Grosser Rat

Solarenergie soll im Aargau eine zentrale Rolle spielen, aber...

Die SP will voll auf Solarenergie setzen.

Die SP will voll auf Solarenergie setzen.

Die SP-Fraktion des Grossen Rates will mit einer Solaroffensive das Potenzial auf den Hausdächern voll ausschöpfen, doch der Regierungsrat ist skeptisch.

Mit einer Motion will die SP-Fraktion des Grossen Rates die Regierung beauftragen, eine Solarstrategie und einen konkreten Massnahmen- und Zeitplan auszuarbeiten. Sie soll aufzeigen, wie man das Solarpotenzial im Aargau nutzen kann. Dieser Plan soll das Solar- Zubauziel des ganzen Kantons (2,8 Terawattstunden TWh/ Jahr) und der Eigenproduktion auf kantonalen und kommunalen Gebäuden konkretisieren. Zwar berechne der Kanton Aargau das Potenzial gleich wie die SP, hält diese in ihrem Vorstoss fest. Bei der heutigen Zuwachsrate würde es aber über 100 Jahre dauern, bis dieses erreicht ist», kritisiert die Partei in ihrem von Gabriela Suter vertretenen Vorstoss.

Regierung: Sonnenenergie wird zentral, aber ...

Doch was heisst überhaupt «1 TWh»? Sie entspricht einer Milliarde Kilowattstunden. Ein Durchschnittshaushalt benötigt jährlich 4500 Kilowattstunden (kWh). Mit einer Milliarde kWh kann man also 222 000 Durchschnittshaushalte mit Strom versorgen, sofern dieser dann zur Verfügung steht, wenn er gebraucht wird. Zum Vergleich: Das AKW Beznau im unteren Aaretal produziert jährlich rund 5 TWh Strom.

In ihrer – ablehnenden – Antwort schickt die Regierung voraus, die sinnvolle Nutzung der Solarenergie spiele künftig eine zentrale Rolle. Sonnenenergie weise langfristig das höchste Potenzial aller erneuerbaren Energien in der Schweiz aus. Der Aargau stütze denn auch deren Ausbau.

Die Regierung relativiert allerdings das von der SP aufgenommene Potenzial von 2,8 TWh/Jahr allein im Aargau. Damit seien «alle Dächer berücksichtigt, welche aufgrund der Einstrahlungswerte mit gut oder sehr gut bewertet wurden, berücksichtigt». Die 2,8 TWh entsprächen damit «einer oberen Grenze». Dies entspreche knapp 60 Prozent des Stromverbrauchs im Kanton.

Nur mit einschneidenden Massnahmen möglich?

Die kantonale Energiestrategie rechnet aber bis 2035 «nur» mit 1,1 TWh (ohne Wasserkraft), schreibt die Regierung. Eine mittelfristige Realisierung des Potenzials aller geeigneten Dachflächen sei aus rein technischer Sicht grundsätzlich sehr wohl möglich. Der Einbau einer Solaranlage erfolge aber «in der Regel zusammen mit einer Dachsanierung». Dies reduziere für die Hausbesitzer die Gestehungskosten erheblich. Der Regierungsrat glaubt deshalb, dass «ohne einschneidende gesetzliche Bestimmungen ein rascher, flächendeckender Ausbau nicht realistisch» sei. Ein sehr schneller Ausbau der Photovoltaikleistung ohne langfristige Netz- integration habe zudem aus Sicht der Versorgungssicherheit nicht nur Vorteile. Deshalb will die Regierung am Ziel von 1,1 TWh bis 2035 festhalten.

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