Der Direktor des Bundesamts für Justiz ist so etwas wie das juristische Gewissen der Eidgenossenschaft, ein Top-Posten in der Bundesverwaltung. Was motiviert den Mann, der es schon mit 38 Jahren auf diesen Posten schaffte, als Chef der Kantonspolizei anzuheuern? «Es gab ausschliesslich Pull-Faktoren, keine Push-Faktoren», wie sich Michael Leupold ausdrückt. Und was bedeutet: Es war nicht etwa so, dass ihm seine Aufgabe nicht gefallen würde oder sein Stuhl in Bern gewackelt hätte. Vielmehr hätten ihn die Arbeit der Kantonspolizei und die Aufgabe des Kommandanten schon zu seiner Zeit bei der Aargauer Kantonsverwaltung fasziniert.

Den Gedanken, vielleicht einmal diesen Posten zu bekleiden, habe er nach seinem Wechsel nach Bern eigentlich ad acta gelegt gehabt. Als dann aber der Rücktritt von Stephan Reinhardt bekannt wurde, habe er noch einmal überlegt und sei zum Schluss gekommen: «Wenn ich mein Dossier nicht einschicke, wird mich das ewig reuen.»

Familie spielt auch eine Rolle

Dass er nicht als Direktor des Bundesamts für Justiz pensioniert wird, sei für ihn immer klar gewesen, so Leupold. Was ihn an seiner neuen Aufgabe reizt, sei die Führungsverantwortung, mehr selber gestalten zu können als in seiner jetzigen Funktion, «konkret etwas für die öffentliche Sicherheit und damit für das Wohlbefinden der Menschen zu tun». Dass man seinen Wechsel auch als Abstieg betrachten kann, kümmert Leupold nicht. «Irrelevant», sagt er zu dem Einwand. In der Bundesverwaltung hätte er nirgends mehr hin aufsteigen können, die Berufung zum Polizeikommandanten sieht er wenn schon als Seitwärtsbewegung. Leupold: «Wichtig ist mir eine Aufgabe, in der die Führung eine Rolle spielt und wo der Mensch im Zentrum steht.» Und als Vater von zwei noch lange nicht dem Elternhaus entwachsenen Kindern spielte natürlich auch das familiäre Umfeld eine Rolle: Der neue Polizeikommandant ist zwar in Oberwil BL aufgewachsen, lebt aber schon seit 1994 in Aarau, ist Aarauer Ortsbürger und hat auch das Bürgerrecht von Zofingen.

Was er bei allerbesten Qualifikationen nicht hat: praktische Erfahrung in der Polizeiarbeit. «Man kann das als Manko sehen», räumt Leupold ein. Aus seiner früheren Tätigkeit als Chef der Abteilung Strafrecht im Departement Volkswirtschaft und Inneres kenne er aber die Organisation der Kantonspolizei sehr gut und vor allem auch die Schnittstellenprobleme zu den Strafverfolgungs- und Strafvollzugsbehörden. Bevor er das Kommando nächsten Sommer übernimmt, will er aber Stages bei Polizeikorps absolvieren, um den Polizistenalltag kennenzulernen.