Prozess in Zofingen
Sohn der getöteten Rentnerin: «Manchmal ertrage ich es besser, manchmal schlechter»

Am Dienstag wurde der Chauffeur, der vor einem Jahr eine Rentnerin erfasste und über 500 Meter mitschleifte, verurteilt. Die Gerichtsverhandlung wurde von emotionalen Momenten begleitet. Erstmals äusserte sich der Sohn der getöteten Rentnerin vor der Kamera zum tragischen Unfall.

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«Ich fahre fast täglich an der Unfallstelle vorbei», sagte Ruedi Geissbühler nach der Urteilsverkündung am Dienstag zum Regionalsender Tele M1. Es war das erste Mal, dass sich der Sohn vor der Kamera zum tragischen Unfalltod der Rentnerin äusserte.

«Manchmal ertrage ich es besser, manchmal schlechter», sagte Geissbühler, den Tränen nahe. «Den Gedanken, was hier passiert ist, hat man immer im Hinterkopf. Das bringt man nicht weg.»

Groll gegenüber dem LKW-Chauffeur hat Geissbühler aber nicht. «Am Anfang war die Wut natürlich gross», erklärte er. «Nach den Abklärungen der Polizei musste man aber feststellen, dass das alles sehr tragisch war, was an jenem Tag passiert ist.»

Bereits vor der Urteilsverkündigung kam es vor dem Gerichtssaal zu bewegenden Szenen. Der von der Verhandlung gezeichnete Chauffeur entschuldigte sich unter Tränen bei der Opfer-Familie. Diese nahm den Mann tröstend in die Arme.

Der 47-jährige Chauffeur hatte am 24. März 2015 an einer unübersichtlichen Kreuzung eine 79-jährige Rentnerin erfasst und über eine Strecke von 500 Metern unbemerkt mitgeschleift. Am Dienstag wurde er vom Bezirksgericht dafür verurteilt.

Am 24. März 2015 kam bei einem Unfall in Zofingen eine Frau ums Leben.
6 Bilder
Die Frau wurde an einer unübersichtlichen Kreuzung von einem LKW erfasst und eingeklemmt.
Dann wurde sie vom Lastwagen zirka 500 Meter weit mitgeschleift.
Die 79-jährige Rentnerin verstarb noch auf der Unfallstelle.
Mitschleif-Unfall in Zofingen
Der 47-jährige Chauffeur bemerkte den Unfall nicht. Das Bezirksgericht Zofingen verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 100 Franken (10 000 Franken), bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von 300 Franken

Am 24. März 2015 kam bei einem Unfall in Zofingen eine Frau ums Leben.

Raphael Nadler

Mit 100 Tagessätzen à 100 Franken (10'000 Franken) bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren und einer Busse von 300 Franken lag das Strafmass unter der Forderung der Staatsanwaltschaft (die az berichtete). «Ich muss Ihnen keinen Denkzettel erteilen», begründete die Gerichtspräsidentin die Strafmilderung. «Sie sind mit diesem Unfall bestraft genug.»

Obwohl die Familie noch immer sehr unter dem Verlust leidet, war sie es, die Kontakt zum Unfallfahrer aufgenommen hatte. Unter Tränen schilderte dieser der Richterin das erste von mehreren Telefongesprächen: «Sie haben sich nach meinem Wohlbefinden erkundigt und mich nicht mit Vorwürfen eingedeckt.»

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