Die BAP wurde in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre «erfunden». Zuvor entschieden Aufnahmeprüfungen der weiterführenden Schulen über die Fortsetzung des Bildungsweges. Zwischenzeitlich gab es, bei Erreichen eines bestimmten Notenschnitts, auch prüfungsfreie Übertritte. Die BAP entscheidet, so das Volksempfinden, über den weiteren Weg der jungen Menschen: Mit einem Notenschnitt von 4,0 ist die Prüfung bestanden, mit 4,4 öffnet sich das Tor zur Fach-, Wirtschafts- oder Informatik-Mittelschule, mit 4,7 jenes zum Gymnasium.

Doch der Eindruck täuscht:Eine separate Prüfung gibt es nur in drei Fächern: Deutsch, Mathematik (je schriftlich) und Französisch (schriftlich und mündlich). Für das Abschlussattest zählen auch beide Zeugnisse der 4. Klasse, das heisst die Erfahrungsnoten in sämtlichen promotionswirksamen Fächern. Die BAP zählt damit gerade mal mit einem Anteil von drei Elfteln. Der Rest stammt aus der Langzeit-Beurteilung.

Nun regt sich Widerstand gegen die BAP. So hat sich etwa der Rektor der Kantonsschule Baden, Hans Rudolf Stauffacher, in einem Interview mit der az Aargauer Zeitung dezidiert für die Abschaffung der BAP und die Einführung des Empfehlungsverfahrens – analog zum Übertritt von der Primar- an die Oberstufe – ausgesprochen. Sein Kollege von der Kanti Wohlen, Franz Widmer, formuliert es so: «Die BAP scheint mir mit der Doppelfunktion Abschluss- und Übertrittsprüfung überfordert. Dass die Bezirksschulen mit der Schlussprüfung eine Art kantonale Eichung vornehmen, ist sicher sinnvoll. Hingegen kann ich mir für den Übertritt ein Prognoseverfahren ohne Prüfung gut vorstellen.

Auch die Bezirksschulen sind dafür

Noch wichtiger als für die abnehmenden Mittelschulen ist die BAP-Frage für die Bezirksschulen selber. Und von hier kommt das bisher deutlichste Signal des Widerstandes: Nach Auskunft von Renate Hoffmann, Schulleiterin der Bez Baden, haben die fünf Bezirksschulen der Region – Baden, Mellingen, Obersiggenthal, Spreitenbach und Wettingen – in einem Brief an das Bildungsdepartement eine Änderung der jetzigen Situation, eventuell auch die Abschaffung der BAP gefordert. Und zwar möglichst bald. «Unser Hauptargument: Im Februar des Abschlussjahres wissen unsere Schülerinnen und Schüler neuerdings, ob sie provisorisch in die Mittelschule aufgenommen sind», erklärt Hoffmann. «Falls ja, dann ist die Bez für sie gelaufen, sie drosseln ihre Anstrengungen spürbar.»

Ist da die Abschlussprüfung nicht gerade ein Gegenmittel? «Nein. Für alle, die an die Mittelschule gehen, und das sind bei uns 90 Prozent, macht die BAP kein Tor auf und keines zu. Wer auch den Schnitt für die Fach- oder Wirtschaftsmittelschule verpasst, kann nach der BAP die Aufnahmeprüfung für die WMS machen. Und besteht sie garantiert, denn sie ist auf das Niveau der 4. Sek ausgerichtet.» Renate Hoffmann findet, ohne BAP könnte das zweite Semester der 4. Bez viel sinnvoller genutzt werden: «Wir könnten bis zum Schluss Schule halten. Und wir könnten zum Beispiel ein Abschlussprojekt machen.» Und wie hat das BKS auf den Brief geantwortet? Hoffmann: «Vor der Umstellung auf die dreijährige Oberstufe und vor der Einführung der neuen Leistungschecks rühre man das Thema nicht an.»

Das BKS ist noch zurückhaltend

Christian Aeberli, Chef der Abteilung Volksschule im Bildungsdepartement, bestätigt: «Wir sind an der Vorbereitung zur etappierten Einführung von flächendeckenden Leistungschecks an allen Oberstufenzügen.» In Planung sind ein Check S2 gegen Ende des zweiten sowie ein Check S3 am Ende des dritten – dannzumal letzten – Oberstufenjahres ab 2015/16. Könnte der Check S3 also die BAP ersetzen? Aeberli: «Nein. Er ist eine Abschlusszertifizierung, keine Übertrittsprüfung. Richtig ist aber, dass wir auf seine Einführung hin die Übertrittsregelungen neu definieren müssen.» Weiss man schon, in welche Richtung – also doch BAP-Abschaffung per 2016?

Aeberli: «Dazu können wir noch nichts sagen.» Er bestätigt aber, dass die BAP ein «Unikum» sei, das weder in benachbarten Kantonen, noch an anderen Stufen der Schule Aargau vorkomme – und dass ihre Durchführung «sehr aufwendig» sei. «Primäres Ziel ist, dass wir den weiterführenden Schulen und Lehrbetrieben zuverlässige Informationen liefern über den Wissensstand der Schulabgänger.»

Eine Umfrage zur BAP bei Mitgliedern der grossrätlichen Bildungskommission ergibt ein uneinheitliches Bild. «Ja, abschaffen», sagt Sekundarlehrer und SP-Grossrat Thomas Leitch (Wohlen). Eine solche «Abfrage-Prüfung» sei nicht mehr zeitgemäss, besser wäre eine Projektarbeit. Oder eben das Empfehlungsverfahren mit einer Probezeit in der Mittelschule. Zudem stört den Sek-Lehrer die Ungleichbehandlung zwischen den Leistungszügen: «Sekundarschüler können sich nicht mittels Prüfung direkt für eine Mittelschule qualifizieren.» Hans Ulrich Bühler (FDP, Stein) ist ebenfalls für Abschaffung: «Die Übernahme des Fricktaler Modells für den ganzen Kanton, das heisst die Vorinformation über einen Mittelschuleintritt bereits im Februar, hat die BAP entwertet. Und die Einführung von Leistungschecks auch an der Oberstufe entwertet sie weiter.»

Prüfung gehröt zur Erziehung

Gegenteiliger Ansicht ist Richard Plüss (SVP, Lupfig): «Die Abschaffung von Prüfungen und Noten ist ein Trend, um den Jugendlichen Hürden aus dem Weg zu räumen. Ich finde das falsch.» Die Viertbezler wüssten um die Anforderungen der BAP und könnten sich darauf vorbereiten. Plüss stört sich auch nicht an der Ungleichbehandlung: «In der Bez werden die Weichen für die höhere Bildung gestellt, hier diese Prüfung zu verlangen, ist richtig.» Ins gleiche Horn stösst Hans-Ruedi Hottiger (CVP-BDP, Zofingen): «Ich bin durch den Sport geprägt. Das Leben bringt immer wieder Prüfungssituationen. Es gehört zur Ausbildung und Erziehung junger Menschen, auf einen Tag X hin bereit und konzentriert zu sein. Später folgen die Lehrabschlussprüfung oder die Matur – auch Prüfungen zu bestehen, kann und muss man lernen. Deshalb würde ich diese BAP unbedingt bestehen lassen.»