Sozialversicherungen
Trotz Homeoffice und immer mehr Arbeit: Die SVA Aargau zahlte 2020 fast 100 Millionen Franken Corona-Ersatz aus

Leistungen in der Höhe von fast drei Milliarden Franken zahlte die SVA Aargau 2020 aus. Das sind mehr denn je. Den grössten Brocken machte dabei die AHV aus. Doch auch Corona-Ersatz zahlte die SVA fast 100 Millionen Franken aus.

Raphael Karpf
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Trotz Corona erzielte die SVA Aargau 2020 einen Gewinn.

Trotz Corona erzielte die SVA Aargau 2020 einen Gewinn.

Sandra Ardizzone

Als Simmonetta Sommaruga im März 2020 den ersten Lockdown verkündete, dürften auch sämtliche Sozialversicherungsmitarbeitenden vor dem Fernseher gesessen haben. Nicht nur, weil sie persönlich auch betroffen waren. Sondern wegen der Coronaerwerbsersatzentschädigungen.

«Wir wussten zu diesem Zeitpunkt genauso wenig, was auf uns zukommen würde, wie alle anderen», sagt Nancy Wayland, CEO der SVA Aargau, der unter anderem die AHV und die IV angeschlossen sind. Dann verkündete der Bundesrat: Selbstständige, deren Geschäft geschlossen wurden, Menschen in Quarantäne oder Eltern, die ihre Kinder nicht mehr in die Kita schicken konnten, würden Erwerbsersatz erhalten. Und das würde über die Kantone, sprich für die SVA, abgewickelt werden.

Nancy Wayland, CEO SVA Aargau.

Nancy Wayland, CEO SVA Aargau.

Zvg

Drei Wochen später, Anfang April, zahlte die SVA bereits erste Gelder aus. Sie war damit eine der ersten Sozialversicherungen der Schweiz. Bis Ende Jahr hatte die SVA schliesslich 94 Millionen Franken an knapp 14'000 Menschen ausbezahlt.

Die Kosten übernahm der Bund. Und auch für den Mehraufwand wurde die SVA entschädigt. Trotzdem musste die SVA diese Arbeit erst einmal stemmen – während quasi von heute auf morgen die allermeisten der 450 Mitarbeitenden ins Homeoffice geschickt wurden.

Fast drei Milliarden Franken hat die SVA ausbezahlt

Und gleichzeitig hatte die SVA auch noch ihren Tagesaufgaben nachzugehen: AHV, IV, Prämienverbilligungen und weitere Sozialversicherungen. 2,8 Milliarden Franken zahlte die SVA 2020 insgesamt aus, das entspricht sechs Prozent des kantonalen BIP.

Das sind 16 Prozent mehr als noch vor vier Jahren. Und die Fallzahlen nahmen im Vergleich zu von vor sechs Jahren gar um einen Viertel zu. Den grössten Brocken macht dabei die AHV mit 1,5 Milliarden Franken aus. Weitere grosse Brocken sind die Prämienverbilligungen, die IV-Leistungen und die Ergänzungsleistungen mit je etwa 300 Millionen. Und wie erwähnt kamen nun 94 Millionen Franken Coronaerwerbsersatz hinzu. CEO Wayland:

«Es war auch für uns ein aussergewöhnliches Jahr. Es war wohl noch nie so klar, wie wichtig soziale Sicherheit ist.»

Schliesslich musste die SVA auch noch den Umgang mit zwei neuen Versicherungen aufgleisen: Seit Anfang Jahr ist der Vaterschaftsurlaub in Kraft. Von der Summe her zwar kein riesiger Brocken – bis Ende April wurden an 167 frischgebackene Väter 180'000 Franken ausbezahlt – trotzdem musste im Hintergrund einiges aufgegleist werden, bis die Leistungen ausbezahlt werden konnten.

Und ab Mitte Jahr kommt noch die Überbrückungsrente hinzu: Auch hier muss die SVA nochmals Prozesse für eine ganz neue Versicherung aufgleisen.

Trotz all dem schrieb die SVA schwarze Zahlen. Sie erzielte einen Ertragsüberschuss von 1,5 Millionen Franken. Das ist zwar deutlich weniger als vor einem Jahr, als die SVA mit fünf Millionen Franken im Plus abschloss. Aber immerhin ein Gewinn: «Gerade im Coronajahr war nicht unbedingt damit zu rechnen gewesen», sagt Finanzchef Beat Stirnimann.

Zu verdanken ist das Ergebnis zum einen dem einigermassen stabilen Börsenjahr. Und zum anderen waren die Folgen von Corona zumindest bisher noch nicht wirklich spürbar: Weder gingen die AHV-Beiträge zurück, noch wurden mehr Konkurse festgestellt. Wayland:

«Das heisst nicht, dass es allen gut geht. Aber es bedeutet, dass die vielen Hilfsmassnahmen greifen.»

Langzeitschäden der Pandemie sind nicht auszuschliessen

Dass die Pandemie allerdings noch finanzielle Langzeitschäden haben werde, sei nicht auszuschliessen. Eine Prognose wage man aber nicht.

Nicht nur bei der SVA Aargau steigen die Fallzahlen, insbesondere in der AHV, jedes Jahr. Sondern schweizweit. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Bevölkerung immer älter wird. Und zum anderen damit, dass auch immer mehr Versicherungen dazukommen, Stichwort Vaterschaftsurlaub oder Überbrückungsrente.

Gedeckt werden die steigenden Leistungen schon lange nicht mehr nur von den Beiträgen. Sondern schon fast zur Hälfte von Bundesgeldern, Tendenz steigend. Diese Entwicklung bereitet Wayland Sorgen. Darum habe man sich zu einer richtiggehenden Transparenzoffensive entschieden.

Erstmals weist die SVA im Jahresbericht und auf ihrer Website aus, wie viel Aufwand die SVA je nach Versicherung hat. So bedeutet ein IV-Fall jährlichen Aufwand von etwa 5000 Franken. Für die Prämienverbilligung ist der Aufwand viel kleiner, ein Fall kostet durchschnittlich 30 Franken. Diese Berechnung sei zwar ungenau. Sie soll aber ein erster Schritt sein, um die Sozialversicherungen etwas greifbarer zu machen. Und um eine Diskussion zu lancieren und so hoffentlich zu einer Lösung des Problems beizutragen.

Weitere Infos und Zahlen zur SVA finden sich auf dieser neu lancierten Plattform der SVA.