Die Reformierte Landeskirche Aargau möchte die Prävention im Bereich der sexuellen Übergriffe verstärken. Der Kirchenrat beantragt der Synode, dass per 1. Januar 2019 alle Angestellten, die mit Kindern, Jugendlichen und Personen in Abhängigkeitsverhältnissen zu tun haben, eine obligatorische Schulung zum Thema besuchen müssen. Bisher war die Teilnahme an den Kursen freiwillig.

Ausserdem sollen alle Mitarbeitenden – auch die ehrenamtlichen und freiwilligen – einen Verhaltenskodex mit Verpflichtungserklärung unterschreiben. Die Kurse und der Verhaltenskodex sollen die Mitarbeitenden dazu anregen, sich bezogen auf die eigene Tätigkeit in der Kirche mit den Themen Grenzüberschreitungen und sexuellen Übergriffen zu beschäftigen, heisst es in der Vorlage des Kirchenrats.

Das Ziel der Massnahmen bestehe darin, Kinder, Jugendliche und Mitarbeitende im kirchlichen Umfeld vor sexuellen Übergriffen und Belästigungen zu schützen. Ausserdem sollen betroffene und angeschuldigte Mitarbeitende Beratung und Unterstützung erhalten und die kirchlichen Behörden wissen, wie sie in einem konkreten Fall reagieren können.

Eine Verurteilung seit 2014

Anlass für die Änderung der Kirchenordnung seien nicht Vorfälle in diesem Bereich. «Jeder kann während der kirchlichen Arbeit in Situationen kommen, in denen das Thema Nähe und Distanz zentral ist», sagt Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg. Es könne zum Beispiel sein, dass es in einem Kinderlager nach einem Tag in der Natur eine Zeckenkontrolle braucht. «Da ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden adäquat reagieren und nicht auf einmal der Vorwurf der Grenzüberschreitung im Raum steht», sagt Weber-Berg.

Die Synode hatte bereits 2014 beschlossen, dem Verein Mira beizutreten, der sich der Prävention sexueller Übergriffe im Freizeitbereich widmet. Seither sei es zu zehn Fällen von sexuellen Übergriffen und Grenzverletzungen gekommen, schreibt der Kirchenrat. In einem Fall kam es zu einer Verurteilung, bei zwei anderen wurden Supervisionen angeordnet. Die Verurteilung betreffe einen freiwilligen Mitarbeiter, sagt Weber-Berg.

Die beiden anderen Vorfälle seien niederschwellig und führten dazu, dass den Mitarbeitenden eine Supervision zum Thema Nähe und Distanz verordnet wurde. Er sei froh, dass in allen Fällen rasch und entschieden reagiert wurde und die getroffenen Massnahmen gegriffen haben.

Eine weitere Änderung betrifft die Pädophileninitiative, die das Stimmvolk 2014 angenommen hatte. Diese verpflichtet auch Kirchen dazu, von allen Mitarbeitenden, die mit Kindern und Jugendlichen Kontakt haben, einen Sonderprivatauszug zu verlangen. In einem solchen Auszug erscheinen Urteile, die ein Berufs-, Tätigkeits- oder Kontakt- und Rayonverbot enthalten, das zum Schutz von Minderjährigen oder anderen besonders schutzbedürftigen Personen erlassen wurde.

Die Synode wird am Mittwoch im Rahmen ihrer ordentlichen Sitzung über die entsprechenden Ergänzungen der Kirchenordnung diskutieren. Weber-Berg geht davon aus, dass die neuen Bestimmungen beschlossen werden: «Bis jetzt habe ich keinen Widerstand gespürt.» Die Kosten für die Schulungen betragen rund 10'000 Franken pro Amtsperiode und werden in das Budget der Landeskirche aufgenommen.