Kirche

Sonntage künftig ohne Gottesdienst und Taufen in eigenen Gottesdiensten?

Gottesdienste sollen den Bedürfnissen angepasst werden.

Gottesdienste sollen den Bedürfnissen angepasst werden.

Die Reformierten Aargau diskutieren über ihre Zukunft und ein neues Rahmenkonzept. Denn die geltenden Bestimmungen der Aargauer Kirchenordnung zu Gottesdiensten und Taufen würden nicht mehr in die heutige Zeit passen.

Muss an jedem Sonntag ein Gottesdienst stattfinden oder kann er auch an einem Werktag sein oder gar ausfallen? Kann eine Taufe wie eine Trauung ausserhalb des Gemeindegottesdienstes mit der Familie an einem Bach gefeiert werden? In Arbeitsgruppen haben Pfarrerinnen, Sozialdiakone, Kirchenpfleger u. a. im reformierten Kirchgemeindehaus Lenzburg über die Zukunft von Gottesdienst, Taufe und Abendmahl in der reformierten Kirche diskutiert.

Gottesdienst zwölf Mal im Jahr unter der Woche

Die geltenden Bestimmungen der Aargauer Kirchenordnung zu Gottesdiensten und Taufen passten nicht mehr in die heutige Zeit, heisst es in einer Mitteilung der Reformierten Kirche Aargau. Kirchenrat Martin Keller wies in seiner Einleitung den Weg zu den Neuerungen: «Der Gottesdienst ist für die Menschen da und nicht die Menschen für den Gottesdienst.»

David Lentzsch, Fachstelle Gemeindeentwicklung der Landeskirche, präsentierte an der Tagung vom letzten Samstag zum ersten Mal die Vorschläge der kirchenrätlichen Arbeitsgruppe: Der Grundsatz, dass an jedem Sonn- und Feiertag ein Gottesdienst stattfinden muss, soll im Prinzip bleiben, aber die Kirchenpflege soll neue Kompetenzen bzw. Möglichkeiten erhalten: Der Gottesdienst kann zwölf Mal im Jahr nicht am Sonntag, sondern an einem Werktag stattfinden, drei Mal in besonderen Formen auch ohne Pfarrer oder Pfarrerin, und sechs Mal im Jahr kann ihn die Kirchenpflege mit einer Nachbargemeinde zusammenlegen.

Das wären immerhin 21 von 52 Sonntagen, an denen die Kirchgemeinden nicht mehr der Regel folgen müssten. Zum Abendmahl, das heute an mindestens an jedem Feiertag stattfinden muss, soll die Kirchenordnung nur noch festhalten, dass es mindestens sechs Mal im Jahr gefeiert werden muss. Die Kirchenpflege soll aber frei entscheiden können, an welchen Tagen.

Taufen im Kreise der Familie ermöglichen

Auch bei der Taufe will die Arbeitsgruppe den formellen Rahmen lockern: Taufen sollen im Rahmen eines speziellen Gottesdienstes mit der Tauffamilie und den Angehörigen und Freunden und nicht mehr nur im Gemeindegottesdienst stattfinden können.

Der Kirchenrat möchte noch in dieser Amtsperiode ein Rahmenkonzept für Gottesdienste erstellen, mit dem die Kirchgemeinden ihr Gottesdienstangebot, die Einförmigkeit oder Vielfalt, kritisch sichten und überprüfen können, sagte Jürg Hochuli, Bereichsleiter Gemeindedienste.

Das Ergebnis der Umfrage, die unter den Teilnehmenden durchgeführt wurde, soll der Arbeitsgruppe und dem Kirchenrat bei der weiteren Arbeit an der Kirchenordnungsrevision und am Rahmenkonzept Gottesdienst wichtige Hinweise geben. Je nach Eindeutigkeit der Antworten kann sich zu einzelnen Fragen eine Vernehmlassung bei allen Kirchgemeinden zu den geplanten Änderungen der Kirchenordnung aufdrängen oder als nicht notwendig erweisen.

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