Die az weiss exklusiv: Der Vorstand der Grünen Aargau und die Geschäftsleitung der SP Aargau sind sich einig, eine Listenverbindung für die Nationalratswahlen 2015 einzugehen – «als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Haltung».

Ist dieser Entscheid nach den Wahlen in Zürich auch eine Reaktion auf Verunsicherung bei den Grünen, nachdem ihr Präsident Jonas Fricker via Twitter eine Diskussion über eine Fusion mit der GLP angeregt hatte?

Fricker lacht: «Nein, überhaupt nicht. Das war ein Sturm im Wasserglas. Unsere Listenverbindung hat mit dem Resultat der Grünen in Zürich nichts zu tun. Wir haben diese Vereinbarung mit der SP schon vor Ostern unterzeichnet.»

Auch 2011 hatte man miteinander antreten wollen, die Grünen aber unbedingt auch mit GLP und EVP. So klappte es nur mit diesen dreien, nicht aber mit der SP.

Musste man deshalb erst Scherben von 2011 kitten? Fricker: «Die sind längst gekittet. Doch es stimmt, einige SP-Mandatsträger waren über unseren Entscheid 2011 gar nicht erbaut. Wir arbeiten aber längst wieder bestens zusammen.»

Als Beispiele nennt er Energiefragen und Sparpaket. Und weiter: «Bei diesen Wahlen wollen wir die gute inhaltliche Zusammenarbeit mit der SP bekräftigen.»

Mit seiner Zustimmung unterstreiche der Vorstand der Grünen «die gemeinsamen politischen Vorstellungen für die nächste Legislatur». Energiewende und soziale Ungleichheit seien zentrale Anliegen. Das Ziel einer grossen Mitte-Links-Koalition behält Fricker bei.

Burgener: Pflock einschlagen

Die SP-Co-Präsidentin und Wahlkampfverantwortliche Elisabeth Burgener betont dazu: «Die Listenverbindung ist offen für weitere Partner aus dem Mitte-Links-Lager. Der neue 16. Sitz für den Kanton Aargau darf auf keinen Fall in das rechts-konservative Lager fallen.»

Mit dieser Listenverbindung schlage man mal einen Pflock ein. Burgener: «Es sollte unser gemeinsames Interesse sein, mit einer grossen Koalition diesen 16. Sitz zu holen. Zentral ist für uns die Energiewende.»

Der Vorstand der Grünen hat abschliessend entschieden. Die SP befindet am 6. Juni am Parteitag definitiv. Laut Burgener ist das eine Formsache, hat die Geschäftsleitung doch vom Parteitag den Auftrag, Verhandlungen für Listenverbindungen zu führen.

GLP: spannendste Variante weg

Doch wie reagieren die umworbenen möglichen Partner? Andreas Mahler von den Grünliberalen sagt nüchtern: «Die mathematisch für uns spannendste Variante ist damit vom Tisch.

Eine Listenverbindung mit den Grünen und anderen Mitteparteien wäre unsere Bestvariante gewesen.» Man wisse aber, dass die Türen der SP und Grünen weit offen stehen.

Aber: «Eine Listenverbindung inklusive SP steht für uns weder mathematisch noch inhaltlich im Vordergrund. Die inhaltlichen Differenzen zur SP sind relativ gross.»

Man beobachte auch, was sich im rechten Lager tue. Sollte es dort eine grosse Listenverbindung geben, könnte das den Druck auf eine Mitte-Links-Koalition erhöhen, so Mahler.

Die GLP sucht aber Listenpartner in der politischen Mitte. Sorgen um den Sitz von Beat Flach mache man sich trotz dem miserablen Zürcher Resultat nicht. Mahler sehr optimistisch: «Wir haben die Hoffnungen auf einen zweiten Sitz noch nicht begraben, stufen die Wahrscheinlichkeit jedoch deutlich geringer ein.»

EVP: Suche in der Mitte

Laut Roland Bialek von der EVP sucht auch seine Partei eine Listenverbindung in der Mitte. Gespräche laufen denn auch mit GLP und BDP. Bialek: «Wir positionieren uns in der politischen Mitte. Die SP ist eigentlich kein Thema. Es müsste viel geschehen, dass es doch zu so einer Listenverbindung kommen könnte.» Was zum Beispiel? Bialek: «Wenn wir plötzlich allein dazustehen drohten.» Eine Polarisierung in ein linkes und ein rechtes Lager wäre «nicht lösungsorientiert», so Bialek.