie weiter nach den modifizierten Sparbeschlüssen der Regierung? Die Bezlehrer und ihre Schützlinge sind durch das Paket stark betroffen.

Bisher über 100 Protestaktionen

«Zwar hat die Regierung in der definitiven Botschaft gewisse Zugeständnisse gemacht, zum Beispiel beim Wahlfächerangebot», sagt BLV-Präsident Martin Schaffner, «insgesamt sind die Einschnitte zulasten unserer Schülerinnen und Schüler aber immer noch höchst unbefriedigend.»

Die Versammlung will jedoch gemäss Schaffner vorerst auf weiteren Widerstand verzichten: «Vonseiten der Bezirksschulen und des BLV gab es über hundert Aktionen verschiedenster Art gegen das Spardiktat, dies sollte dem Regierungsrat genügen.»

Faktisch ein Lohnabbau

Ins Zentrum der Beststandesaufnahme ist nun ein Thema gerückt, das vor allem die Lehrkräfte betrifft. Es ist die Massnahme 310-12 (in der Kompetenz der Regierung): Das Normalpensum der Bezirkslehrpersonen soll von 27 auf 28 Lektionen pro Woche angehoben und damit an das Pensum der Sekundar- und Realehrpersonen angepasst werden.

Das Einsparpotenzial für 2015 liegt bei 1,1 Mio., ab 2016 bei 2,6 Mio. Franken. «Die Pensenerhöhung, faktisch ein Lohnabbau, wurde bisher vielleicht aus falscher Scheu nicht thematisiert», sagt der BLV-Präsident, man habe den Fokus vor allem auf das Angebot für die Jugendlichen gerichtet.

Progymnasialer Charakter gefährdet

«Wir vermissen ganz generell die Wertschätzung gegenüber der Bez Aargau und unserer Aufgabe, zwar nicht bei den Eltern, wohl aber in der Politik und in der Verwaltung», sagt Martin Schaffner.

Die Bez-Lehrer sehen sich schon länger Bestrebungen ausgesetzt, aus ihrem Schultyp einen «ganz normalen» Oberstufenzug zu machen und alle Unterschiede zur Sekundar- und zur Realschule einzuebnen, in der Ausbildung, in der Entlöhnung und nun auch in der Lektionenverpflichtung.

«Die Frage ist, ob diese Entwicklung dem progymnasialen Charakter der Bez noch Rechnung trägt», gibt der Präsident zu bedenken. «Viele von uns verfügen über eine universitäre Ausbildung, unsere Klassen sind grösser als in den anderen Oberstufenzügen, im Gegensatz zu ihnen können wir kaum Assistenzen anfordern.

Ergebnis: Nur noch zwischen 10 und 20 Prozent der Lehrpersonen in der Bez unterrichten ein Vollpensum, vielen ist die Last allzu gross geworden, alle machen zum Teil happige Überstunden.»

Nicht aufs Jammern setzen

Die Bez-Lehrer haben - diesmal zusammen mit den anderen Oberstufenzügen - aufs neue Schuljahr hin einen zusätzlichen Schlag zu verdauen: Durch das neue Strukturmodell 6/3 braucht es ein Viertel von ihnen nicht mehr.

«Wir setzen, dies hat die Versammlung klar zum Ausdruck gebracht, nicht aufs Jammern», betont Martin Schaffner, «wir wollen aber der Politik und der Öffentlichkeit aufzeigen, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Bez äusserst günstig ist. Einerseits bereiten wir die Schülerinnen und Schüler auf anspruchsvolle Lehren vor, andererseits sind wir ein Progymnasium, das den Eintritt in eine Mittelschule ermöglicht.»

Werde die Bez weiterhin systematisch ihrer Ressourcen beraubt, sei ihr progymnasialer Charakter gefährdet. Dazu passe leider auch das Sparen bei der Begabungsförderung, schliesst der Präsident.