Reitnau

Sozialdirektorin Hochuli nimmt auf ihrem Hof drei Asylsuchende auf

Die oberste politische Asylchefin im Kanton Aargau nimmt höchstpersönlich etwas Druck aus dem Asylwesen: Seit knapp drei Wochen leben auf dem Hof von Susanne Hochuli drei Asylsuchende aus Angola.

Der Druck im Asylwesen ist so gross, dass der kantonale Sozialdienst Anfang Jahr mittels Inserat nach Mietobjekten für Asylbewerber suchte. Jetzt nimmt die oberste politische Asylchefin höchstpersönlich etwas Druck weg:

Seit knapp drei Wochen lebt auf dem Hof von Sozialdirektorin Susanne Hochuli die junge Mutter Marcelina André Nsingui Gomes (29) mit ihren Kindern Bruna (7) und Ismael (2). Die drei stammen aus Angola und befinden sich im Asylverfahren.

Seit knapp einem Jahr leben sie in der Schweiz, nach den Sommerferien soll Tochter Bruna in Reitnau eingeschult werden. Hochulis Beweggründe sind einfach:

Weil die Gemeinde Reitnau lange vergeblich nach einer Liegenschaft für Asylsuchende gesucht hatte, habe sie sich dazu entschlossen, die Mietwohnung auf ihrem Hof zur Verfügung zu stellen.

«Als Sozialdirektorin habe ich auch mit den schwierigen Seiten des Asylwesens zu tun. Es ist wichtig, hinter den Akten immer wieder auch die Schicksale der Menschen zu sehen, die zu uns kommen», so Hochuli.

Susanne Hochuli betont, dass sie in erster Linie als Privatperson und nicht als Regierungsrätin gehandelt habe.

Susanne Hochuli betont, dass sie in erster Linie als Privatperson und nicht als Regierungsrätin gehandelt habe.

Es sei nicht an ihr, diese Lebensgeschichten zu werten. «Aber es ist eine positive Erfahrung, Marcelina und ihre Kinder hier zu haben.» Es sei ihr klar, dass sie als Regierungsrätin Privates und Amt nicht voneinander trennen könne.

In diesem Fall habe sie aber in erster Linie als Privatperson und nicht als Regierungsrätin gehandelt, sagte Hochuli gegenüber Tele M1, dem sie gestern ihre Geschichte erzählte. «Wir reden vom gesellschaftlichen Zusammenhalt, dass man füreinander einstehen und sich freiwillig engagieren sollte.»

Man solle doch als Politikerin nicht nur darüber reden, sondern dürfe als Privatperson auch entsprechend handeln.

Reitnau erfüllt nun Kontingent

Wer seine Liegenschaft für die Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung stellt, bekommt vom kantonalen Sozialdienst den marktüblichen Mietzins bezahlt.

Im Fall von Regierungsrätin Hochuli liegt dieser Mietzins laut Balz Bruder, Mediensprecher des Departements Gesundheit und Soziales, unter 1000 Franken pro Monat und damit - auf Hochulis Wunsch hin - unter dem marktüblichen Zinsniveau.

Dank dem Angebot von Susanne Hochuli erfüllt Reitnau nun das geforderte Kontingent des Kantons.

Dank dem Angebot von Susanne Hochuli erfüllt Reitnau nun das geforderte Kontingent des Kantons.

Das sei aber keine Ausnahme, die sie für die Asylbewerberfamilie mache, so Bruder. «Die Wohnung wurde bereits früher zu diesen Konditionen vermietet.» Mit ihrem Engagement entlastet Hochuli nicht nur den Sozialdienst, sondern auch ihre Wohngemeinde.

Weil Reitnau seine Aufnahmequote von drei Asylsuchenden bislang nicht erfüllen konnte, musste die Gemeinde dem Kanton eine Entschädigung von sieben Franken pro Person und Tag bezahlen.

Entsprechend glücklich ist auch Gemeindeammann Regina Lehmann-Wälchli mit der Unterbringung der Familie auf Hochulis Hof: «Das ist für alle eine gute Lösung.»

Regierungsrätin Susanne Hochuli nimmt drei Asylsuchende auf.

Regierungsrätin Susanne Hochuli nimmt drei Asylsuchende auf.

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