Es soll sich etwas verbesseren in der Zusammenarbeit der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb), sprich den elf Aargauer Familiengerichten, und den Gemeinden.

Allgegenwärtig ist der Fall Flaach (ZH), wo Ende 2014 eine 27-jährige Mutter ihre beiden Kinder im Alter von zwei und fünf Jahren tötete, nachdem sie auf schriftlichem Weg erfahren hatte, dass man sie ihr wegnehmen will. Das hatte eine schweizweite Diskussion über die Arbeit der Kesb ausgelöst.

Die Aargauer Regierung präsentiert nun eine Reihe von Vorschlägen, die ein solches Drama verhindern sollen.

  • An den elf Aargauer Familiengerichten sollen die Berichts- und Rechnungsprüfungen der Beiständinnen und Beistände, die Begründung der Entscheide, die Gerichtskosten und die Ausgestaltung der Ernennungsurkunden standardisiert und vereinheitlicht werden.

  • Die Übermittlung von Entscheiden stellt für Betroffene oft ein Problem dar. Deshalb soll künftig vermehrt das Gespräch mit den Betroffenen gesucht werden. Mündliche Erklärungen würden besser verstanden und akzeptiert als schriftliche.

  • Familiengerichte sollen die Gemeinden künftig über Gefährdungsmeldungen von Drittstellen und -personen informieren. Damit können die Gemeinden ihre für das Verfahren relevanten Kenntnisse einbringen. Familiengerichte sollen zudem von den Gemeinden Informationen zu einer Gefährdungsmeldung abholen können.

  • Die behördlichen Massnahmen der Familiengerichte sind subsidiär. Sie sind also nur das letzte Mittel und nur dort angebracht, wo die freiwillige Bewilligung durch die Familie oder durch öffentliche oder private Dienste nicht ausreichend ist oder von vornherein nicht zum Ziel führt. Damit sollen die Gemeinden darin gestärkt werden, ihre Aufgaben im Kinder- und Erwachsenenschutz wahrnehmen zu können. Die Familiengerichte würden darurch von unnötigen Verfahren entlastet.

  • Berufsbeistände: Die Gerichte Kanton Aargau werden für Berufsbeistände ein Handbuch erarbeiten. Die Gemeinden werden für Beistände die Weiterbildung und die fachliche Begleitung für Neueinsteiger verbessern.

  • Private Beistände: Sie stellen im Kanton Aargau rund einen Drittel aller Beistände dar. Auch sie sollen Standards erhalten, wie Berichterstattung und Rechnungslegung zu erfolgen hat. Damit soll ihr administrativer Aufwand in vertretbarem Rahmen gehalten werden können. Sie erhalten eine Schulung und die Nummer einer Hotline bei Unklarheiten.

Alle Verbesserungsvorschläge bedingen Gesetztesänderungen. Die Anhörungsfrist hat der Regierungsrat bis zum 15. Juli 2016 festgesetzt.

Das Familien-Drama von Flaach (ZH) löste eine schweizweite Diskussion über die Kesb aus:

In der Sendung «TalkTäglich» diskutierten am Montagabend Daniela Fischer, Anwältin der Kindsmutter, Psychologe Thomas Steiner und Kesb-Präsident Ruedi Winet mit Moderator Markus Gilli (von links).