Kräfte bündeln

So wollen die Kantone Aargau und Solothurn gemeinsam den Tourismus-Markt aufmischen

Der Aargau ist ein Schlösserkanton – und die können sich sehen lassen.

Der Aargau ist ein Schlösserkanton – und die können sich sehen lassen.

Touristisch sind die beiden Mittellandkantone kleine Nummern. Jetzt bündeln sie ihre Kräfte, wollen künftig gemeinsam auftreten und ein grösseres Stück vom Kuchen holen.

Seit 2015 ist der Kanton Aargau offiziell eine eigene Tourismusregion in der Schweiz. Lange hatte man im Aargau dafür gekämpft, um bei Schweiz Tourismus eigenständiger auftreten zu können und damit von potenziellen Besucherinnen und Besuchern besser wahrgenommen zu werden. Doch ab Anfang 2021 will Aargau Tourismus mit Solothurn Tourismus zusammen- gehen. Aber warum eigentlich, wird damit nicht der eigenständige Auftritt wieder verwässert?

Aargau-Tourismus-Geschäftsführerin Andrea Portmann verneint. Dass man sich seit 2015 endlich als Kanton eigenständig profilieren kann, bewähre sich sehr: «Der Aargau wird seither touristisch viel besser wahrgenommen.» Dank der Zusammenarbeit mit Solothurn könne man künftig Synergien nutzen, zum Beispiel gemeinsam Tools und Konzepte entwickeln: «Und wir haben beide noch Potenzial beim Dachmarketing. Es ist eine grosse Chance für uns, das Mittelland bei unseren Auftritten interkantonal, national und international zu stärken.»

Diese fünf Aargau-Tipps für Solothurnerinnen und Solothurner gibt Andrea Portmann:

Olten schon länger Partner von Tourismus Aargau

Beide Organisationen bleiben selbstständig, betont Portmann. Es werde keinen neuen Namen und keinen gemeinsamen Verwaltungsrat geben. Man habe aber die Anfrage aus Solothurn zusammen mit dem Verwaltungsrat und mit dem Kanton (mit dem eine Leistungsvereinbarung besteht) geprüft, und sei zu einem positiven Schluss gekommen, sagt die Geschäftsführerin. Die Details der Zusammenarbeit werden jetzt ausgearbeitet. Ganz neu sei das ja nicht, sagt Portmann: «Die nahe Region Olten war von Anfang an einer unserer touristischen Partner. So sind auf unserem Veranstaltungskalender auch Ange- bote aus Olten integriert.»

Portmann erwartet dank der Zusammenarbeit auch, besser gegenüber den grossen Tourismuskantonen wie Wallis, Graubünden und anderen bestehen zu können. Seit vier Jahren ist der Aargau allein unterwegs: «Das ist ein organisatorischer und finanzieller Kraftakt, der sich aber lohnt», so Portmann. Allerdings könne man mit Solothurn zusammen eine noch breitere Präsenz erreichen. Vieles spreche dafür, so Portmann: «Wir sind direkte Nachbarn, sind beide in der Jura-Wanderregion und durch die Aare verbunden. Beide haben wir wunderschöne Altstädte und Schlösser. Unsere verkehrlichen und touristischen Infrastrukturen fliessen ohnehin vielerorts ineinander. Jetzt wollen wir da ein Optimum herausholen.»

Das sieht der Geschäftsführer von Solothurn Tourismus, Jürgen Hofer, genauso. «Seine» Tourismusregion Stadt und Region Solothurn gehörte bis 2019 zur Tourismusregion Jura-Trois-­Lacs. Dort waren sie aber ein zu kleiner Player, um genug auf sich aufmerksam machen zu können, zudem brächten die Leute Solothurn nicht mit der Drei-Seen-Landschaft in Verbindung, also traten sie schliesslich aus. Hofer: «Aufwand und Ertrag stimmten für uns einfach nicht.» Doch allein schaffe man es nicht, so Hofer.

Diese fünf Solothurn-Tipps für Aargauerinnnen und Aargauer gibt Jürgen Hofer:

Deshalb suchten die Solothurner rundherum nach einem passenden Partner mit genug gemeinsamen Interessen. Dabei kam man schliesslich auf den Aargau – der ja bereits mit der Region Olten eng kooperiert. Hofer: «Wir haben viele Gemeinsamkeiten, können als vergleichsweise kleine Destinationen auf Augenhöhe miteinander reden und unsere Kräfte bündeln. Unser Ziel ist, wieder selber zu steuern und im für uns mit Abstand wichtigsten Markt – der Schweiz – unsere Sichtbarkeit zu erhöhen.»

Attraktiv für Wanderer und Velofahrer

Doch wie soll das konkret gehen? Aargau und Solothurn seien besonders attraktiv zum Beispiel für Wanderer und Velofahrer, sagt Hofer. Man könne die Routen noch besser verknüpfen, diese Produkte gemeinsam vermarkten und so die Gäste einander gewissermassen «weiterreichen». Zudem haben beide Kantone einen Naturpark, auch da könne man Synergien nutzen. «So können wir uns zusammen mehr Gewicht verleihen. Ich bin überzeugt, dass wir beide unser Potenzial je besser ausschöpfen können, auch mit gemeinsamen Auftritten für je gleich viel oder gar weniger Geld in den Kampagnen von Schweiz Tourismus.»

Ein erster Schritt ist getan. Ab sofort zählt das Bundesamt für Statistik bei den Übernachtungszahlen zur Tourismusregion Aargau auch die Stadt und Region Solothurn, Wasseramt, Bucheggberg, Lebern und Thal (Olten kooperiert schon länger mit dem Aargau) dazu. Für 2021 ist der nächste Schritt geplant. Ab dann will der Kanton Solothurn, dannzumal inklusive dem derzeit noch fehlenden Schwarzbubenland, mit dem östlichen Nachbarn unter dem neuen Namen Ferienregion Aargau- Solothurn durchstarten.

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