Sozialhilfe

Sozialfälle kosten Gemeinden immer mehr

In den letzten Jahren sind Ausgaben trotz stabiler Sozialhilfequote um ein Viertel gestiegen. Der Budgetposten Sozialhilfe gehört mittlerweile bei den Gemeinden neben der Bildung zu den höchsten in der laufenden Rechnung.

Die Aargauer Gemeinden jammern seit Jahren über die steigenden Kosten in der Sozialhilfe. Dieser Budgetposten gehört mittlerweile bei den Gemeinden neben der Bildung zu den höchsten in der laufenden Rechnung. Doch die Sozialhilfestatistik, die der Kanton gestern veröffentlicht hat, zeigt auf den ersten Blick ein anderes Bild. Seit Beginn der Datenerhebung 2005 ist die Sozialhilfequote im Aargau - also die Prozentzahl der Sozialfälle im Bezug zur Gesamtbevölkerung - stabil bei 1,9 Prozent geblieben.

Nur in den Jahren 2006 und 2007 erhöhte sich die Quote kurzfristig auf 2,0 Prozent. Ist das Jammern der Gemeinden also scheinheilig? Nein. Das sagt auch Cornelia Breitschmid, die Leiterin des kantonalen Sozialdienstes. «Die Sozialhilfequote bildet nur einen Aspekt ab, es gibt dahinter auch die Dimension der Finanzen.» Und diese andere Dimension sieht düster aus, betrachtet man etwa die letzten vier Jahre: Die Nettokosten der Sozialhilfe stiegen bei den 219 Gemeinden von 64,2 Millionen Franken (2008) auf 80,9 Millionen Franken (2011), also um 26 Prozent. Trotzdem blieb die Sozialhilfequote in diesen vier Jahren stabil bei 1,9 Prozent.

Aarburg und Neuenhof fallen auf

Laut Breitschmid gibt es dafür zwei Gründe. Zum einen hat die Zahl der Sozialhilfebezüger zugenommen, und zwar von 10 918 (2008) auf 11 815 (2011). Weil in dieser Zeit gleichzeitig die Bevölkerung wuchs, blieb die Sozialhilfequote auf gleichem Niveau. Zum anderen gibt es mehr schwere Fälle und die Bezugsdauer der Sozialhilfe nimmt zu. Seit 2010 beobachtet die kantonale Leiterin einen Anstieg der Fälle, die länger als ein Jahr dauern. Handkehrum nimmt die Zahl der Bezüger ab, die nur bis zu einem Jahr auf den Staat angewiesen sind. «Es gibt Personen, die seit zehn Jahren Sozialhilfe beziehen.» Breitschmid bezeichnet das Phänomen als «Sozialhilfe-Verrentung». Grundsätzlich dient die Sozialhilfe als Überbrückung der Zeit ohne Einkommen, das wenn möglich wieder zurückgezahlt werden muss.

Aargau kommt gut weg

Der Aargau kommt im Vergleich mit anderen Kantonen aber immer noch gut weg. Mit einer Sozialhilfequote von 1,9 Prozent liegt er klar unter dem Bundesschnitt von 2,9 Prozent (Zahl von 2010). Breitschmid führt dies auf die ländliche Struktur des Kantons zurück mit keinen grossen Städten wie Zürich oder Bern. Einige Kleinstgemeinden wie Olsberg im Fricktal weisen gar keine Sozialhilfebezüger aus.

Kantonal die höchste Sozialhilfequote haben die Gemeinden Aarburg und Neuenhof mit 4,6 Prozent. Somit ist fast jeder 20. Einwohner sozialhilfeabhängig. Mit ein Grund ist der hohe Ausländeranteil. Dieser liegt bei beiden Gemeinden weit über dem kantonalen Durchschnitt von 22,8 Prozent: Aarburg hat 41,8, Neuenhof sogar 47,3 Prozent Ausländer.

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