Im Gesundheitswesen ist mehr Qualität für weniger Geld möglich. Davon ist die FDP Aargau überzeugt. Diese Woche hat die Fraktion die «Liberale Gesundheitsagenda» verabschiedet. Diese zeigt Handlungsfelder für die kantonale und nationale Politik auf. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Im Herbst geht das neue Spitalgesetz in die Anhörung – der eine oder andere Vorschlag könnte also durchaus noch berücksichtigt werden.

Zwar sind 90 Prozent der Kostensteigerung im Gesundheitswesen auf die Vorgaben der neuen Spitalfinanzierung zurückzuführen. Der Handlungsspielraum des Kantons ist entsprechend klein. Trotzdem gebe es auch auf Kantonsebene Stellschrauben, um den steigenden Kosten entgegenzuwirken, sagt Fraktionspräsidentin Sabina Freiermuth. Mit der Strategie ambulant vor stationär sei der Kanton auf dem richtigen Weg.

«Aber die heutigen Strukturen passen nicht zur Strategie», sagt Freiermuth. Die Aargauer Spitäler wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert gebaut. Damals war die Bevölkerung weniger mobil. Es war überlebenswichtig, ein Spital in der Nähe zu haben. Zudem waren Eingriffe früher oft nur stationär möglich, es brauchte viele Betten. Heute ist die Ausgangslage eine andere. Der Kanton als Planer der Gesundheitsversorgung müsse deshalb definieren, was die Regionen brauchen.

Gesundheitszentren statt Spitäler

Dabei dürften heutige Strukturen nicht zementiert werden. Dass das Spital Menziken seine Geburtenabteilung schliesse, möge im ersten Moment hart klingen, sei aber eine Entwicklung in die richtige Richtung, sagt Grossrätin Martina Sigg. Werde eine Leistung zu wenig oft nachgefragt, müsse der Verwaltungsrat die Konsequenzen ziehen und das Spital gegebenenfalls anders ausrichten.

«Dabei ist zentral, den Menschen in der Region verständlich zu machen, dass die Qualität nicht leidet und die Versorgung nicht schlechter ist», sagt Freiermuth. Im Gegenteil: Je öfter ein Eingriff durchgeführt werde, desto routinierter sei das Team, desto höher die Qualität und desto weniger Fehler passierten. Das solle der Kanton bei der Vergabe der Leistungsaufträge berücksichtigen und in der Spitalliste «klare und genügend hohe Mindestfallzahlen definieren». Die (kleineren) Regionalspitäler sollten gar per Leistungsauftrag «dazu bewegt werden, sich auf die Grundversorgung zu fokussieren».

Der FDP schwebt vor, dass einige Regionalspitäler zu Gesundheitszentren werden. «In solchen Zentren wären verschiedene Fachärzte vertreten», sagt Sigg. Ausserdem würden die Zentren eng mit niedergelassenen Ärzten, der Spitex, Physiotherapeuten und Apotheken zusammenarbeiten. Obwohl die FDP als Beispiel ausgerechnet das Gesundheitszentrum Brugg aufführt, das aus dem ehemaligen Bezirksspital entstanden ist, hütet sich die Partei davor, Spitalschliessungen zu fordern: «Es geht nicht darum, Spitäler zu schliessen, sondern sie umzuwandeln», sagt Sigg. Es brauche nicht in jeder Region stationäre Betten. «Wichtig ist eine flächendeckende, ambulante Grundversorgung.»

Der Kanton solle Bemühungen der Spitäler in diese Richtung fördern und Anreize zum Umbau setzen. Ob diese auch finanzieller Natur sein könnten, hat die FDP nicht abschliessend definiert. «Es muss sich für die Spitäler einfach lohnen, nachher in diesen Strukturen zu arbeiten», sagt Sigg. Dann finde sich auch ein Investor.

Wichtig sei aber, ambulante Angebote nur zu fördern, wenn dadurch stationäre Leistungen ersetzt werden. «Es darf nicht zu einer Mengen- und Angebotsausweitung führen», sagt Sigg. Damit das nicht passiere, sei die nationale Politik gefordert. «Sie müsste dafür sorgen, dass die Finanzierung und Tarife für ambulante und stationäre Leistungen einheitlich sind. Dadurch können Fehlanreize vermindert werden.»

Im Notfall in die grossen Spitäler

In den Regionen will die FDP den 24-Stunden-Notfallbetrieb zurückfahren. Bereits heute könnten viele Patienten in den kleineren Regionalspitälern nachts nicht mehr fachgerecht notversorgt werden. «Viele werden sowieso in eines der Zentrumsspitäler gebracht», sagt Sigg. Deshalb sollten die kleinen Spitäler Leuggern, Menziken und Laufenburg während der Nacht keine Notfälle mehr aufnehmen. Stattdessen würden die Patienten auf dem schnellstmöglichen Weg in die Notfallstationen der grösseren Spitäler in Aarau, Baden, Muri und Rheinfelden gebracht. Für Notfälle, die keine Spitalversorgung benötigen, bestehe bereits der ärztliche Notfalldienst. «Dieser muss allenfalls ausgebaut werden», sagt Sigg. Das sei aber «alleweil günstiger als der 24-Stunden-Betrieb eines Spitals».

Im Hinblick auf das neue Spitalgesetz werde die FDP die Einführung eines Globalbudgets vehement bekämpfen. «Es widerspricht der Forderung nach mehr Effizienz, Wettbewerb und Qualität», sagt Sigg. Hingegen soll sich der Kanton bei den Arztlöhnen stärker einbringen. Die Höhe der Löhne sorgte auch bei der FDP für Diskussionen. Zwar wollen die Freisinnigen ein attraktives Lohnsystem. «Aber eines, das ohne rein mengenbezogene Bestandteile auskommt», sagt Sigg.