Herr Hardmeier, welche Reaktionen haben Sie erhalten, seit Sie am Dienstagabend Ihren Rücktritt als SP-Aargau-Präsident bekannt gegeben haben?

Marco Hardmeier: Auch intern waren sehr viele Leute überrascht von meiner Entscheidung, ich habe bisher aber nur positive Reaktionen von Leuten erhalten, die meinen Schritt verstehen und zum Erreichten in den letzten Jahren gratulieren.

Wie sieht Ihre politische Bilanz der letzten acht Jahre aus - sind Sie zufrieden mit Ihrer Amtszeit?

Auf jenen Ebenen, die ich als Kantonalpräsident direkt beeinflussen kann, also bei National-, Stände- und Regierungsratswahlen, stehen wir gut da. Im Nationalrat haben wir ohne Listenverbindung unsere drei Sitze gehalten, mit Pascale Bruderer sind wir seit über 60 Jahren wieder im Ständerat vertreten, mit Urs Hofmann sind wir nach langer Absenz wieder im Regierungsrat.

Bei den Grossratswahlen 2009 und 2012 hat die SP aber Verluste erlitten...

Das stimmt, bei den Grossratswahlen, wo der Wahlkampf von den Bezirksparteien gemacht wird, fällt die Bilanz eher durchzogen aus. Da mussten wir 2009 Verluste einstecken, die wir 2013 nicht wettmachen konnten.

Mit ihren Anliegen scheitert die SP auch oft im Grossen Rat - ist das nicht frustrierend?

Angesichts der bürgerlichen Mehrheit im Grossen Rat musste ich lernen, dass es viel Zeit und mehrere Anläufe braucht, um SP-Anliegen zum Erfolg zu verhelfen. Dies ist kein Grund, frustriert zu sein, sondern eine Tatsache - umso mehr habe ich mich über Erfolge gefreut.

Auch bei Abstimmungen an der Urne konnten Sie im Aargau bisher keine Erfolge verzeichnen.

Wir haben gezeigt, dass die SP Aargau imstande ist, innert kurzer Zeit ein Referendum oder eine Initiative auf die Beine zu stellen. Bei der Pflegeinitiative fehlten zum Erfolg nur 2,5 Prozent an der Urne. Ich bin zuversichtlich, dass wir bald ein Anliegen vor dem Volk durchbringen werden.

Wie hat sich die SP intern verändert, seit Sie im Jahr 2006 das Präsidium übernommen haben?

Bei meinem Amtsantritt war das Parteipräsidium eher unwichtig und wir hatten eine Geschäftsleitung mit 18 Mitgliedern, heute sind es noch sieben - das ist ein Beispiel dafür, dass die SP Aargau in den letzten Jahren handlungsfähiger, schneller, aktiver und mobiler geworden ist. Und dies, obwohl ich als Präsident nicht auf Facebook vertreten bin und nur selten Twitter-Mitteilungen absetze (schmunzelt). Trotz aller Veränderungen haben wir die Bindung zur Basis nicht verloren, sondern gemeinsam ein Parteiprogramm und Legislaturprogramm erarbeitet.

Wen wünschen Sie sich als Nachfolgerin oder Nachfolger im SP-Präsidium?

Ich wünsche mir, dass sich viele Frauen bezüglich einer Kandidatur Gedanken machen - einerseits wurde die SP jetzt zwölf Jahre lang von Männern geführt, andererseits werden alle anderen grossen Parteien im Aargau von Männern präsidiert.

SVP, FDP und Grüne hatten zuletzt eher Mühe, ihre Präsidien zu besetzen, eine Auswahl gab es bei keiner dieser Parteien - wie sieht das bei der SP aus?

Ich bin überzeugt, dass sich mehrere Kandidatinnen und Kandidaten finden werden. Bis Ende Mai läuft die Anmeldefrist für interessierte Personen - auch Ortsparteien können Kandidaten anmelden. Zudem wird eine Findungskommission mit sieben Mitgliedern eingesetzt, die Hearings mit den Kandidatinnen und Kandidaten machen wird. Wahltermin für meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger ist der Parteitag am 21. Juni.

Wie sieht das Anforderungsprofil aus - muss Ihr Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin Mitglied des Grossen Rats sein?

Eine SP-Aargau-Präsidentin resp. ein Präsident muss zudem nicht zwingend im Grossen Rat sitzen oder Gemeinderätin sein, auch ich war zu Beginn meiner Amtszeit nicht Grossratsmitglied.

Wie sieht die zeitliche Belastung und die finanzielle Entschädigung als SP-Präsident aus?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die zeitliche Belastung des Präsidiums etwa einem 50-Prozent-Pensum entspricht. Die Entschädigung beträgt 2000 Franken im Monat, damit sind sämtliche Spesen und Auslagen vollständig abgedeckt.

SP-Präsident Marco Hardmeier tritt zurück

SP-Präsident Marco Hardmeier tritt zurück