«Muss ich zuerst hochkommen und euch alle abschlagen?» Das soll Marco (Name geändert) im Sommer 2016 am Telefon zu einer Gemeindeangestellten gesagt haben. Die Mitarbeiterin der Verwaltung hatte den damals 52-Jährigen informiert, dass die Gemeinde eine Arztrechnung nicht bezahle. Der Sozialhilfebezüger wurde am Telefon laut, die Frau fühlte sich bedroht und stellte einen Strafantrag gegen Marco.

Die zuständige Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg verurteilte ihn darauf per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 900 Franken sowie einer Busse von 200 Franken. Durch die Äusserungen des Mannes sei die Gemeindemitarbeiterin «in Angst und Schrecken versetzt» worden, heisst es als Begründung im Strafbefehl.

Strafbefehl angefochten

Marco akzeptierte die Strafe allerdings nicht, focht den Entscheid an – so wurden die beiden am Donnerstag zur Verhandlung vor dem Bezirksgericht Laufenburg aufgeboten. Marco war pünktlich und wurde von Gerichtspräsident Beat Ackle vor Ort informiert, dass die Gemeindemitarbeiterin etwas später komme. «Das macht sie immer, das kostet mich Zeit und Geld, dann verschieben wir den Termin lieber», entgegnete er gereizt und verliess den Warteraum wieder. Ein paar Minuten später sass Marco dennoch im Gerichtssaal und hörte sich den Vorschlag von Richter Ackle an, den Streit gütlich beizulegen. Wenn sich beide bereit erklärten, sich für allfälliges Fehlverhalten zu entschuldigen und die Verwaltungsangestellte ihren Strafantrag zurückziehen würde, wäre dies möglich.

«Das ist schwierig für mich, ich habe Mühe mit dieser Vorstellung, schliesslich hat er mir mit Schlägen gedroht», sagte die Frau. Ausserdem könnte ein Rückzug des Strafantrags ein falsches Zeichen sein, zumal der Gemeinderat beschlossen habe, Drohungen gegen Angestellte konsequent anzuzeigen.

Marco entgegnete, aus seiner Sicht sei die umstrittene Äusserung nur eine Frage und gar keine konkrete Drohung gewesen. Ihm sei daran gelegen, den Fall abzuschliessen, weil er inzwischen in eine andere Gemeinde gezogen sei, werde ein solcher Fall mit der betroffenen Frau nie mehr vorkommen. Diese sagte, sie werde einen allfälligen Rückzug des Strafantrags nächste Woche mit dem Gemeinderat besprechen – der Fall könnte also tatsächlich gütlich und ohne Gerichtsurteil enden.