Er ist 25 und soll noch nie gearbeitet haben – der «frechste Sozialhilfe-Bezüger der Schweiz», wie ihn der «Blick» bezeichnet. Nun ist der junge Mann offenbar nach Sarmenstorf gezogen – zuvor wohnte er in Niederwil und Berikon, wo er jeweils Sozialhilfe bezog. Andreas Glarner, SVP-Fraktionschef im Grossen Rat und Gemeindeammann in Oberwil-Lieli, hat dessen Namen auf Facebook publik gemacht.

Nachdem Berikon und Niederwil dem Arbeitsverweigerer die Sozialhilfe strichen, soll der freche Sozialhilfe-Bezüger nach Sarmenstorf gezogen sein – die Bevölkerung ist alles andere als erfreut.

Nachdem Berikon und Niederwil dem Arbeitsverweigerer die Sozialhilfe strichen, soll der freche Sozialhilfe-Bezüger nach Sarmenstorf gezogen sein – die Bevölkerung ist alles andere als erfreut.

«So steigt der soziale Druck auf den Mann, endlich zu arbeiten», verteidigt sich Glarner in der Sendung TalkTäglich von Tele M1. Yvonne Feri, SP-Nationalrätin und Sozialvorsteherin in Wettingen, kritisiert den Online-Pranger hingegen scharf: «Das ist eine Hetzjagd, auch für solche Leute gilt der Datenschutz.»

Auf die Frage von Moderator und az-Inlandchef Stefan Schmid, wie sie reagieren würde, wenn der junge Mann nach Wettingen käme, sagt Feri: «Wir würden genau überprüfen, ob er einen Anspruch auf Sozialhilfe hat, und ihn dann in ein Arbeitsprogramm stecken.» Dies verbunden mit klaren Auflagen. Sollte er nicht zu Einsätzen erscheinen, würde auch SP-Frau Feri dem jungen Mann die Sozialhilfe kürzen.

Öffentlicher-Pranger: SVP-Grossrat Andreas Glarner sagt, weshalb er den Namen des frechen Sozialhilfe-Bezügers auf Facebook publik gemacht hat. Für Yvonne Feri eine «Hetzjagd und Stigmatisierung».

Öffentlicher-Pranger: SVP-Grossrat Andreas Glarner sagt, weshalb er den Namen des frechen Sozialhilfe-Bezügers auf Facebook publik gemacht hat. Für Yvonne Feri eine «Hetzjagd und Stigmatisierung».

Glarner will härtere Gangart

Glarner, der auf Facebook über den umstrittenen Sozialhilfebezüger geschrieben hatte, «der kommt nicht mal über die Schwelle unseres Gemeindehauses», würde härter vorgehen. «Es muss möglich sein, einem solchen Mann, der nicht arbeiten will, absolut unkooperativ ist und dem Staat seit Jahren auf der Tasche liegt, die Leistungen vollständig zu streichen.»

Heute ist dies nicht möglich, in der Bundesverfassung ist Nothilfe als Minimum vorgeschrieben: «8 Franken pro Tag, ein Dach über dem Kopf und eine Krankenkasse», sagt Glarner.

Er möchte grundsätzlich eine härtere Gangart bei der Sozialhilfe einschlagen. «Wenn man bei Sozialfällen den Familiennachzug verbietet, keine Einbürgerung mehr zulässt und ihnen Auto und Fahrausweis wegnimmt, würde sich die Zahl rasch reduzieren.»

Feri sieht kaum Missbrauch

Yvonne Feri wendet in Wettingen ein anderes Rezept an. «Wir versuchen, die Sozialhilfebezüger mit Weiterbildung und festen Tagesstrukturen wieder fit zu machen für den Arbeitsmarkt.» Sie ist der Meinung, dass die Missbrauchsquote sehr tief liege. Von den rund 500 Personen, die in Wettingen Sozialhilfe beziehen, verhalten sich laut Feri 95 Prozent sehr kooperativ. «Sie tun alles dafür, um wieder einen Job zu finden.»

Sind die Sozialhilfebezüger vor allem jung und ohne Ausbildung? Und wie viele missbrauchen die Gunst der Gemeinden? Auch zu diesen Fragen liefern sich Glarner und Feri Wortgefechte.

Sind die Sozialhilfebezüger vor allem jung und ohne Ausbildung? Und wie viele missbrauchen die Gunst der Gemeinden? Auch zu diesen Fragen liefern sich Glarner und Feri Wortgefechte.

Glarner schätzt die Situation anders ein: «Jeder zweite Sozialhilfebezüger missbraucht das System.» Gemeinden dürften keine sozialen Hängematten bieten. Feri entgegnet, hinter jedem Fall stehe ein Mensch. «Dieser hat sich sein Schicksal nicht selber ausgesucht, sondern ist oft unverschuldet in Not.»

Yvonne Feri (SP) und Andreas Glarner (SVP) diskutieren mit Moderator Stefan Schmid (rechts) über den «frechsten Sozialhilfebezüger der Schweiz».

Sehen Sie hier den ganzen Talk zum Thema Sozialhilfe-Missbrauch.