Noch nie sind im Kanton Aargau so viele Konkurseröffnungen eingegangen wie 2018: Mit 858 Fällen ist der Höchststand vom Jahr zuvor noch einmal um rund 40 Fälle angestiegen. Auch die Anzahl der hängigen Konkursverfahren nahm erneut deutlich zu, wie aus dem Geschäftsbericht der Gerichte Kanton Aargau hervorgeht.

Während die Anzahl der Firmenkonkurse gegenüber dem Vorjahr in etwa gleich blieb, nahmen die Konkurseröffnungen über natürliche Personen zu. Die Gründe für diese Zunahme seien schwierig zu bestimmen, sagt Nicole Payllier, Sprecherin der Gerichte Aargau, auf Anfrage. «Ein Grund mag darin liegen, dass vermehrt Erbschaften ausgeschlagen werden.»

Das Aargauer Konkursamt schlägt Alarm: Die hohe Anzahl der Konkurseröffnungen sowie die teilweise personelle Unterbesetzung hätten im vergangenen Jahr erneut zu Überlastungen geführt. «Die Belastung der Mitarbeitenden ist aktuell sehr hoch», so Payllier. Ein weiterer Anstieg der Konkurseröffnungen würde dazu führen, dass die Belastung weiter zunehme. Dies könnte sich auf die Dauer der Verfahren auswirken.

Um die Mitarbeitenden zu entlasten, hat die Leiterin des Konkursamts, Beatrice Reinhardt, laut Payllier eine zusätzliche Stelle beantragt. Zudem sei geplant, die drei Amtsstellen Baden, Brugg und Oberentfelden an einem gemeinsamen Standort zusammenzulegen. Davon verspricht sich das Konkursamt Synergien.

Starke Belastung der Gerichte

Mit rund 42'700 neuen Fällen waren die Aargauer Gerichte im vergangenen Jahr stark belastet, heisst es in einer Mitteilung. Davon gingen über 35'500 neue Fälle bei den elf Bezirksgerichten ein.

Diese tragen also zahlenmässig die Hauptlast der Gerichtsfälle im Aargau. Inhaltlich betrafen rund 18'500 Fälle – mehr als die Hälfte – Verfahren des Familienrechts, inklusive Kindes- und Erwachsenenschutz. Diese Fallzahl entspricht dem hohen Niveau der Jahre 2013 bis 2017.

Während die Anzahl der pendenten Fälle bei den Bezirksgerichten etwa gleich hoch ist, wie im Vorjahr, hat sie am Obergericht leicht zugenommen: um rund 250 Fälle verglichen zu 2017. In 431 Fällen wurde ein Urteil des Obergerichts an das Bundesgericht weitergezogen – das sind rund 100 Fälle weniger als 2017. In 12,5 Prozent der Fälle hiess das Bundesgericht eine Beschwerde teilweise oder vollumfänglich gut – im gesamtschweizerischen Durchschnitt sind es 14,5 Prozent.

Längere Verfahrensdauer

Eine leichte Zunahme der Falleingänge war beim Spezialverwaltungsgericht festzustellen. Einen Rückgang verzeichneten hingegen das Zwangsmassnahmengericht, die Friedensrichterinnen und Friedensrichter sowie die Schlichtungsbehörden für Miete und Pacht. Trotz der hohen Belastung der Aargauer Gerichte konnte die Dauer der Verfahren reduziert werden. Dies ändere nichts daran, dass die generelle Auslastung nach wie vor hoch sei und es deshalb bei komplexen Fällen zu längeren Verfahrensdauern kommen könne, heisst es weiter in der Mitteilung.

Die Rechnung der Gerichte Kanton Aargau für 2018 schliesst mit Ausgaben von 85,3 Millionen und Einnahmen von 27,8 Millionen Franken. Die Aargauer Gerichte finanzierten sich damit zu 32,6 Prozent selber, im Vorjahr waren es noch 31,6 Prozent.