Das sagt die Kantonsärztin
«Solange die Grippewelle anhält, lohnt sich eine Impfung noch»

Die Schwelle zur Grippeepidemie wurde überschritten. Die stellvertretende Kantonsärztin Maria Inés Carvajal gibt Auskunft über die Situation im Aargau.

Sarah Serafini
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Maria Inés Carvajal empfiehlt Risikopatienten eine Impfung.

Maria Inés Carvajal empfiehlt Risikopatienten eine Impfung.

Susi Bodmer/key

Die Zahl der Grippefälle ist stark angestiegen. Die Epidemieschwelle ist erreicht. Kann man sich jetzt mit einer Grippeimpfung noch vor einer Erkrankung schützen?

Maria Inés Carvajal: Ja, solange die Zahl der Grippefälle weiter steigt, ist das angebracht. Zu bedenken gilt es aber, dass der Körper etwa zwei Wochen braucht, bis er den Impfschutz vollständig aufgebaut hat.

Wem raten Sie besonders, sich jetzt noch impfen zu lassen?

Risikopersonen sollten sich schützen. Dazu gehören Menschen, die an einer chronischen Krankheit leiden, über 65-Jährige, Schwangere, Frühgeburten und Patienten in Pflegeheimen.

Dieses Jahr hat der Impfstoff eine schlechtere Wirksamkeit als in anderen Jahren. Bringt eine Impfung überhaupt etwas?

Die momentane Impfung schützt vor drei Typen von Grippeviren. Für einen davon ist die Wirksamkeit des Impfstoffes tiefer. Gegen die anderen zwei Viren hilft eine Impfung gut.

Wie kann es sein, dass dieses Jahr der Wirkstoff der Impfungen weniger gut ist als letztes Jahr?

Jedes Jahr wird untersucht welche Grippeviren derzeit am häufigsten vorkommen. Im Februar gibt die Weltgesundheitsorganisation, WHO, eine Empfehlung an die Impfstoffhersteller ab. Die Hersteller konzipieren die Impfstoffe nach den Empfehlungen. Da sich die Grippeviren ständig verändern, ist es normal, dass der Wirkstoff manchmal besser und manchmal weniger gut ist.

Vor einem Jahr gab es im Kanton nur 12 gemeldete Fälle von Influenza. In diesem Jahr wurden seit dem 5. Januar 161 Fälle gemeldet. Ist das Grippevirus dieses Jahr besonders aggressiv?

Nein, das Grippevirus ist nicht unbedingt aggressiver. Es gibt ganz viele verschiedene Influenza-Viren. Darum muss man sich auch jedes Jahr wieder aufs Neue impfen. Dass die Zahl der Grippefälle jetzt höher ist als 2014 liegt eher daran, dass wir damals einen sehr milden Winter hatten.

Viele klagen derzeit über laufende Nasen und Husten. Ab wann ist eine Grippe eigentlich eine richtige Grippe?

Grippepatienten bekommen plötzliches Fieber, haben Muskel- und Gelenkschmerzen, klagen über Kopfschmerzen, können nicht essen. Ganz typisch ist auch Schüttelfrost. Wer eine Grippe hat, der ist wirklich krank und fühlt sich elend.

Ab wann sollte bei einer Grippe der Arzt aufgesucht werden?

Risikopatienten sollten bei starken Beschwerden den Arzt aufsuchen, wenn sie sich mit einem Influenza-Virus anstecken. Allen anderen rate ich, erst nach einer Woche zum Arzt zu gehen, falls dann die Symptome nicht abgenommen haben. Eine normale Grippe dauert etwa zwei Wochen, bis sie vollständig ausgeheilt ist. Aber nach einer Woche sollte man sich allmählich wieder besser fühlen.

Was können Grippepatienten tun, die es voll erwischt hat?

Das Bett hüten. Ruhe ist wichtig und viel zu trinken. Fiebersenkende oder schmerzlindernde Medikamente machen das Leiden erträglicher. Ansonsten können sie nicht viel tun.

Ab wann sollte man zu Hause bleiben?

Ab dem Zeitpunkt, wo man sich krank fühlt. Wer niesend und hustend im Büro herumläuft, gefährdet die Kollegen. Wer krank ist, muss sich ausruhen, sonst wird der Körper umso mehr strapaziert und die Genesung dauert länger.

Derzeit liegen 26 Personen mit Grippe im Kantonspital Aarau. Was sind das für Menschen, die aufgrund einer Grippe stationär behandelt werden müssen?

Das werden wahrscheinlich vor allem ältere Menschen und solche mit chronischen Krankheiten sein.

Wie gross ist heutzutage das Risiko, an einer Grippe zu sterben?

Beim sonst gesundem Patienten klein. Trotzdem gibt es in der Schweiz jährlich zwischen 1000 und 5000 Spitaleinweisungen aufgrund einer Grippe. Davon kann es bis zu 1500 Todesfällen pro Jahr kommen. Das betrifft aber insbesondere ältere Menschen.