Die 1:12 Initiative wirft schon lange hohe Wellen in der Schweiz. Im Rahmen der Abstimmung, die am 24. November stattfindet, nahm sich auch Roger Schwanski der Vorlage und deren „Gründervater", dem Aargauer SP-Nationalrat, Cédrich Wermuth an. Dabei ging es nicht nur um die Vorlage, sondern auch um den neuen Status des ehemaligen Vorzeigerebellen der JUSO.

«Die Spasszeiten sind ja nun vorbei. Öffentliches Kiffen und Häuser besetzen das ist mit ihrer Position als Nationalrat nicht mehr vereinbar»: Mit dieser Aussage probiert Schawinski seinen Gesprächsgast gleich zu Beginn der Sendung aus der Reserve zu locken. Wermuth geht allerdings nicht auf diesen Seitenhieb ein und lenkt den Fokus lieber wieder auf die Vorlage.

«Retten den Kapitalismus»

Und nun geht es gleich zur Sache: «Wir retten leider den Kapitalismus mit dieser Initiative», entgegnete der SP-Nationalrat auf eine Frage. Schawinski kontert: «Was wollen sie denn nun? Denn Kapitalismus retten oder überwinden? Wermuth: «Wir müssen ihn zuerst retten, um ihn dann zu überwinden.» Eine handfeste Erklärung für seine These bleibt er aber schuldig.

Wermuth zeigt sich von seiner schlagfertigen Seite: «Die Credit Suisse, nicht gerade im Verdacht eine linksextreme Gruppe zu sein, hat eine Studie herausgebracht, dass 1 Prozent der Menschen mehr Vermögen besitzt, dass die restlichen 99 Prozent.»

(Quelle: SRF.ch)

Wermuth bei Schawinski

Für Wermuth sind Daniella Vasella, ehemaliger CEO und Verwaltungsratspräsident von Novartis, und Brady Dougan, CEO der Credit Suisse, aufgrund ihrer hohen Boni die besten Wahlkämpfer für die 1:12 Initiative.

Wermuth, ein Gucci-Träger?

Der Status, denn Wermuth mittlerweile erreicht hat, kommt auch zur Sprache. «Sie sind ja mittlerweile auf dem besten Weg zur Gucci- und Prada-Gesellschaft die sie jahrelang kritisiert haben. Sie sollten mit ihren anti-kapitalistischen Parolen wohl ein wenig zurückfahren, wenn sie sich nicht ins eigene Hemd schneiden wollen», provoziert Schawinski.

Wermuth sieht sich - trotz Nationalratsmandat - unverändert und redet lieber weiter über die 1:12-Initiative.

«Die Umsetzung der Initiative wird schwierig, das ist uns durchaus bewusst», gibt er zu und wettert gleich gegen den Gewerbeverband: «Ich finde es störend, wenn sich der Direktor des Gewerbeverbandes, Hans-Ulrich Bigler, gegen die Initiative ausspricht obwohl kein einziges KMU in der Schweiz von der Regelung betroffen wäre.»

Kein Sportler verdient mehr als 1 Million

Nun ist das Gesprächs-Hickhack fast vorbei, aber nur fast. Jetzt kommen noch die Abzocker dran. Das bleiben für Wermuth auch die Chefs von Swatch, Lindt & Sprüngli und Nestle, auch wenn sie viele neue Arbeitsstellen schaffen.

Doch wieviel soll ein Einzelner denn verdienen? Was ist er überhaupt wert? Wermuth weiss auch das: «Ich kann verstehen, wenn ein Mensch, der gut arbeitet 800 000 oder auch 900000 Franken verdient aber kein Mensch der Welt ist 10 Millionen wert. Eine solche Schere reisst unser Land auseinander.»

«Sie wollen den Spitzensport in der Schweiz abschaffen» wirft Schawinski ein. «In der Schweiz gibt es niemanden, der im Sport so viel verdient», kontert Wermuth. Und gibt damit zu erkennen, dass er von Sportgehältern in der Schweiz wenig Ahnung hat. Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld und etliche Spieler des FC Basel liegen heute über der Millionengrenze. Wermuth ist wohl doch noch nicht ganz in der Gucci -und Prada-Gesellschaft angekommen.