Amoklauf
So werden Schüler im Aargau vor Amokläufen geschützt

Nach dem Amoklauf in den USA stellt sich die Frage: Was machen Aargauer Schulen, um vor solchen Taten zu schützen? Nicht alle gehen konkret auf Amokläufe ein, ein Notfallkonzept braucht aber jede Schule.

Adrian Hunziker
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Der Amoklauf von Newtown im US-Bundesstaat Connecticut beschäftigt auch die Schweiz. Die Stadt Zürich will beispielsweise die Schulen besser vor Amokläufen schützen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Nach dem Amoklauf von 2009 im deutschen Winnenden bei Stuttgart mit 15 Toten fragte die «Aargauer Zeitung» einige Schulen im Kanton an, welches Sicherheitskonzept sie verfolgen. Die Kreisschule Unteres Fricktal besass zwar damals schon ein Notfallkonzept. Dort war das Thema Amoklauf aber noch nicht explizit erwähnt.

«Wir haben uns die Thematik Amoklauf intensiv angeschaut und die Verantwortlichen wissen nun genau, was sie in so einem Fall tun müssen. Der Amoklauf ist jetzt also im Notfallkonzept integriert», erklärt Beat Glünkin, Leiter der Bezirksschule Rheinfelden.

Angst vor Missbrauch

Ausserdem sei technisch einiges gegangen, eine Optimierung sei erfolgt. «Was wir genau für Vorkehrungen trafen, kann ich aus Vorsichtsmassnahmen nicht sagen. Auch wegen möglichen Missbrauchs kommunizieren wir solche Informationen nicht», sagt Glünkin. Bei der Umsetzung der Sicherheitsmassnahmen hielt sich die Kreisschule unteres Fricktal an die Vorschläge des Kantons.

«Alle Schulen sind angehalten, ein Notfallkonzept für ihre Schule bereitzuhalten, welches auf die lokalen Gegebenheiten ausgerichtet ist. Bei der Erarbeitung kann die Polizei und/oder das Bildungsdepartement beratend beigezogen werden», sagt Bildungsdepartements-Sprecherin Simone Strub.

Auch bei der Fachhochschule Nordwestschweiz hat man reagiert. Derzeit wird der neue Campus in Brugg fertiggestellt. «Wir sind dran, für den Campus ein Krisenkommunikationskonzept zu erarbeiten», sagt Kommunikationsleiterin Jacqueline Keller. Die bereits bestehenden Konzepte würden zudem überarbeitet und optimiert. «Sie müssen den neusten Begebenheiten angepasst werden», so Keller.

Für Kanton ändert sich nichts

Aufgrund des neusten Vorfalls wollen andere angefragte Schulen kein neues Konzept ausarbeiten, wie eine Umfrage zeigt. Es gelten für Volks- und Kantonsschulen weiterhin die Verhaltensregeln, welche die Kantonspolizei zusammen mit dem Bildungsdepartement vor drei Jahren in einem Merkblatt erarbeitet hat und den Schulen zur Verfügung stellt. Das war damals eine Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden. Für die Aargauer Schulen gibt es allerdings keine einheitliche Regelung des Sicherheitskonzepts.

Auf dem Merkblatt der Kantonspolizei werden die konkreten Verhaltensanweisungen für den Fall einer akuten Gefahr aufgezeigt. «Seit 2009 hat sich fürs Bildungsdepartement bezüglich dieses Merkblattes nichts geändert. Zudem überprüfen die Schulen ihr Sicherheitskonzept regelmässig, ob alles noch aktuell und adäquat ist», sagt Bildungsdepartements-Sprecherin Strub.

Das Merkblatt entspricht einer Checkliste für das Verhalten der Lehrer. «Die Lehrperson wird aufgefordert, sofort das Schulzimmer von innen abzuschliessen, die Tür wenn nötig zu verbarrikadieren und die Schüler im Schulhaus zu behalten», sagt Polizei-Sprecher Bernhard Graser. So würde ein mögliches Chaos verhindert.

Keine baulichen Massnahmen

Weiter sollten die Lehrer untereinander per Handy Kontakt aufnehmen und verifizieren, was genau passiert ist. «Sobald sie ein wenig genauer Bescheid wissen, ist der nächste Schritt die Benachrichtigung der Polizei. Dazu gehört auch eine Lageschilderung», sagt Graser.

Im Merkblatt sind aber keine baulichen Massnahmen wie Alarmanlagen, Lautsprecher oder Panikschlösser erwähnt. «Meiner Meinung nach gibt es nur wenige Schulen im Aargau, die solche Massnahmen bereits getroffen haben», sagt Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauischen Lehrerverbandes.

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