Kölliken

Sondermülldeponie Kölliken: Von der Giftgrube zum Naturparadies

Sie plädieren für ein Naturschutzgebiet anstelle der ehemaligen Sondermülldeponie: Rudolf Bohner, Martin Bossard, Johannes Jenny und Ulysses Witzig (v.l.)

Sie plädieren für ein Naturschutzgebiet anstelle der ehemaligen Sondermülldeponie: Rudolf Bohner, Martin Bossard, Johannes Jenny und Ulysses Witzig (v.l.)

Wenn in rund 5 Jahren die Sanierung der Sondermülldeponie in Kölliken abgeschlossen ist, soll das ganze Areal ein unüberbaubares Naherholungs- und Naturschutzgebiet werden. Dies schlägt die Pro Natura Aargau vor.

Das Ende der Sanierung naht. Bisher sind rund 540000 Tonnen Sondermüll aus der ehemaligen Deponie in Kölliken abtransportiert worden; der Zeitplan sieht vor, dass in zwei Jahren die Halle abgebrochen wird und die Rekultivierung des rund acht Hektaren grossen Geländes beginnt.

Doch was soll künftig mit dem Areal geschehen? Bereits machten allerlei Ideen und Spekulationen die Runde. So wurde vorgeschlagen, die riesige Halle könnte zur Indoor-Skianlage umfunktioniert werden oder zum Konzerttempel für DJ Bobo, der ja aus Kölliken stammt. Über solche Fantasien kann Gemeindeammann Fredy Gut nur lachen. «Die Halle kommt weg», sagt er, «sie ist nicht für eine andere Verwendung geeignet. Zudem ist das Areal nicht in der Bauzone.» 

Der letzte weisse Fleck

Oder ganz präzis: Das Deponieareal ist ein weisser Fleck auf dem Zonenplan. Es gehört bisher zu gar keiner Zone – als einziges Gebiet im ganzen Aargau. Für Pro Natura Aargau ist klar: Das ehemalige Deponiegelände soll zur Zone für nachhaltige Landwirtschaft und Naturerlebnis werden. Gestern hat sie einen entsprechenden Vorschlag präsentiert.

Unterstützung findet Pro Natura bei den lokalen Umweltorganisationen «Umweltforum Kölliken» und «Bäretatze – Grüne Kölliken». Gemeinsam wollen die drei Organisationen erreichen, dass das ehemalige Depotareal an die Natur und die Bevölkerung zurückgegeben werde, erklärte Pro Natura–Geschäftsführer Johannes Jenny an einer Medieninformation vor dem Deponiegelände.

«Neben Erholungsräumen für Mensch und Natur sollen Naturerlebnisse und eine ökologisch nachhaltige, extensive landwirtschaftliche Nutzung mitten in Kölliken ihren Platz finden» beschrieb Jenny die Grundidee.

Die zukünftigen Besucher sollen an einem ruhigen Ort, der zum Verweilen und Beobachten einlädt, neue Kräfte tanken können. Kinder sollen einen interessanten Tummelplatz finden.

Der Natur- und Spielpark soll auch ein Lehrgebiet werden, das Informationen zu Natur und Umwelt bietet und Schulklassen und Gruppen für Exkursionen und Umweltbildung zur Verfügung stehen.

Kommt dazu, dass das Areal der ehemaligen Sondermülldeponie früher ein bedeutendes Amphibienlaichgebiet war – und das soll es auch wieder werden. Jedenfalls, wenn es nach der Projektskizze geht, die Ulysses Witzig von der creaNatira verfasst hat.

Zu früh oder gerade richtig?

«Nach der 40-jährigen Belastung durch die Deponie hat die Bevölkerung eine Belohnung verdient», sagte Martin Bossard, Präsident der «Bäretatze – Grüne Kölliken». Die kombinierte Nutzung des Areals von Naherholung, Landwirtschaft und Naturschutz wie sie Pro Natura vorschlage, sei ideal.

Das Projekt sei ein guter Vorschlag, aber selbstverständlich noch nicht fertig ausgereift. Es soll nun gemeinsam mit den Einwohnerinnen und Einwohnern weiter entwickelt werden. Eine Zonenplanrevision brauche Zeit, dauere mehrere Jahre.

Deshalb komme der Vorschlag keineswegs zu früh. Und an die Adresse der Gemeinde gerichtet: «Wir erwarten, dass der Gemeinderat an der nächsten Gemeindeversammlung einen Kredit zur Zonierung des Areals vorlegt.»

Gemeindeammann Fredy Gut hielt dem entgegen, dafür sei es jetzt noch viel zu früh. Rückbau und Auffüllung dauerten noch mindestens acht Jahre. Zudem gehöre das Gelände gar nicht der Gemeinde Kölliken. Einig aber waren sich Gemeinde und Naturschützer, dass die ehemalige Deponie wohl kaum zur Bauzone wird.

Unklar ist zudem, wem das Gelände künftig gehört. Bleibt es im Besitz des Konsortiums Sondermülldeponie? Geht das Areal an den Kanton? An die Gemeinde Kölliken? Pro Natura, inzwischen die grösste private Grundeigentümerin im Kanton, hat auch hier ihr Interesse angemeldet.

Allerdings trägt der zukünftige Besitzer das finanzielle Risiko, falls etwa weitere Altlasten zum Vorschein kommen oder der wiederaufgefüllte Hang Probleme verursacht. Genau so unklar ist die Finanzierung des Projektes. «Deshalb ist es richtig, bereits jetzt die Nachnutzung konkret zu planen,» sagt Martin Bossard.

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