Geschlechterverhältnis

SP Frauen über das Würste-Plakat: «Es provoziert natürlich – das wollten wir auch erreichen»

Das Plakat zeigt fünf Würste - gemeint ist der Regierungsrat.

Das Plakat zeigt fünf Würste - gemeint ist der Regierungsrat.

Die SP Frauen Aargau wollten mit ihrem Würste-Plakat über das Geschlechterverhältnis in der Regierung und im Parlament provozieren. Es ist ihnen gelungen. Doch die naheliegende Interpretation, wonach die Aargauer Regierungsräte Würste sein sollen, gefällt nicht allen.

Ende letzter Woche haben die SP Frauen Aargau eine Plakataktion gestartet, mit der sie auf das ungleiche Geschlechterverhältnis von Männern und Frauen in Grossem Rat und Regierungsrat aufmerksam machen wollen. Auf einem Plakat steht: «Auf eine Frau im Grossen Rat folgen zwei Männer.» Es ist mittels Personen illustriert, wobei zwei von drei als Silhouetten dargestellt sind.

Abstrakter ist jenes zum Regierungsrat: Anstatt fünf Männer zeigt dieses einen Stapel von fünf eingeritzten, gebratenen Cervelats. Die naheliegende Interpretation, wonach die Aargauer Regierungsräte Würste sein sollen, gefällt nicht allen. So war von Bürgerlichen am Rande der Sitzung des Grossen Rats von gestern etwa zu hören, das Plakat sei despektierlich und die SP Frauen würden damit auch ihren eigenen Regierungsrat Urs Hofmann angreifen.

«Hanswürste» entscheiden über alles

Mia Gujer, Co-Präsidentin der SP Frauen, ist ob diesen Reaktionen nicht erstaunt. «Das Plakat provoziert natürlich. Das wollten wir auch erreichen», sagt sie auf Anfrage. Aber warum werden Regierungsräte als Würste dargestellt? «Wir finden, das passt zur Thematik – wir haben ein Motiv gesucht, das die Gleichförmigkeit dieser reinen Männerregierung, aus der die Frauen ausgeschlossen sind, darstellt. Und sind auf den Hanswurst gekommen», so Mia Gujer. Das betreffe naturgemäss auch SP-Regierungsrat Urs Hofmann: «Wir, die SP, stellen uns nicht über die anderen Parteien. Alle sind gleichermassen gefordert, ein Gleichgewicht herzustellen.»

Dass kaum jemand je gerne als Wurst dargestellt oder bezeichnet wird, sei indes verständlich, meint Mia Gujer, aber: «Wir wollten niemanden beleidigen und niemandem zu nahe treten, sondern eine Diskussion anstossen. Das haben wir erreicht.»

Fünf Frauen kandidieren, SP setzt auf einen Mann

Seit dem Rücktritt von Franziska Roth (ehemals SVP) Mitte 2019 besteht die Aargauer Regierung aus Männern, auch Roths Nachfolge hat mit Jean-Pierre Gallati ein Mann angetreten. Bei den Wahlen vom 18. Oktober kandidieren fünf Frauen: Christiane Guyer (Grüne), Cybel Dickson, Patricia Hegglin und Zoe Sutter (alle Juso) und Theres Schöni (LOVB). Ausser Hofmann kandidieren all bisherigen Regierungsräte wieder. Die SP steigt mit Dieter Egli ins Rennen.

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