Noch bis heute Freitag ist die Revision des aargauischen Spitalgesetzes in der Anhörung. Ein wichtiger Punkt im neuen Spitalgesetz ist die Absicht der Regierung, dass 13 Eingriffe und Untersuchungen künftig möglichst ambulant statt stationär durchgeführt werden sollen. Dieser Grundsatz soll «bei fehlender Spitalbedürftigkeit zur Anwendung gelangen». Mit einer Verschiebung solcher Fälle in den ambulanten Bereich könne ein hohes, derzeit nicht genutztes Einsparpotenzial realisiert werden. Deshalb will der Kanton in Ergänzung der Liste des Bundes (mit sechs Eingriffen) eine Liste von weiteren Eingriffen definieren, die primär ambulant und nicht stationär zu erbringen sind. Die Liste gilt seit 1. Januar 2018. Dafür soll jetzt auf kantonaler Ebene eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden.

Etliche Eingriffe mussten bis vor wenigen Jahren noch stationär durchgeführt werden, können neu aber ambulant gemacht werden. Dies als Folge des medizinischen Fortschritts. Er macht minimalinvasive Operationstechniken vermehrt möglich und hat zu verbesserten Anästhesieverfahren mit geringerer Belastung für Patientinnen und Patienten geführt. Dies macht die Regierung in der Anhörungsvorlage geltend.

Aargauer Spitäler vorn dabei

Schweizweit wie auch im Aargau besteht ein erhebliches Erweiterungs- und somit Sparpotenzial für «ambulant vor stationär», argumentiert die Regierung. Viele Behandlungen und Eingriffe, bei denen es auch anders ginge, werden nämlich noch stationär durchgeführt. 2014 waren dies bei Krampfadern 70 Prozent. Interessant ist hier, dass die aargauischen Spitäler im schweizerischen Vergleich schon am weitesten sind, wie die nebenstehende Grafik zeigt.

Erstrebenswert sei die Verlagerung zu ambulant, weil solche Behandlungen im Durchschnitt 2,3-mal billiger sind als stationäre Behandlungen, argumentiert die Regierung. Aber auch, weil die ambulante Behandlung ohne Übernachtung im Spital einem Patientenwunsch entspreche.

2500 statt bis 10 000 Franken

Als Beispiele zeigt die Regierung den finanziellen Unterschied bei einer Krampfader- und Meniskusoperation. Eine stationär durchgeführte Krampfaderoperation koste 6044 Franken, wovon der Kanton 55 und die Versicherung 45 Prozent übernimmt. Ambulant kostet sie nur 2500 Franken. Dafür muss dann allerdings allein die Versicherung geradestehen. Der Kanton macht hier zusätzlich geltend, dass der Eingriff so sogar für die Versicherung günstiger komme. Stationär bezahlt sie nämlich 2720, ambulant 2500 Franken. Für einen Zusatzversicherten betragen die Kosten stationär übrigens gemäss Vorlage sogar 10 073 Franken, also viermal so viel wie ambulant.

Bei einer Meniskusoperation sehen die Zahlen so aus: Ambulant 2400 Franken (Kosten voll zulasten Versicherung), stationär 6935 Franken (Anteil Versicherung 3121 Franken), bei Zusatzversicherung stationär kostet diese Operation stattliche 11 558 Franken.