Aargauer Wahlen 2016

SP-Ständerätin Pascale Bruderer hat sich eine Regierungsrats-Kandidatur ernsthaft überlegt

SP-Ständerätin Pascale Bruderer – kandidiert sie für den Regierungsrat?

SP-Ständerätin Pascale Bruderer – kandidiert sie für den Regierungsrat?

Landet die SP am Freitag den grossen Coup? Die wahrscheinlichste Kandidatin ist Nationalrätin Yvonne Feri. Doch auch Ständerätin Pascal Bruderers Name kursiert.

Wie könnte es gelingen, die Doppelvertretung des links-grünen Spektrums nach dem Abgang von Susanne Hochuli in der Aargauer Regierung zu retten? Die Antwort will die SP am Freitag Nachmittag geben. Robert Obrist von den Grünen mag ein valabler Kandidat sein, nach menschlichem Ermessen ist seine Hausmacht aber einfach zu klein, um eine Majorzwahl gegen die Kandidatin der SVP mit einem Wählerpotenzial von über 30 Prozent der Stimmbürgerinen und Stimmbürger im Rücken gewinnen zu können. Also drängt sich für die SP eine eigene Kandidatur auf, obwohl auch das nur von vagen Erfolgsaussichten begleitet ist.

Wunschkandidatin Bruderer

Wer könnte diese Erfolgsaussichten steigern? Am häufigsten wurde spekuliert, dass die SP Yvonne Feri als Regierungsratskandidatin präsentiert. Abgesehen davon, dass wenigstens weiterhin eine Frau in der Regierung dem Aargau nicht schlecht anstehen würde, ist die Nationalrätin dem Grünen Obrist in Sachen Bekanntheitsgrad um Längen voraus. Und sie verfügt als Gemeinderätin von Wettingen auch bereits über Exekutiverfahrung. Aber auch wenn die SVP mit ihrer Kandidatin Franziska Roth im bürgerlichen Lager nicht auf Begeisterung stösst: Yvonne Feri ist in der SP so klar links aussen positioniert, dass sie es schwer haben dürfte, die zwingend benötigten Stimmen aus der politischen Mitte zu holen.

Ein anderer Name liegt da auf der Hand: der von Ständerätin Pascale Bruderer. Bei den Ständeratswahlen 2011 erreichte sie als einzige Kandidatin das absolute Mehr schon im ersten Wahlgang und distanzierte dabei Nationalrat Ulrich Giezendanner – im Gegensatz zur aktuellen Regierungsratskandidatin der SVP nun wirklich ein politisches Schwergewicht – um fast 16 000 Stimmen. Bruderer ist bis weit ins bürgerliche Lager anerkannt und beliebt. Dass die SP sie in der neuen Ausgangslage mit einer Doppelvakanz für eine Regierungsratskandidatur zu gewinnen versucht, versteht sich eigentlich von selbst, auch wenn es Nationalrat und Co-Kantonalpräsident Cédric Wermuth nicht explizit bestätigen will: «Wir sind seit längerem im regelmässigen Gespräch mit allen möglichen Kandidaten für allenfalls zu besetzende wichtige Positionen, wir waren relativ gut auf eine zweite Vakanz im Regierungsrat vorbereitet.»

(Noch?) keine Absage

Dass diese Gespräche mit Pascale Bruderer in den letzten Wochen und Tagen intensiv geführt wurden, ist nicht nur naheliegend, sondern wird auch aus ihrem Umfeld berichtet. Spannend im Hinblick auf die Medienkonferenz von Freitag Mittag ist: Wie voneinander unabhängige Quellen ebenfalls bestätigen, hat die Wunschkandidatin zumindest nicht gleich abgewinkt, sondern unter dem starken Druck der Partei das Für und Wider einer Kandidatur in den letzten Tagen ernsthaft abgewogen. Bis hin zur Organisation des familiären Umfelds, falls sie gewählt würde. Bruderer ist Mutter von zwei erst fünf- und zweijährigen Töchtern. Wollte sie ein Regierungsamt übernehmen, müsste wohl Ehemann Urs Wyss sein berufliches Pensum reduzieren können. Zu welchem Schluss sie gekommen ist, wird man erst an der Pressekonferenz erfahren, Bruderer selbst war nicht erreichbar. Möglicherweise fällt der definitive Entscheid sogar auch erst in allerletzter Minute: Die SP hat auf 13 Uhr zu einer Medienkonferenz geladen, die interne Anmeldefrist für Kandidaturen läuft um 12 Uhr ab. Man sei gezwungen, das Rennen bis zum Schluss offen zu halten, so Co-Präsident Cédric Wermuth.

Es bleibt also spannend. Das Einzige, was aus Parteisicht gegen eine Kandidatur Bruderers sprechen würde: Der Ständeratssitz wäre ohne sie für die SP wahrscheinlich schwer zu halten.

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