Wer in die Schweiz flüchtet, lernt schnell, wie Abfall getrennt wird. Sexualkunde hingegen ist in den Integrationskursen kaum ein Thema. Der Aargau arbeitet zwar seit fünf Jahren mit der Aids-Hilfe zusammen, die mittlerweile in den Verein Sexuelle Gesundheit Aargau (Seges) integriert worden ist.

Der Fokus liegt im Asylbereich aber auf der Schulung der Betreuungspersonen in den kantonalen Unterkünften, sagt Pia Maria Brugger, Leiterin Asyl beim Departement Gesundheit und Soziales.

Zudem hat der Kanton letztes Jahr zum ersten Mal zusammen mit Seges Sexualkundekurse in den Unterkünften für unbegleitete minderjährige Asylsuchende durchgeführt. «Dieses Jahr sind weitere Workshops geplant», sagt Brugger. Die Kurse leiten Sexualpädagoginnen und -pädagogen von Seges. Ausserdem sind Dolmetscher anwesend. Die Kosten übernimmt der Kanton.

Freiwillige helfen Freiwilligen

Das Angebot beschränkt sich aber auf minderjährige Flüchtlinge. In den Unterkünften für Erwachsene hat der Kanton bis jetzt keine Sexualkundekurse organisiert. Im Rahmen eines Swisslos-Fonds-Projekts seien in einzelnen Erwachsenenunterkünften Module geplant, sagt Brugger. «Andere, flächendeckende Aktivitäten sind zurzeit keine in Planung und auch nicht budgetiert.»

Hier springen einmal mehr verschiedene Freiwilligenorganisationen aus dem Asylbereich in die Bresche. Sexualpädagogen von Seges haben schon Deutschklassen des Vereins Netzwerk Asyl besucht. Finanziell geht diese Rechnung aber nicht immer auf. «Oftmals helfen Freiwillige Freiwilligen», sagt Seges-Geschäftsleiter Michael Ganz.

Vorstoss angekündigt, aber ...

Im Gegensatz zum Aargau sind Sexualkundekurse im Wallis für alle Flüchtlinge Pflicht. Die Walliser machen damit gute Erfahrungen, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Als Reaktion auf den Artikel forderte die Basler SP-Nationalrätin Silvia Schenker, solche Kurse sollten in allen Kantonen angeboten werden, und kündete an, einen Vorstoss einzureichen. Das hat sie bis jetzt nicht gemacht.

Auf Anfrage der AZ sagt Schenker: «Ich bin immer noch der Meinung, dass solche Kurse sehr sinnvoll sind, bin aber zum Schluss gekommen, dass ich mit einem Vorstoss diesbezüglich nichts erreichen würde.»

Auch SP-Grossrätin Lea Schmidmeister gibt zu bedenken, dass «Projekte im Zwangskontext strukturell wohl nicht so einfach aufzugleisen» seien. Als Präsidentin des Kafi Royal, eines Treffpunkts für Asylsuchende in Baden, ist sie überzeugt, dass der Bedarf nach Sexualkundekursen da wäre. Sie sähe in den Treffpunkten im Freiwilligenbereich ein Potenzial. «Da ist bereits eine Vertrauensbasis vorhanden.» Schmidmeister könnte sich gut vorstellen, im Kafi Royal Workshops von Seges anzubieten. «Nur haben wir kein Budget dafür.»