Wirtschaft

Sorgen wegen Fachkräftemangel, Zufriedenheit mit der Steuerbelastung – das sagen Aargauer Unternehmen

Die Aargauer Unternehmen schätzen die Standortqualität des Kantons mehrheitlich als gut ein. (Symbolbild)

Die Aargauer Unternehmen schätzen die Standortqualität des Kantons mehrheitlich als gut ein. (Symbolbild)

Laut der jährlichen Umfrage der Aargauischen Industrie- und Handelskammer sind die Firmen im Kanton grundsätzlich zufrieden mit der Steuerbelastung. Grössere Sorgen macht ihnen der Fachkräftemangel.

Im Rahmen der jährlichen Umfrage will die Handelskammer von den Aargauer Firmen auch wissen, wie sie den Kanton als Wirtschaftsstandort einschätzen. 16 Prozent der Teilnehmer stufen die Standortqualität im Aargau als sehr gut ein, 67 Prozent beurteilen sie als gut, weitere 17 Prozent als befriedigend. Zwei entscheidende Faktoren bei der Standortqualität, die auch separat erhoben werden, sind die Steuerbelastung für die Firmen und die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern.

Bei der Umsetzung der Unternehmenssteuerreform im Aargau gab es keine Steuersenkungen für Firmen, stattdessen sind höhere Abzüge für Forschung und Innovation möglich. Die steuerliche Belastung ist ein wichtiger Faktor der Standortqualität, sie spielt eine Rolle bei der Entscheidung von Unternehmen, wo sie sich ansiedeln. Im Index der Credit Suisse zur Standortqualität ist der Aargau vom dritten auf den vierten Rang abgerutscht – «Grund dafür ist, dass Basel mit der Anpassung seines kantonalen Steuergesetzes auf den ersten Platz gesprungen ist», sagt Ökonom Christoph Vonwiller.

Die Unternehmer im Aargau beurteilen die steuerliche Belastung für das laufende Jahr dennoch nur leicht kritischer, als jene für 2019: 1 Prozent sieht sie als sehr gut an, 32 Prozent betrachtet diesen Wert als gut, 58 Prozent finden die Steuerbelastung befriedigend, 7 Prozent beurteilen sie als schlecht, 1 Prozent als sehr schlecht.

Fachkräftemangel bereitet Sorgen

AIHK-Direktor Beat Bechtold wies indes darauf hin, dass mehrere Kantone ihre Unternehmenssteuern gesenkt hätten, oder dies noch bevorstehe. Die Handelskammer unterstütze einen Vorstoss von bürgerlichen Vertretern im Grossen Rat, der im November eingereicht wurde und tiefere Gewinnsteuern fordert. Zudem sei es fragwürdig, dass Unternehmen im Aargau einen Beitrag an den kantonsinternen Finanzausgleich leisten müssten.

AIHK-Direktor Beat Bechtold referiert über die Qualität des Standorts Aargau.

AIHK-Direktor Beat Bechtold referiert über die Qualität des Standorts Aargau.

Ein grösseres Problem als die Steuerbelastung ist für die Firmen im Aargau der Fachkräftemangel: Fast 20 Prozent der Firmen, die an der Umfrage teilnahmen, stufen die Situation als schlecht oder sehr schlecht ein. In der Industrie sei dieses Problem noch stärker ausgeprägt als im Dienstleistungssektor, zudem hätten Firmen in ländlichen Gebieten mehr Mühe, qualifiziertes Personal zu rekrutieren, als solche in den Zentren, sagte Bechtold. Der grösste Fachkräftemangel herrscht laut der Umfrage in der Pharma-, der Metall- und der Textilindustrie.

AIHK-Direktor Beat Bechtold über die Wirtschaftslage im Aargau

AIHK-Direktor Beat Bechtold im Tagesgespräch von TeleM1.

«Wir versuchen, das duale Bildungssystem zu stärken und zum Beispiel mit Wirtschaftswochen an Kantonsschulen bei Schülern das Interesse an der Industrie zu wecken», sagt Bechtold auf die Frage, was die AIHK dagegen tun könne. Zudem engagiere sich die Handelskammer in Kommissionen und anderen Gremien, die sich mit dem Fachkräftemangel beschäftigen. Und auf politischer Ebene setzt sich die AIHK für ein Nein zur Begrenzungs-Initiative der SVP ein, die am 17. Mai zur Abstimmung kommt. «Der Vorstand hat diese Parole bereits beschlossen, für uns ist klar, dass der bilaterale Weg ein Erfolgsmodell ist und die Personenfreizügigkeit unbedingt erhalten bleiben muss», sagte Bechtold.

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