Kanton

SP-Kandidatur von Dieter Egli: Aargauer Westen künftig nicht im Regierungsrat vertreten

Der aktuelle Aargauer Regierungsrat mit Staatsschreiberin Vincenza Trivigno, Landstatthalter Markus Dieth, Landammann Urs Hofmann, Regierungsrat Stephan Attiger, Regierungsrat Alex Huerzeler und Regierungsrat Jean-Pierre Gallati, vlnr. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Der aktuelle Aargauer Regierungsrat mit Staatsschreiberin Vincenza Trivigno, Landstatthalter Markus Dieth, Landammann Urs Hofmann, Regierungsrat Stephan Attiger, Regierungsrat Alex Huerzeler und Regierungsrat Jean-Pierre Gallati, vlnr. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Mehr als ein Drittel der Aargauer Bevölkerung wird ab 2021 nicht mehr im Regierungsrat vertreten sein. Vier Bezirke aus dem Westen werden keinen Sitz mehr in der Regierung haben.

Die SP zieht nicht mit der Aarauer Stadträtin Franziska Graf in den Regierungsrats-Wahlkampf. Das ist nicht nur eine Niederlage für die Frauen – die kantonale Exekutive wird in den nächsten Jahren voraussichtlich ausschliesslich aus Männern bestehen. Es ist auch eine Niederlage für den Westen des Kantons: Wenn nichts Aussergewöhnliches passiert, wird er bis 2024 nicht mehr in der kantonalen Exekutive vertreten sein. Denn eine Wahl der Grünen Zofinger Stadträtin Christiane Guyer wäre eine Riesenüberraschung.

Der Aargau ist der Kanton der Regionen. Mehr als ein Drittel, 37,7 Prozent, seiner Bevölkerung leben in den vier Bezirken Aarau, Kulm, Lenzburg und Zofingen. Die Vorstellung, dass sie im Regierungsrat gar nicht mehr vertreten sind, fällt für viele schwer – auch wenn betont wird, der Regierungsrat lasse sich immer weniger von regionalpolitischen Überlegungen leiten. Doch wer kämpft seinen Sitzungen für die Umfahrung Suhr? Wer setzt sich dafür ein, dass die neue Mittelschule nach Lenzburg kommt? Wer verhindert, dass Zofingen bei der Verteilung der Infrastrukturen leer ausgeht (zuletzt Verlust des KV)?

Eindrückliche Aarauer Serie mit Unterbruch

Seit Menschengedenken war der Westen immer mit mindestens einem Sitz in der Regierung. Aktuell mit Urs Hofmann, den es im Herbst zu ersetzen gilt. Nicht ganz lückenlos war die Vertretung der Kantonshauptstadt: Vor Urs Hofmann hatte sie eine neunjährige Durststrecke (Ernst Hasler aus Strengelbach war während dieser Zeit der Vertreter des Westens). Vor dem Jahr 2000 hatte Aarau eine eindrückliche Serie: Thomas Pfisterer, Silvio Bircher, Kurt Lareida, Bruno Hunziker, Kurt Kim. Und eine gefühlte Ewigkeit (1965 bis 1993) war der Fast-Aarauer Arthur Schmid (Oberentfelden) im Gremium.

Ein Mann aus Oeschgen (Alex Hürzeler), einer aus Baden (Stephan Attiger), einer aus Wettingen (Markus Dieth) einer aus Wohlen (Jean-Pierre Gallati) und mit grösster Wahrscheinlichkeit einer aus Windisch (Dieter Egli). Die historisch Bewanderten werden einwenden, Windisch gehöre zum Berner Aargau. Und wer ein Bewusstsein für Veränderungen hat, wird sagen, dass die Konfession heute bei der Auswahl der politischen Führung auch kaum mehr eine Rolle spielt. Weshalb sollte man denn der geographischen Herkunft noch eine Bedeutung beimessen?

Die Herkunft war im SP-Wahlkampf kein Thema

Fest steht: Das Argument der Regionalität spielte in der parteiinternen Diskussion der Genossen keine Rolle. Klar ist: Es ist Franziska Graf und ihren Unterstützern nicht gelungen, diese Karte zu spielen. Ob das anders gewesen wäre, wenn Graf ein Mann wäre?

So oder so: Der Regierungsrat tagt wohl ab 2021 ohne Westaargauer – aber wenigstens immer noch in Aarau.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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