Energiewende

So will der Kanton Aargau den wegfallenden Atomstrom ausgleichen

Werner Leuthard, Leiter der Fachstelle Energie vom Kanton Aargau.

Werner Leuthard, Leiter der Fachstelle Energie vom Kanton Aargau.

Die Aargauer Kantonsregierung unterstützt das nationale Energiegesetz, das am 21. Mai zur Abstimmung kommt. Sie erinnert daran, dass die vom Grossen Rat verabschiedete kantonale Energiestrategie energieAargau auf der Energiestrategie 2050 des Bundes basiere. Diese ziele mit dem ersten Massnahmenpaket in die richtige Richtung. Das unterstreicht auch Werner Leuthard, Leiter der Abteilung Energie des Kantons: «Der Energieverbrauch soll durch Erhöhung der Energieeffizienz gesenkt werden.»

Das geht, wie die jüngere Vergangenheit zeige, so Leuthard. Die Zielsetzung einer Verbrauchssenkung pro Kopf um 43 Prozent zwischen 2000 und 2035 sei auf den ersten Blick hoch und bedinge eine jährliche Absenkrate von 1,6 Prozent. «Seit 2000 haben wir eine Absenkung von 1,4 Prozent erreicht, ohne Komforteinbusse, einfach mit effizienteren Geräten und achtsamem Umgang mit Energie.» Da liege noch viel drin. Bis 2035 müsse die jährliche Absenkrate 1,7 Prozent betragen, um das Ziel zu erreichen.

Wenn die AKW dereinst abgestellt sind, haben wir deutlich weniger Strom. Droht dann nicht ein Vorschriftenstaat? Werner Leuthard schüttelt den Kopf: «Es geht darum, Geräte clever einzusetzen und Lasten zu verschieben, sodass wir weniger Strom brauchen, wenn die Produktion geringer ist, und mehr, wenn sie hoch ist. Früher war es üblich, abends zu waschen, weil der Strom günstiger war.

Eine moderne Waschmaschine kann man problemlos so programmieren, dass sie den Waschzeitpunkt bei geringer Stromnachfrage selber festlegt. Wir wollen die Menschen nicht zu einer Verhaltensänderung zwingen. Aber wer die Maschine bei geringer Stromnachfrage laufen lässt, kann mit einem tieferen Strompreis belohnt werden, bei hoher Nachfrage zahlt man deutlich mehr.»

Sonnenenergie soll bis 2035 jede vierte Kilowattstunde liefern:

Selbst wenn der Verbrauch pro Person weiter sinkt, wird die Wasserkraft nicht reichen. Wie will der Aargau die Lücke schliessen? Der Bund will mehr Wasserkraft. Leuthard: «Die ist im Aargau schon so stark ausgebaut, dass nur noch minim mehr möglich ist.» Der Aargau hat fünf Standortgebiete für Windenergie ausgeschieden. «Man könnte weitere dazunehmen», so Leuthard, «der Aargau ist aber für Windenergie nicht der geeignetste Kanton.» Auch bei der Biomasse kann und wird man mehr herausholen, die tiefe Geothermie mit grossem Potenzial ist noch im Entwicklungsstadium.

Wie der Bund setzt der Aargau sehr auf Solarenergie. Ein Solarkataster zeigt für jedes Gebäude, ob es für Solarpanels geeignet ist oder nicht. Derzeit bringen Photovoltaikanlagen rund 100 Gigawattstunden (GWh) jährlich. Bis 2035 sollen die neuen erneuerbaren Energien elfmal so viel beitragen. Über zwei Drittel der Dächer seien für die Produktion gut bis sehr gut geeignet. Würde man die entsprechend nutzen, käme man auf über 2000 GWh. Leuthard: «Wir rechnen damit, dass etwa die Hälfte des Potenzials ausgeschöpft wird, dereinst also rund 1100 GWh Strom entstehen.

Damit käme künftig etwa jede vierte Kilowattstunde im Aargau von Solarpanels. Die Gestehungskosten sinken weiter. Der Zeitpunkt, an dem Netzparität entsteht, das heisst bis der Solarstrom nur noch so viel kostet wie der Strom inklusive Netzgebühren vom Elektrizitätswerk, ist nicht mehr sehr fern.» Sobald dieser Punkt erreicht ist, werde es von selbst laufen, ist er überzeugt. Er steht hinter der Energievorlage vom 21. Mai. Denn die Subventionen seien klar zeitlich limitiert. Deshalb könne im Energiebereich eben gerade keine neue, hochreglementierte Landwirtschaftspolitik entstehen. Leuthard: «Wenn wir Nein sagen, gewinnen wir nichts, verlieren aber fünf wertvolle Jahre, die wir jetzt nutzen müssen.»

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