Massensterben

So will der Aargau die Bienen retten: Mit bis zu 15'000 Franken Subventionen – pro Bauer

Eine Biene bei der Nahrungsaufnahme.

Eine Biene bei der Nahrungsaufnahme.

Der Kanton Aargau hat zusammen mit mehreren Trägervereinen im vergangenen Jahr ein Projekt lanciert, dass die Bauern dazu bringen soll, die Bienenpopulation durch verschiedene Massnahmen zu schützen. Heute haben sie erstmals über den bisherigen Verlauf des Projektes informiert.

Den Bienen geht es heute schlechter denn je. Im Jahr 1986 besiedelten rund 26‘000 Bienenvölker die Schweiz, 2016 waren es nur noch knapp 10‘000. Wie verheerend diese Entwicklung sein könnte, verdeutlicht ein Zitat von Albert Einstein. Er soll gesagt haben: «Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.»

Damit dieses apokalyptische Schreckensszenario nicht eintrifft, sind auch die regionalen Landwirte gefordert. Der Aargauer Bauern- und der kantonale Bienenzüchterverband haben in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau und den Umweltorganisationen Agridea und Agrofutura ein Ressourcenprojekt lanciert. Eines ihrer Ziele ist die Förderung der Gesundheit von Honigbienen im Aargau.

Heute haben die Trägervereine und der Kanton an einer Medienkonferenz in Remetschwil über den aktuellen Stand informiert. „Nach einer Pilotphase im vergangenen Jahr sowie diversen Informationsveranstaltungen konnte das Projekt im 2017 erfolgreich gestartet werden“, sagte Simon Grossniklaus, stellvertretender Leiter von Landwirtschaft Aargau. Bereits 250 Bauern hätten sich in den ersten fünf Monaten verpflichtet, was die Erwartungen des Kantons deutlich übertroffen habe. „Wir sind von etwas mehr als 200 Landwirten bis Ende 2017 ausgegangen. Die 250 Bauern entsprechen rund zehn Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe im Kanton Aargau - das ist ein sehr guter Wert“, so Grossniklaus.

Bauern müssen Imker-Veranstaltung besuchen

Jeder Landwirt, der am Ressourcenprojekt partizipieren will, muss sich zu acht Grundmassnahmen verpflichten. Beispielsweise müssen die Bauern auf ihren Feldern Holzbeigen oder Steinhaufen errichten. „Solche Kleinstrukturen dienen Wildbienen als Brutplatz und teilweise auch als Nahrungsquelle“, erklärt Grossniklaus.

Auch zu den Grundmassnahmen gehört ein Veranstaltungsbesuch bei der Imkersektion, um die Kommunikation zwischen den Landwirten und den Bienenzüchtern zu fördern. Zusätzlich müssen die Bauern auch mindestens eine Einzelmassnahme umsetzen. Diese seien anspruchsvoller und dementsprechend aufwendiger.

Bund und Kanton subventionieren das Projekt

Aus reinem Goodwill oder Mitleid mit den Honig- und Wildbienen würden wohl die wenigsten Landwirte bei einem solchen Projekt mitmachen. Für die Grundmassnahmen erhält ein Bauer je nach Betriebsgrösse zwischen 400 und 1100 Franken im Jahr. Mit Einzelmassnahmen kann er noch mehr dazuverdienen – insgesamt bis zu 15'000 Franken.

Doch woher fliesst eigentlich das Geld? "Der Bund unterstützt das Projekt zu 80 und der Kanton Aargau zu 20 Prozent, insgesamt haben wir 5,3 Millionen Franken zur Verfügung", erklärt Ralf Bucher vom Aargauer Bauernverband. Im Wissen ob des schiefen Aargauer Finanzhaushaltes fügt er hastig hinzu: "Das Geld vom Kanton stammt aus dem Swisslos-Fonds und belastet die Erfolgsrechnung nicht."

Dass man die weltweite Bienenpopulation nicht im Kanton Aargau retten kann, ist auch dem Verbandspräsidenten der Aargauer Imker Andreas König bewusst. Es gehe auch darum, das Bewusstsein und die Sensibilität der Landwirte zu schärfen. Früher habe es noch deutlich mehr Bauern gegeben, die gleichzeitig auch Imker waren. Heute sei dies kaum noch der Fall.

Autor

Nicola Imfeld

Nicola  Imfeld

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