Aufsichtsgremien

SP-Grossrätin fordert Frauenquote für AKB, Eniwa & Co. – bürgerliche Politikerinnen sind dagegen

Lelia Hunziker (SP) kritisiert staatsnahe Betriebe wie Eniwa oder AKB, weil sie zu wenig Frauen in den Verwaltungsräten haben. Sie fordert eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent. Bürgerliche Politikerinnen stehen dieser Quote kritisch gegenüber.

Ob Eniwa, Aargauer Kantonalbank, Aargau Verkehr oder Kantonsspital Aarau (KSA): Frauen sind in staatsnahen Betrieben im Kanton Aargau in der Minderheit, wenn es um die Posten in Strategie- und Aufsichtsgremien geht. Gerade einmal 18 Prozent der Mitarbeitenden in den obersten Etagen sind weiblich, das hat eine Stichprobe von SP-Grossrätin Lelia Hunziker ergeben.

Das Vizepräsidium der Eniwa zum Beispiel wird zwar von Nationalrätin Corina Eichenberger besetzt. Sie ist im achtköpfigen Gremium allerdings die einzige Frau. Auch im neunköpfigen Beirat der AKB sitzt zurzeit nur eine Frau.

Dieses Resultat verärgert Hunziker: «Das ist nicht nachvollziehbar, zumal es sich bei vielen dieser Betriebe um Unternehmen des Service public handelt.» Für Hunziker ist deswegen klar: Es braucht eine Quote. Sie fordert den Regierungsrat dazu auf, sicherzustellen, dass in allen Strategie- und Aufsichtsgremien staatsnaher Betriebe, die in seiner Wahlbefugnis liegen, Frauen und Männer zu je mindestens 30 Prozent vertreten sind.

Immerhin der KSA-Verwaltungsrat erfüllt mit zwei Frauen und vier Männern dieses Minimum zurzeit. «30 Prozent ist eine minimale, realpolitische Forderung, mein Herz schlägt selbstverständlich für eine 50-Prozent-Quote», sagt Hunziker. «Es funktioniert offenbar nicht, dass die Unternehmen von sich aus dafür schauen, dass Frauen angemessen vertreten sind. Also muss es durch Zwang erfolgen.»

Frauen hätten noch immer schlechtere Chancen, ein höheres Mandat auszuüben, weil Männer nach wie vor eher andere Männer einstellten. Das bewirke, dass die Verwaltungsgremien und Geschäftsleitungen von staatsnahen Betrieben nicht die Vielfalt der Aargauer Bevölkerung repräsentierten. «Es kann nicht sein, dass ausschliesslich bürgerliche, reiche Männer, selbstverständlich ohne Migrationshintergrund, das Sagen haben. Sie aber stellen den grössten Teil der Leitungsstrukturen», so Hunziker.

Somit blieben Frauen häufig unsichtbar. «Wenn ich eine Zeitung durchblättere, sehe ich auf der Mehrheit der Bilder Männer. Frauen finden nicht statt und dienen somit auch nicht als Vorbilder», kritisiert die SP-Grossrätin.

Frage der Erziehung und Kultur

Das Anliegen von Hunziker wurde von 22 Ratsmitgliedern unterschrieben, vor allem aus SP und Grünen. Frauen von Mitte- und bürgerlichen Parteien stehen dem Anliegen kritisch gegenüber, wie eine kleine Umfrage zeigt.

Sabina Freiermuth, FDP-Grossrätin und Fraktionspräsidentin, fände mehr Frauen in wichtigen Positionen zwar wünschenswert, eine Quote lehnt sie aber ab. «Wir Frauen sind keine schutzwürdigen Wesen, die eine Quote brauchen, um etwas zu erreichen», sagt sie. Eine solche könne sich in der Sache gar kontraproduktiv auswirken, wenn eine Person einer besser geeigneten aufgrund ihres Geschlechts vorgezogen werde.

Der Ansatz des Zwangs sei deswegen falsch, vielmehr müssten Frauen von ihrem Umfeld bestärkt und vor allem für Karrieren ermutigt werden. «Ich stelle fest, dass Frauen oftmals zurückhaltender auftreten oder sich ein Amt oder Mandat nicht zutrauen, obwohl sie alle Voraussetzungen mitbringen», sagt die FDP-Grossrätin.

Das nötige Wettbewerbs- und Selbstbewusstsein fehle häufig. «Das ist eine Frage der Erziehung aber auch der Kultur. Das können wir mit stetem Fördern ändern, nicht mit einer Quote. Die Frauen sollten das Heft selber in die Hand nehmen und nicht zuwarten, bis man es für sie richtet.», so Freiermuth.

Bereits vieles besser geworden

So sieht es auch Marianne Binder, Präsidentin der Aargauer CVP: «Wir brauchen keine Frauenquoten. Wir schaffen sie selbst. Quoten fördern nicht das Selbstverständnis der Frauen, sich für Mandate zur Verfügung zu stellen», sagt sie.

Es sei diesbezüglich schon viel passiert, stellt Binder fest. Vor einigen Jahrzehnten sei etwa Lehrer ein Männerberuf gewesen, was sich nachweislich gewandelt hat. Auch gebe es immer mehr Richterinnen, obwohl keine Quote darüber bestimmt, nennt Binder zwei Beispiele. Es sei eine Frage der Entwicklung, bis sich die Geschlechter in Wirtschaft und Politik und auch in vielen anderen Bereichen die Waage halten. «Diese Entwicklung sehe ich sehr positiv», so die CVP-Ständeratskandidatin.

Bestätigt wird diese Annahme von SVP-Grossrätin Marlène Koller. Sie, Jahrgang 1953, sagt, sie habe selber erlebt, wie sich die Situation der Frauen verbessert habe. «Ich komme aus einer Generation, in der es Frauen tatsächlich teilweise schwerer hatten als Männer», sagt sie. Vermehrt erlebe sie aber heutzutage Frauen als weniger flexibel als Männer, weswegen sie seltener in Führungspositionen anzutreffen seien.

Auch Frauen mit kleinen Kindern hätten aber inzwischen gute Rahmenbedingungen, um Karriere zu machen. «Diese müssen natürlich stimmen, gerade wenn es darum geht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Wer aber will, der findet auch eine Lösung», ist die Untersiggenthaler Frau Gemeindeammann überzeugt.

Insgesamt sehe sie keinen Handlungsbedarf: «Frauen und Männer müssen gleichermassen leistungsbereit sein, um ihre Ziele zu erreichen», stellt Koller klar. Eine Geschlechter-Quote lehnt sie deswegen grundsätzlich ab.

Kein rein linkes Thema

Lelia Hunziker geht derweil nicht davon aus, dass sich das Problem von selber lösen wird. «Wir brauchen jetzt diesen Schritt, damit es vorangeht. Vielleicht kann man die Quote in einigen Jahrzehnten wieder abschaffen», sagt sie.

Obwohl sich bürgerliche Grossrätinnen gegen eine Quote aussprechen, sei das Thema aber nicht mehr Frauen aus linken Parteien vorbehalten. «Wir sehen, gerade im Vorfeld des Frauenstreiks, wie viele Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen sich für ihre Rechte einsetzen. Es braucht Kampfgeist und Frauensolidarität», appelliert die SP-Frau.

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