Coronakrise

SP-Standesinitiative: Mehr Geld für tiefe Löhne bei Kurzarbeit

20 Prozent Lohneinbusse bei gleichen Ausgaben ist für viele Existenzbedrohend (Symbolbild)

20 Prozent Lohneinbusse bei gleichen Ausgaben ist für viele Existenzbedrohend (Symbolbild)

Mit der Initiative will die SP die Wirtschaft stärken und die Sozialhilfe entlasten. Personen mit tiefen Löhnen sollen keine Einbussen in Kauf nehmen müssen.

Die Zahlen lassen aufhorchen: Mehr als 160'000 Personen sind im Kanton Aargau wegen der Coronakrise von Kurzarbeit betroffen. Während der Kurzarbeit erhalten viele Arbeitnehmende nur noch 80 Prozent ihres Lohns. Ein solcher Ausfall könne besonders für Haushalte mit einem tiefen Einkommen existenzbedrohend sein, schreibt die SP Aargau in einer Mitteilung. Die Partei will deshalb mit einer Standesinitiative beim Bund Druck machen.

Die Standesinitiative verlangt, dass Personen mit tiefen Löhnen während der Zeit der Kurzarbeitsentschädigung keine Lohneinbusse in Kauf nehmen müssen. «Während der Kurzarbeit fällt beim Einkommen ein Fünftel weg», sagt Co-Fraktionspräsident Dieter Egli. «Gleichzeitig bleiben fixe Ausgaben wie Krankenkassenprämien und Mieten gleich teuer.» Viele Haushalte mit kleinem Einkommen würden bei Kurzarbeit schnell unter das Existenzminimum fallen und müssten Sozialhilfe beantragen.

Hält die Kurzarbeit an, fehlt die Kaufkraft

Parteipräsidentin Gabriela Suter weist darauf hin, dass mit der anhaltenden Kurzarbeit ein erhebliches Potenzial an Kaufkraft fehlen werde. «Nicht nur den Lohnabhängigen selbst, sondern auch dem Gewerbe und der Wirtschaft.» Mit der Standesinitiative könne die Kaufkraft erhalten, die Wirtschaft gestärkt und die Sozialhilfe entlastet werden, hält die SP in ihrer Mitteilung fest.

Gewerbeverbandspräsident befürchtet Missbrauch

Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes (AGV), sieht das anders. Alle Betroffenen der Coronakrise müssten einen Beitrag leisten beziehungsweise auf Einkommen verzichten, sagt er. Ausserdem stelle er fest, dass «sehr viele Unternehmen, die sich die Lohnausfälle finanziell leisten können, den Mitarbeitenden in Kurzarbeit gar den vollen Lohn auf absehbare Zeit auszahlen».

Die Kurzarbeit sei eines der effektivsten Mittel für Notlagen, hält Kurt Schmid fest. «Die Kosten werden nun aber dramatisch hoch ausfallen und ein gewaltiges Loch in die Erwerbsersatzrechnung schlagen. Dieses Loch muss durch Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gedeckt werden», sagt der AGV- Präsident. Es dürfe nicht noch durch weitergehende Beiträge zusätzlich aufgerissen werden. «Wir müssen einen Sanierungsfall verhindern», sagt Schmid. Der Staat dürfe keine Rundumversicherung abgeben.

Weiter befürchtet er, dass es zu Missbrauch kommen könnte, weil die Unternehmen dazu geneigt sein könnten, die Mitarbeitenden möglichst lange in Kurzarbeit zu halten. «Schliesslich würden sie ja eine vollständige Staatsabdeckung bekommen», so Schmid.

Meistgesehen

Artboard 1