Kinder sind laut - und das nicht erst seit gestern. Lärmklagen von Anwohnern von Kinderspielplätzen nehmen im Kanton Zürich jedoch zu, berichtet der «Tagesanzeiger». Zürcher Kinderbeauftragte gelangen nun an die Regierung. Der Aargauer Politiker und Grossrat Ivica Petrusic, der Geschäftsführer beim Dachverband für Kinder- und Jugendarbeit Okaj im Kanton Zürich ist, setzt sich dafür ein, dass Kinderlärm unter Schutz gestellt wird. Petrusic hatte im Aargau für Kontroversen gesorgt, als er die Abschaffung des Schweizer Kreuzes forderte oder den Schweizerpsalm modifizierte. Jetzt will er, dass künftig keine Klagen mehr gegen den Lärm spielender Kinder möglich sind.

Robert Schuster von der Fachstelle Jugend Aargau ist auch der festen Meinung: «Kinder und Jugendliche brauchen ihre öffentliche Orte, wo sie sich treffen und austauschen können.» Er weiss von Beschwerden wegen Lärmbelästigungen im Zusammenhang von Spielplätzen und Schulanlagen. «So weit wir wissen, brennt das Thema im Aargau jedoch nicht», gibt er zu Bedenken. Die Probleme tauchten immer wieder punktuell auf und sie versuchen den Dialog zwischen Jung und Alt zu unterstützen, so dass die öffentlichen Räume genutzt werden.

Gemeinden regeln Lärmvertrag

Vor zwei Jahren ging ein Aargauer Beschwerdefall sogar vor Bundesgericht. Nachbarn des Kantonsspitals Aarau haben sich über den Lärm aus der Kinderkrippe «Zwärglihuus» beschwert. Kinder der Spitalmitarbeiter wurden dort betreut. Das Bundesgericht hat die Beschwerde abblitzen lassen: Obwohl die Kinderkrippe in einer Wohnzone ist, würden sich Kinder auch dort natürlicherweise im Freien aufhalten und spielen. Also müsse der Lärm auch in Wohnzonen hingenommen werden.

Ester Elsener von der Fachstelle für Kinderbetreuung kennt vereinzelte Fälle, wo Initiantinnen von Kindertagesstätten ihr Projekt sein lassen mussten, weil die Nachbarschaft von Anfang an dagegen war. Aber meist wird das Umnutzungsgesuch von der zuständigen Gemeinde angenommen. «Die Problematik hat unseres Wissens im Aargau nicht erste Priorität», erzählt Elsener. Meistens werden die Probleme im Gespräch mit den Nachbarn gelöst und es kommt zu Vereinbarungen.

Abmachungen, wie beispielsweise der Verzicht aufs Spielen draussen über den Mittag und nach Fünf Uhr, oder der Verzicht auf besonders lärmende Gartenspielwaren wie knatternde Reifen von Plastikautos. Dies im Falle einer Kinderkrippe in Würenlos. Es ist die Gemeinde, die zum Vertrag vermittelt. Darin wird manchmal auch eine klare Anzahl der Dezibel festgelegt, die zumutbar ist. In einer Industriezone darf der Geräuschpegel etwa an den eines Presslufthammers herankommen. Es überrascht, aber Kinder nähern sich dieser Lautstärke durchaus an.

Deutschland ist Schritt voraus

Besonders heikel ist der Kinderlärm, wenn die Schule gleich neben dem Friedhof steht, wie es etwa der Fall in Zeiningen ist. «Bei Beerdigungen müssen die Kinder während der Pausen besonders rücksichtsvoll sein», so Schulleiter Balz Wiederkehr.

Ein Bundesgesetz, das Kinderlärm regelt, gibt es in der Schweiz nicht. Anders in Deutschland, seit gut einem Jahr fällt der Lärm von Kindern nicht mehr unter Immissionen. Es heisst: «Geräuscheinwirkungen, die von Kindertageseinrichtungen, Kinderspielplätzen und ähnlichen Einrichtungen wie beispielsweise Ballspielplätzen durch Kinder hervorgerufen werden, sind im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung.» Die Basler Regierung hat im März 2011 einen Vorstoss aus dem Parlament abgewürgt, der gesetzlichen Schutz für Kinderlärm verlangt. Es bleibt abzuwarten, ob es Petrusic mit seinem Vorhaben besser ergeht.