Die Laien staunten, die Fachleute wunderten sich: Beim Höhepunkt der aktuellen Prämierung der Aargauer Staatsweine standen sie plötzlich zuoberst auf dem Podest: Marcel Lang und David Bertschi von der Trinamo AG in Aarau. Damit hat die Sozial- und Integrationsfirma alle Profi-Rebbauern überholt, die sich im friedlichen Wettkampf um den besten Aargauer Wein messen wollten. Dies in der Kategorie Riesling-Sylvaner, also bei der wichtigsten Weissweinsorte im Kanton.

In der Finaldegustation an der Landwirtschaftlichen Schule Liebegg holte der Gislifluewii der Trinamo die meisten Punkte. «Natürlich war ich freudig überrascht», sagt Geschäftsführer Reto Schaffer, obwohl der Erfolg nicht ganz aus heiterem Himmel kam. Vor vier Jahren kam der Wein bei der AOC-Fachkommission in der Profi-Degustation schon in die Kränze. Aber am Lager waren nicht mehr die 400 nötigen Flaschen Wein.

Die Suche nach dem Aargauer Staatswein 2016

Ein Weinglas nach dem anderen wird hier gekippt. Von Hundsverlochete jedoch keine Spur. Roland Brogli und Mitjuroren suchen den Staatswein 2016. (18. Juni 2016)

Stete Ausbildung in Wädenswil

Wie aber ist es möglich, dass ein Sozialunternehmen mit Asylbewerbern, erwerbslosen und psychisch beeinträchtigten Menschen einen derart hohen Standard erreicht? Das Ziel der Trinamo ist es, die Kompetenzen der Klienten so professionell zu fördern, dass sie sich (wieder) in Arbeitsmarkt und Gesellschaft integrieren können. Bei den vielen Tätigkeiten mit einem Schwerpunkt Gastronomie (siehe Box unten) steht der Weinbau nicht im Zentrum.

Im gepachteten Rebberg «machen wir auch das Spritzen selber, unsere Leute sind ständig an der Weinbau-Fachschule Wädenswil in Ausbildung», erklärt Schaffer. Die Trauben der Riesling-Sylvaner, Blauburgunder und Cabernet Jura werden bei den ck-Weinen von Claudio und Kathrin Hartmann in Schinznach in enger Zusammenarbeit gekeltert.

«Die Rückmeldung unserer Kunden in den neun Restaurants ist unsere Messlatte, wir wollen es immer noch besser machen», unterstreicht der Geschäftsführer. Reto Schaffer ist Mitglied im Weinklub Biel und hat viel Herzblut für den Wein – aber keine Zeit, um selber im Rebberg tätig zu sein.

Mit Asylbewerbern im Rebberg

Bei der vielen Arbeit im Rebberg ob Auenstein sind oft auch Asylbewerber im Einsatz. «Eben haben wir den Pachtvertrag mit G+A Brugger-Johos Erben für zehn Jahre erneuert», betont Marcel Lang, der den Rebbau bei Trinamo zusammen mit David Bertschi leitet. «Man hat uns überall gratuliert, es ist schön, wenn die Bemühungen so belohnt werden», meint Lang zum Staatswein. Generell gelte für alle Bereiche: Für den Erfolg einer Gruppe müsse der Kulturmix stimmen, bei den Menschen aus anderen Ländern müsse man die Gepflogenheiten in den Herkunftsländern kennen, erklärt Reto Schaffer.

140 Festangestellte bilden das Fundament der Sozialfirma, bei den 700 Arbeitsplätzen kommen und gehen die Leute. Die meisten bleiben ein paar Wochen bis zu sechs Monaten. «Wir müssen immer wieder von vorne beginnen», sagt Schaffer zur Betreuung und Ausbildung. Denn die Integration in die Arbeitswelt ist ja das Ziel aller Bemühungen. Derzeit sei der Arbeitsmarkt relativ gut.

Im Roten Turm in Baden und in der ganzen Gastronomie setzt die Trinamo auf einheimische und saisongerechte Produkte. Dazu passen der eigene Wein oder Champagner oder Grappa hervorragend.